Drei Jahrzehnte nach einer lebensrettenden Knochenmarktransplantation blickt der Fürther Jörg Gaschler (im Bild in der Mitte) auf ein Datum zurück, das für ihn eine besondere Bedeutung hat. Im April jährte sich der Eingriff zum 30. Mal. Die CSU-Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger, die 1996 Schirmherrin einer Typisierungsaktion für Gaschler war, spricht in ihrer Mitteilung von einem «zweiten 30. Geburtstag». Der persönliche Jahrestag soll zugleich daran erinnern, wie wichtig die Bereitschaft zur Typisierung und zur Stammzellspende ist.
Die Vorgeschichte reicht in das Jahr 1994 zurück. Damals wurde bei Gaschler eine chronische myeloische Leukämie festgestellt. Die Erkrankung habe sich schnell zu einer hochaggressiven Form entwickelt. Selbst mit einer Transplantation sei die Prognose äußerst schlecht gewesen. Eine groß angelegte Suche nach einem passenden Spender blieb zunächst ohne Erfolg.
In Fürth wurde daraufhin eine Typisierungsaktion organisiert. Beteiligt waren der behandelnde Arzt Dr. Michael Fink (rechts im Bild), das Bayerische Rote Kreuz, der Reservistenverband und Petra Guttenberger, damals noch Stadträtin. Die Voraussetzungen waren Mitte der 1990er Jahre andere als heute. «Dazu muss man bemerken», so Guttenberger, «dass Typisierungsaktionen zum damaligen Zeitpunkt eine Blutentnahme erforderten und die Aufnahme in eine Datei vom jeweiligen potenziellen Spender selbst finanziert werden musste. Hier sind wir mittlerweile Gott sei Dank wesentlich weiter!»
Die Aktion in Fürth führte zunächst nicht unmittelbar zum passenden Treffer. Sie steht für Guttenberger dennoch für das, was bei schweren Erkrankungen entscheidend sein kann: Menschen vor Ort, die handeln, organisieren und sich registrieren lassen. «Schon damals war klar: Ohne Engagement vor Ort und ohne die Bereitschaft vieler Menschen zur Spende, gibt es für Betroffene oft keine Chance», erklärt Guttenberger.
Die entscheidende Hilfe kam schließlich aus dem Ausland. Eine passende Spenderin wurde in einer US-Datenbank gefunden. Das Knochenmark wurde in den USA entnommen, nach Deutschland transportiert und in München-Großhadern transplantiert. Gaschler lebt heute laut Mitteilung mit nur leichten Einschränkungen.
Dass ein passender Spender auch am anderen Ende der Welt gefunden werden kann, ist Teil eines international vernetzten Systems. Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland koordiniert nach eigenen Angaben das Zusammenwirken von Transplantationszentren, Sucheinheiten, Spenderdateien und internationalen Registern. Ziel ist es, für Patienten, die auf eine Transplantation angewiesen sind, möglichst schnell einen geeigneten Spender zu finden.
Für Menschen, die sich registrieren lassen möchten, ist der erste Schritt heute erheblich einfacher als früher. Nach Angaben der DKMS erfolgt die Registrierung mit einem Abstrich der Wangenschleimhaut. Die Probe wird anschließend ausgewertet und pseudonymisiert für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich können sich gesunde Menschen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren registrieren lassen.
Auch die Medizin hat sich seit Gaschlers Erkrankung weiterentwickelt. Bei der chronischen myeloischen Leukämie stehen heute moderne medikamentöse Therapien zur Verfügung. Fachinformationen beschreiben die allogene Stammzelltransplantation dennoch weiterhin als wichtige Option in bestimmten Krankheitsverläufen.
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