Was heute eine Brücke ist, kann morgen ein Piratenschiff sein. Und ein großer Stein wird mit etwas Fantasie zum Berggipfel. Auf dem neuen inklusiven Spielplatz in Roßtal gibt es bewusst nicht für alles eine festgelegte Funktion. Die Kinder sollen selbst herausfinden, was sie mit den unterschiedlichen Materialien und Spielangeboten anfangen können. Jetzt wurde die rund 355.000 Euro teure Anlage auf dem Gelände «Freizeit und Erholung» an der Hochstraße offiziell eröffnet.
Hinter dem ungewöhnlichen Konzept steckt ein wichtiger Gedanke: Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam spielen können, ohne dabei zwangsläufig dieselben Dinge tun zu müssen. Entscheidend ist, dass jeder entsprechend seinen Fähigkeiten Möglichkeiten findet, sich auszuprobieren, Neues zu entdecken und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln.

Dafür wurde das Gelände abwechslungsreich gestaltet. Neben einer Partnerschaukel und einer inklusiven Wippe gibt es Baumstämme, Findlinge, Hügel und Balanciermöglichkeiten. Verschiedene Untergründe sprechen die Sinne an und laden dazu ein, die Umgebung auch barfuß zu erkunden. Rund um den Spielplatz führt eine Rollerbahn, die sich mit unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln nutzen lässt, vom Fahrrad und Skateboard bis zum Rollstuhl.
Roßtals Bürgermeister Rainer Gegner machte bei der Eröffnung deutlich, dass der Spielplatz mehr sein soll als eine Ansammlung von Geräten. Die Kinder sollen ihre eigenen Ideen entwickeln können. «Der Spielplatz soll immer wieder neu entdeckt werden können. Was heute eine Brücke ist, kann morgen ein Schiff oder ein geheimer Weg sein», sagte er.
Auch Landrat Bernd Obst sieht in der Anlage einen Ort, der gemeinsames Spielen ermöglichen und zugleich Raum für individuelle Entwicklung bieten soll. «Er soll ein lebendiger Ort sein, an dem sich alle Kinder ausprobieren und ihrer Fantasie freien Lauf lassen können», betonte er. Dabei sollen sich auch mit zunehmendem Alter neue Herausforderungen ergeben.
Geplant wurde die Anlage von Scheuerer Landschaftsarchitektur, umgesetzt von der Firma GaLaBau Jung. Zwischen dem Baubeginn am 12. Juni und der Fertigstellung am 30. September lagen gut dreieinhalb Monate. Von den Gesamtkosten in Höhe von 355.000 Euro wurden 132.111 Euro über das europäische Förderprogramm LEADER finanziert. Dieses unterstützt Projekte, die das Leben im ländlichen Raum verbessern sollen.
Bei der Eröffnung stand schließlich das im Mittelpunkt, wofür die Anlage gebaut worden war: das Spielen. Nach dem Segensspruch von Pfarrer Jäger und Pfarrerin Richter wurde das Band durchschnitten. Besonders die neue Rollerbahn wartete bereits darauf, von den Kindern erobert zu werden.

