Ein hoher Turm erinnert an einen Mälzereischornstein, daneben spannt sich ein Klettergarten aus Stangen, Seilen und Netzen. Ein Stück weiter stehen drei alte Fässer. Wer den neuen Spielplatz an der Dambacher Straße 88 in Fürth betritt, stößt immer wieder auf Hinweise darauf, was sich früher an dieser Stelle befand. Die Stadt Fürth hat am Freitag ihren 98. öffentlichen Spiel- und Freizeitbereich eröffnet. Der rund 1200 Quadratmeter große Platz am Wohnpark Rednitzaue ist der Brauerei-Geschichte des Areals gewidmet.
Die Idee dazu entstand nicht am Schreibtisch. Grünflächenamtsleiter Ernst Bergmann kannte das frühere Brauereiareal von einer Führung, an der er vor Jahren teilgenommen hatte. Als deutlich wurde, dass sich das Gelände verändern würde, wollte er zumindest einen Teil seiner Geschichte bewahren. «Da könnte man doch mit dem Spielplatz an die Brauerei-Tradition dieses Standorts erinnern», schilderte Bergmann beim Pressetermin seine damalige Überlegung.
Auf dem Areal befanden sich früher die Humbser- und Geismann-Brauerei.
Aus der Idee wurde schließlich ein Spielplatz mit drei unterschiedlichen Bereichen. Am auffälligsten ist der große Rutschenturm. Seine Form spielt auf den Schornstein einer Mälzerei an. Zwei Rutschen führen von dort hinunter: eine offene aus drei Metern Höhe und eine geschlossene Röhrenrutsche aus sechs Metern. Daneben liegt der «Stangenklettergarten».
Mit seinen schrägen Stangen, Netzen, Seilen und Stegen soll er an den früheren Hopfenanbau erinnern. Auch eine Schaukel wurde in die Kletterlandschaft eingebaut. Die Spielgeräte entstanden als Sonderanfertigungen für diesen Standort.
Etwas ruhiger geht es im dritten Bereich zu. Er richtet sich vor allem an kleine Kinder. Das gestalterische Leitmotiv sind hier Fässer. Sandspielflächen, eine kleine Rutsche, eine Kleinkinderschaukel und Rückzugsmöglichkeiten gehören zur Ausstattung. Besonders auffällig sind drei echte alte Fässer, die nun zwischen den Spielgeräten stehen. Sie stammen laut Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung aus dem Fürther Felsenkeller. Bei einer früheren Sanierung seien sie dort nicht mehr benötigt worden. Das Grünflächenamt habe sie deshalb aufgehoben. Für den Brauerei-Spielplatz hätten sie nun den passenden Platz gefunden.
Der Platz ist nicht ausschließlich für Kinder gedacht. Wer sie begleitet, findet im nördlichen Teil einen überdachten Sitzbereich mit Tischen und Bänken. Die pergolaartige Konstruktion soll künftig mit echtem Hopfen bewachsen sein. Zugleich erfüllt sie eine praktische Funktion.
Ganz billig war die außergewöhnliche Gestaltung nicht. Als der Bau- und Werkausschuss das Projekt im April 2025 genehmigte, waren Gesamtkosten von 400.000 Euro vorgesehen. Aus einem städtebaulichen Vertrag für den Wohnpark Rednitzaue standen bereits 120.000 Euro zweckgebunden für den Spielplatz zur Verfügung. Die vorläufige Kostenfeststellung liegt bei 410.000 Euro, wie Stadtbaurätin Christine Lippert sagte.
Begonnen hatten die Bauarbeiten am 13. April. Am 18. September waren sie abgeschlossen. Ganz reibungslos verlief der Bau nicht. Die Arbeiten zogen sich über einen längeren Zeitraum hin als zunächst vorgesehen. Das Grünflächenamt führt dies unter anderem auf die aufwendige Koordination von vier ausführenden Firmen zurück. Dadurch seien zwischenzeitlich Unterbrechungen der Landschaftsbauarbeiten notwendig geworden.
Fertig entwickelt ist die Grünanlage damit noch nicht. Hecken aus heimischen Gehölzen sollen an mehreren Grundstücksgrenzen für Sichtschutz sorgen. Zum angrenzenden Fuß- und Radweg ist eine lockere Baumreihe vorgesehen. Im Herbst 2027 sollen außerdem 15 Großbäume hinzukommen. Sie dienen als Ersatzpflanzungen im Zusammenhang mit dem Neubau des Helene-Lange-Gymnasiums.
Wie der Spielplatz im Alltag angenommen wird, ließ sich bereits bei der Einweihung erahnen. Kinder des Mehrgenerationenhauses Mütterzentrum durften die Anlage offiziell als Erste testen. Lange Erklärungen brauchte es dabei nicht. Klettergerüst und Röhrenrutsche waren schnell besetzt. Aus einem ehemaligen Stück Brauereigelände ist damit ein Ort geworden, an dem Stadtgeschichte nicht hinter einer Tafel steht, sondern zum Klettern und Rutschen einlädt.

