Im Landkreis Fürth ist erstmals eine Asiatische Tigermücke nachgewiesen worden. Das wenige Millimeter große, schwarz-weiß gestreifte Insekt wurde bereits im August im östlichen Teil Zirndorfs nahe der Bibert entdeckt. Ein Bürger hatte die verdächtige Mücke eingeschickt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bestätigte anschließend, dass es sich tatsächlich um eine Asiatische Tigermücke handelt. Noch ist allerdings offen, ob das Tier lediglich eingeschleppt wurde oder ob sich in dem Gebiet bereits weitere Exemplare befinden.
Das Gesundheitsamt Fürth hat deshalb gemeinsam mit dem LGL noch für diese Mückensaison ein gezieltes Monitoring rund um den Fundort veranlasst. Mit Fallen soll geklärt werden, ob es sich um einen einzelnen Fund handelt oder ob sich bereits eine Population angesiedelt hat. Weitere Maßnahmen sollen erst festgelegt werden, wenn die Ergebnisse vorliegen.
Landrat Bernd Obst warnt vor vorschnellen Sorgen: «Wir nehmen den Fund ernst, aber es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Wichtig ist jetzt, genau hinzuschauen und frühzeitig zu handeln, damit sich die Tigermücke möglichst gar nicht erst dauerhaft im Landkreis ausbreitet.»
Die Asiatische Tigermücke, wissenschaftlich *Aedes albopictus*, stammt ursprünglich aus Südostasien. Über Reise- und Warenverkehr gelangte sie in zahlreiche andere Regionen der Erde. Inzwischen hat sie sich auch in Teilen Europas und Deutschlands etabliert. Steigende Temperaturen schaffen nach Angaben des LGL zunehmend Bedingungen, unter denen sich Populationen auch in Deutschland ansiedeln und überwintern können. Das Bayerische Stechmücken-Monitoring untersucht deshalb gezielt Standorte, an denen eingeschleppte Arten auftreten könnten.
Das Robert Koch-Institut bezeichnet die weitere Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke als eine der Herausforderungen bei stechmückenübertragenen Krankheitserregern in Deutschland. Die Art kann unter bestimmten Voraussetzungen Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen. Bis zum Beginn der Mückensaison 2026 waren in Deutschland allerdings keine durch die Asiatische Tigermücke übertragenen Infektionen mit diesen drei Erregern festgestellt worden.
Auch das LGL weist darauf hin, dass bislang kein Fall einer lokalen Übertragung von Dengue-, Zika- oder Chikungunyaviren durch eine Asiatische Tigermücke in Bayern bekannt geworden ist. Eine Tigermücke trägt die Erreger zudem nicht automatisch in sich. Voraussetzung für eine Weitergabe wäre unter anderem, dass sie zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat. Das Gesundheitsrisiko wird deshalb derzeit als gering eingeschätzt. Im Landkreis Fürth ist nach Angaben des Landratsamtes bislang keine entsprechende Erkrankung bekannt, die dort ohne Zusammenhang mit einem Auslandsaufenthalt erworben wurde.
Von vielen heimischen Stechmücken unterscheidet sich die Asiatische Tigermücke vor allem durch ihr Verhalten und ihr Aussehen. Sie ist überwiegend tagsüber aktiv und gilt als vergleichsweise aggressiv beim Stechen. Erwachsene Tiere erreichen meist eine Körpergröße von etwa vier bis acht Millimetern. Charakteristisch sind der schwarze Körper, weiße Streifen an den Beinen sowie eine helle Linie über Kopf und Brust.
Für ihre Vermehrung braucht die Tigermücke keine großen Wasserflächen. Besonders interessant sind kleine Wasseransammlungen in der Nähe von Häusern und Gärten. Eier können etwa an Regentonnen, Pflanzenuntersetzern, Vogeltränken, Grabvasen, Gießkannen oder anderen Behältern abgelegt werden. Auch verstopfte Dachrinnen kommen als Brutstätten infrage. Seen, Fließgewässer sowie belebte Gartenteiche spielen dagegen kaum eine Rolle, weil dort natürliche Fressfeinde der Mückenlarven vorkommen.
Hinzu kommt, dass sich die Tiere normalerweise nur relativ kurze Strecken von ihrem Brutplatz entfernen. Nach Angaben des Landratsamtes liegt ihr Flugradius bei ungefähr 200 Metern. Genau deshalb kann die Beseitigung kleiner Wasserstellen in einem betroffenen Gebiet eine wichtige Rolle dabei spielen, eine Ansiedlung einzudämmen.
Wasser in Vogeltränken oder Pflanzenuntersetzern sollte nach Empfehlung der Behörden mindestens einmal pro Woche vollständig entfernt werden. Regentonnen können mit Deckeln oder feinmaschigen Netzen verschlossen werden. Gefäße, in denen sich Regenwasser sammeln könnte, sollten trocken gelagert werden. Weil die Eier der Tigermücke Trockenheit und Kälte überstehen können, genügt einfaches Ausschütten nicht immer. Vor dem Winter empfiehlt sich deshalb eine gründliche Reinigung mit heißem Wasser.
Verdächtige Mücken können zur Bestimmung an das LGL geschickt werden. Das Tier sollte dafür möglichst unbeschädigt eingefangen und trocken aufbewahrt werden. Einsendungen aus der Bevölkerung sind nach Angaben des Landesamtes ein wichtiger Bestandteil der Suche nach bislang unbekannten Vorkommen. Das LGL betont auch im Rahmen seines aktuellen bayerischen Monitorings, dass solche Funde dazu beitragen können, neue Populationen frühzeitig zu entdecken.

