Die Atmosphäre im Ronhof erleben, ein Fußballspiel verfolgen und für einige Stunden die eigene Krankheit in den Hintergrund rücken lassen: Schwerstkranke und sterbende Menschen erhalten bei Heimspielen der SpVgg Greuther Fürth die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Angehörigen einen geschützten Platz im Stadion zu nutzen. Möglich macht dies die Familie Mederer, die ihre Loge im Sportpark Ronhof | Thomas Sommer in Zusammenarbeit mit dem Hospizverein Region Fürth zur Verfügung stellt.
Die Initiative besteht seit zwei Jahren. Pro Heimspiel können zwei Personen die Partie aus der Loge im Obergeschoss der Haupttribüne verfolgen. Die Plätze werden über den Hospizverein vermittelt, der die betroffenen Menschen begleitet und die Stadionbesuche organisiert.
Herbert Mederer ist seit vielen Jahren eng mit der SpVgg Greuther Fürth verbunden. Seine Ehefrau Kerstin Mederer engagiert sich als 2. Vorsitzende des Hospizvereins Region Fürth. Aus beiden Bereichen entstand die Überlegung, die eigene Loge Menschen zur Verfügung zu stellen, für die ein gemeinsamer Stadionbesuch einen besonderen Stellenwert haben kann.
Auch die Spielvereinigung würdigt das Engagement. «Die Familie Mederer begleitet das Kleeblatt seit vielen Jahren und hat ihre Verbundenheit zum Verein immer wieder auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht», sagt Kleeblatt-Geschäftsführer Holger Schwiewagner. Projekte wie die Soziale Loge zeigten, «welche Kraft Fußball auch abseits des Spielfelds entfalten kann». Der Verein sei der Familie dafür sehr dankbar und hoffe, das Projekt auch in den kommenden Jahren fortsetzen zu können.
Für Kerstin Mederer steht hinter der Initiative vor allem der Gedanke, vorhandene Möglichkeiten mit anderen zu teilen. «Das ist meine Haltung im Leben – zu teilen, zu gucken, wo sind vielleicht Menschen, denen es nicht so gut geht», erklärt sie. Daraus sei schließlich die Frage entstanden, was die Familie gemeinsam mit der Spielvereinigung in Fürth tun könne.
Der Stadionbesuch soll dabei vor allem gemeinsame Zeit und ein Erlebnis außerhalb des von Krankheit geprägten Alltags ermöglichen. «Sie können abschalten, sie erleben etwas, sie müssen nicht an ihre Krankheit denken. Und trotzdem gibt die Loge dabei einen sicheren Rahmen», sagt Mederer.
Eine zentrale Rolle übernimmt der Hospizverein Region Fürth. Er kennt die begleiteten Menschen und ihre individuellen Bedürfnisse. Koordinatorin Inga Kottirre begleitet die Soziale Loge seit deren Beginn und organisiert die Besuche. Nach ihren Worten zeigen die Erfahrungen aus der Hospizarbeit, welchen Wert gemeinsame Zeit und besondere Erlebnisse für schwerkranke Menschen und deren Angehörige haben können.
Dabei wird nicht pauschal entschieden, für wen ein Stadionbesuch infrage kommt. Die ehrenamtlichen Begleiter des Hospizvereins stehen in engem Kontakt mit den Betroffenen. «Im gemeinsamen Gespräch wird ermittelt, welche Interessen die Menschen haben und welche Wünsche sie haben», beschreibt Kottirre das Vorgehen.
Für den Vorsitzenden des Hospizvereins, Dr. Ulf Prudlo, gehört eine solche Teilhabe zum grundlegenden Verständnis der Hospizarbeit. «Unsere Hauptaufgabe ist, die letzte Lebenszeit bei den Menschen, die wir begleiten, so positiv und so leidfrei wie möglich zu gestalten», sagt Prudlo. Im Mittelpunkt stehe dabei nicht allein die Erkrankung, sondern der Mensch mit seinen Interessen, Beziehungen und Bedürfnissen. Seine Haltung fasst Prudlo in einem Satz zusammen: «Das Leben ist das Wichtige und nicht das Sterben.»
Gerade persönliche Wünsche könnten in dieser Lebensphase eine große Bedeutung gewinnen. Ein Fußballverein wie die SpVgg Greuther Fürth habe für viele Menschen in Stadt und Landkreis einen hohen Stellenwert, erklärt Prudlo. Ein Besuch im Ronhof könne deshalb weit mehr sein als nur der Besuch eines Fußballspiels.

