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OB Jung: Keine Verbotslisten auf der Fürther Kärwa

29. September 2026, 10:27 Uhr
Die Fürther Michaelis-Kirchweih öffnet am 3. Oktober – besondere Vorgaben zu Liedern oder Dekorationen soll es nicht geben. (Foto: Stadt Fürth/Mittelsdorf)Die Fürther Michaelis-Kirchweih öffnet am 3. Oktober – besondere Vorgaben zu Liedern oder Dekorationen soll es nicht geben. (Foto: Stadt Fürth/Mittelsdorf)

In Erlangen wurde über unerwünschte Liedtexte gestritten, in München über die Darstellung von Frauenfiguren an Fahrgeschäften. Wenige Tage vor Beginn der Michaelis-Kirchweih erreicht die Debatte nun auch Fürth. Dort hat sich die Stadt festgelegt: Eine Liste mit unerwünschten Liedern oder einen besonderen Verhaltenskodex für die Kärwa wird es nicht geben.

Oberbürgermeister Thomas Jung reagierte damit auf Anfragen, welche Regeln in diesem Jahr für Schausteller und Ausschankbetriebe gelten sollen. Er habe sich bei der Frage auch mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Hilde Langfeld abgestimmt. Beide setzen nach Darstellung des Oberbürgermeisters auf die Verantwortung der Betreiber.

Der Hintergrund reicht über Fürth hinaus. Auf der Erlanger Bergkirchweih hatte eine Liste mit zwölf Liedern für Aufmerksamkeit gesorgt. Titel mit als sexistisch oder frauenfeindlich kritisierten Texten sollten dort möglichst nicht mehr gespielt werden. Die Empfehlung führte zu einer öffentlichen Diskussion darüber, wie weit Veranstalter bei der Musikauswahl eingreifen sollten.

Eine ähnliche Debatte entwickelte sich vor dem Münchner Oktoberfest. Mehrere Frauenfiguren am Teufelsrad wurden nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle verändert. Unter anderem erhielten zuvor freizügiger gestaltete Figuren zusätzliche Kleidung. Rund um die Änderungen wurde darüber gestritten, wie historische Volksfesttraditionen mit heutigen Vorstellungen von respektvoller Darstellung verbunden werden können.

Für die Fürther Michaelis-Kirchweih hält die Stadt solche konkreten Vorgaben nicht für notwendig. Jung erklärte, bei den Schaustellern bestehe Vertrauen darauf, dass sie sowohl bei der Musik an den Ausschänken als auch bei den Dekorationen ihrer Fahrgeschäfte verantwortungsvoll handelten. Die Stadt wolle deshalb keine Listen aufstellen, die festlegen, welche Inhalte akzeptabel seien.

Ganz ohne Grenzen soll die Kärwa dennoch nicht auskommen. Diskriminierende, ehrverletzende oder rassistische Darbietungen würden auf der Michaelis-Kirchweih nicht geduldet, betonte der Oberbürgermeister.

Fürth entscheidet sich damit für einen anderen Weg als eine detaillierte Sammlung einzelner Vorgaben. Nicht bestimmte Lieder oder Motive sollen vorab aufgelistet werden. Entscheidend soll vielmehr sein, dass die Betreiber selbst auf einen respektvollen Umgang achten und dabei die von der Stadt genannten Grenzen einhalten.

Viel Zeit bis zum Beginn der Kärwa bleibt ohnehin nicht mehr. Am Samstag, 3. Oktober, öffnet die Michaelis-Kirchweih, am Mittwoch, 14. Oktober, endet das Fest. Auf rund 42.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche verteilen sich in diesem Jahr 258 Beschicker. Dazu gehören acht Großfahrgeschäfte, 13 Kinderfahrgeschäfte sowie zahlreiche Ausschank-, Gastronomie-, Spiel- und Verkaufsbetriebe. Seit 2018 zählt die Fürther Kirchweih zum Immateriellen Kulturerbe. Nach Angaben der Stadt kommen jährlich rund 1,5 Millionen Besucher.

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