Es liegt verborgen unter Straßen, Häusern, Wiesen und Gewerbegebieten und spielt dennoch bei vielen Entscheidungen an der Oberfläche eine entscheidende Rolle: das Grundwasser. Im Oktober soll nun genauer untersucht werden, wie es unter Fürth und den Nachbarstädten aussieht. Mehr als 1.000 Messstellen und Brunnen im Großraum Nürnberg, Erlangen, Fürth und Schwabach werden dafür innerhalb weniger Tage überprüft.
Hinter der groß angelegten Messkampagne stehen die Technische Universität München und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Auch das Bayerische Landesamt für Umwelt, das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg und die vier Städte arbeiten an dem Projekt mit.
Erfasst werden vor allem zwei Werte: Wie hoch steht das Grundwasser und welche Temperatur hat es? Die Fachleute dokumentieren außerdem die Messstellen selbst. Aus den vielen einzelnen Messungen soll anschließend ein möglichst genaues Bild davon entstehen, wie sich das Grundwasser unter der gesamten Region verteilt.
Entscheidend ist dabei, dass die Werte innerhalb eines kurzen Zeitraums aufgenommen werden. Genau das macht eine sogenannte Stichtagsmessung aus. Werden die Wasserstände vieler Messstellen miteinander verglichen, lassen sich daraus unter anderem das Gefälle und die Fließrichtung des Grundwassers bestimmen. Damit wird sichtbar, wie das Wasser unterirdisch durch eine Region strömt. Das kann etwa bei Bauprojekten, Wasserschutzgebieten oder der Untersuchung von Verunreinigungen von Bedeutung sein.
Die Daten sollen jedoch nicht nur ein wissenschaftliches Bild des Untergrunds liefern. Sie könnten auch ganz praktische Folgen für künftige Planungen haben. Je genauer bekannt ist, wo Grundwasser steht und wie es sich verhält, desto besser können beispielsweise größere Bauvorhaben darauf abgestimmt werden. Auch Brunnen und Grundwasserentnahmen lassen sich auf einer besseren Datengrundlage planen.
Eine weitere Rolle spielt die Energiewende. Grundwasser und Erdreich können zum Heizen und Kühlen von Gebäuden sowie als Wärmespeicher genutzt werden. Ob und wo solche Lösungen sinnvoll möglich sind, hängt stark von den örtlichen Bedingungen im Untergrund ab. Genauere Informationen über Grundwasserstände und Temperaturen sind deshalb auch für die kommunale Wärmeplanung interessant.
Die Kampagne ist Teil des Forschungsprojekts GeoMaN. Es läuft von 2024 bis 2027 und untersucht den geologischen Untergrund im gesamten Großraum. Ziel ist nicht nur eine Momentaufnahme. Die Wissenschaftler wollen Grundlagen schaffen, mit denen Behörden und Fachplaner langfristig besser einschätzen können, wie Grundwasser und Untergrund genutzt werden können und wo unterschiedliche Nutzungsinteressen miteinander in Konflikt geraten könnten. Die Erkenntnisse sollen außerdem digital gebündelt und für Planungsprozesse nutzbar gemacht werden.
Für die Messkampagne müssen die Teams teilweise auch Grundstücke betreten, die nicht der öffentlichen Hand gehören. Messstellen befinden sich unter anderem auf privaten, landwirtschaftlichen und gewerblichen Flächen. Eigentümer und Betreiber sollen den Fachleuten deshalb den Zugang zu den vorhandenen Brunnen und Messstellen ermöglichen. Die Mitarbeiter führen ein offizielles Begleitschreiben mit sich.

