Fast drei Jahre lang fehlte der markanten Figur über dem Haupteingang des Fürther Stadttheaters ein entscheidendes Stück. Nun ist die Kolossalstatue, die in Fürth «Else» genannt wird, wieder vollständig: Der abgebrochene Unterarm wurde rekonstruiert, die Fackel nach historischem Vorbild neu angefertigt und die Figur umfassend restauriert.
Auslöser der Arbeiten war ein Vorfall im Juli 2023. In rund 28 Metern Höhe hatten sich die steinerne Hand und die Fackel der Statue gelöst und waren auf das Glasvordach über dem Eingang gestürzt. Das Schutzglas bremste den Fall ab. Verletzt wurde niemand. Untersuchungen ergaben anschließend, dass korrodierte Metallverbindungen im Inneren der Figur die Ursache waren. Feuchtigkeit war durch Risse und beschädigte Fugen in den Stein eingedrungen. Rostende Metallteile dehnten sich aus und sprengten schließlich Teile des Sandsteins.
Die Schäden erwiesen sich als umfangreicher als zunächst angenommen. Noch im vergangenen Jahr ging die Stadt davon aus, dass eine einfache Ergänzung der abgebrochenen Teile möglicherweise nicht ausreichen würde. Wegen weiterer Risse und Schäden an den Metallverbindungen wurde zeitweise sogar erwogen, die gesamte Figurengruppe nachzubauen und das historische Original an anderer Stelle aufzustellen.
Nach weiteren Untersuchungen konnte schließlich ein Konzept entwickelt werden, das die historische Figur erhält. Für den neuen Unterarm musste der beschädigte Bereich zunächst bis auf intakten Stein zurückgeschnitten werden. Das ergänzte Stück mit Hand und Fackelstab ist rund 70 Zentimeter lang.
Auch die Fackel selbst orientiert sich nun stärker am ursprünglichen Erscheinungsbild des Stadttheaters. Grundlage für die Rekonstruktion waren historische Vorlagen aus der Zeit um 1902. Die zuletzt an der Figur vorhandene Fackel war davon abgewichen. Die neue Flamme besteht aus vergoldetem Kupfer, ist etwa 50 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von knapp 20 Zentimetern.
Damit nähert sich die Figurengruppe wieder ihrem Erscheinungsbild aus der Entstehungszeit des Hauses an. Das Stadttheater wurde 1901 und 1902 nach Plänen des renommierten Wiener Architekturbüros Fellner & Helmer errichtet und am 17. September 1902 mit Beethovens «Fidelio» eröffnet. Die Frauenfigur auf dem Giebel wird als Lichtbringerin interpretiert. Zu ihren Füßen befinden sich eine männliche Figur und ein Löwe. In der kunsthistorischen Deutung wird dabei auch eine Verbindung zur Orpheus-Sage gesehen.
Die Arbeiten beschränkten sich nicht auf den abgebrochenen Arm. Die gesamte Figurengruppe wurde restauriert, weitere Figuren an der Hauptfassade werden überarbeitet und auch Fenster instandgesetzt. Mit der Planung war das Fürther Architekturbüro Conn und Giersch beauftragt. An Untersuchungen und Tragwerksplanung waren zudem Fachbüros aus München beteiligt. Die Sandsteinrekonstruktion übernahm die Bamberger Firma Monolith, die neue Kupferflamme fertigte eine Spenglerei aus München.
Für die Natursteinrestaurierung einschließlich der vergoldeten Kupferfackel nennt die Stadt Kosten von knapp 31.000 Euro. Hinzu kommen rund 25.000 Euro für Gerüstbauarbeiten. Diese Summe betrifft nicht sämtliche derzeit am Gebäude laufenden Arbeiten. Für den ersten größeren Sanierungsabschnitt an der Schauseite des Theaters sind insgesamt 185.000 Euro vorgesehen. Weitere Fassadenabschnitte sollen in den kommenden Jahren folgen.
Die Arbeiten an der Hauptfassade sollen Ende September abgeschlossen sein. Das Gerüst soll noch vor der Fürther Michaelis-Kirchweih verschwinden. Nach der Kirchweih ist vorgesehen, die Sandsteinsanierung an den Seitenfassaden fortzusetzen, sofern die Witterung dies zulässt.

