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Wenn ein Roboter den Platz im Klassenzimmer übernimmt: So hilft ein Avatar kranken Schülern in Fürth

15. Oktober 2026, 19:02 Uhr ,
Ein kleiner Roboter übernimmt den Platz im Klassenzimmer: Mit dem AV1-Avatar können erkrankte Schüler an der Fürther Mittelschule Pestalozzistraße den Unterricht von zu Hause aus verfolgen und sich aktiv beteiligen. Finanziert wurde das Gerät vom Lions Club Fürth Kleeblatt. Fotos: Roland BeckEin kleiner Roboter übernimmt den Platz im Klassenzimmer: Mit dem AV1-Avatar können erkrankte Schüler an der Fürther Mittelschule Pestalozzistraße den Unterricht von zu Hause aus verfolgen und sich aktiv beteiligen. Finanziert wurde das Gerät vom Lions Club Fürth Kleeblatt. Fotos: Roland Beck

Theresa ist 14 Jahre alt und kann wegen einer chronischen Erkrankung seit längerer Zeit nicht regelmäßig zur Schule gehen. Trotzdem ist sie im Unterricht dabei. Während ihre Klassenkameraden in der Mittelschule an der Pestalozzistraße sitzen, verfolgt sie das Geschehen von zu Hause aus auf ihrem Tablet. Möglich macht das ein kleiner Roboter, der im Klassenzimmer ihren Platz einnimmt. Er überträgt Bild und Ton, kann den Kopf drehen und sogar anzeigen, wenn Theresa sich melden möchte.

Der sogenannte AV1-Avatar ist eine Art digitaler Stellvertreter für Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Finanziert wurde das rund 6000 Euro teure Gerät vom Lions Club Fürth Kleeblatt. An der Fürther Mittelschule wurde es bereits mehrfach eingesetzt. Ein Ziel ist es, den Kontakt zur Klassengemeinschaft aufrechtzuerhalten und zu verhindern, dass erkrankte Kinder beim Lernstoff den Anschluss verlieren.

Für Theresa ist der Avatar zu einer wichtigen Verbindung mit ihrem Schulalltag geworden. An vier Tagen pro Woche verfolge sie damit den Unterricht von zu Hause aus. An einem weiteren Tag komme sie selbst in die Schule, halte sich dort zunächst aber in einem separaten Raum auf. Langfristig möchte sie wieder regulär am Unterricht teilnehmen.

Anfangs sei die neue Situation ungewohnt gewesen, erzählte die Jugendliche. Schließlich ist es etwas anderes, mit den Klassenkameraden über einen Roboter zu sprechen, statt neben ihnen zu sitzen. Mittlerweile habe sie sich daran gewöhnt. «Es ist auch eine Erleichterung», sagte Theresa. Über ihr Tablet kann sie die Kamera bewegen, Fragen beantworten und mit anderen Schülern sprechen. Schriftliche Leistungsnachweise absolviert sie in einem gesonderten Raum in der Schule.

Auch ihre Mutter sieht in der Technik eine Möglichkeit, die Verbindung zum gewohnten Umfeld zu erhalten. Ihre Tochter sei dadurch zumindest teilweise weiterhin in die Gemeinschaft eingebunden. Der Avatar soll zugleich helfen, Theresa schrittweise wieder an den Schulbesuch heranzuführen.

Entwickelt wurde der AV1 vom norwegischen Unternehmen No Isolation. Das Gerät besitzt eine Kamera, ein Mikrofon und einen Lautsprecher. Der Schüler verbindet sich über eine App auf dem Smartphone oder Tablet mit dem Roboter und sieht und hört, was im Klassenzimmer geschieht. Die eigene Stimme wird über einen Lautsprecher übertragen.

Auch ohne Worte ist eine Verständigung möglich. Durch unterschiedliche Gesichtsausdrücke kann der Avatar Gefühle anzeigen. Möchte sich ein Schüler melden, beginnt der Kopf grün zu leuchten. Mit einer Wischbewegung auf dem Bildschirm lässt sich die Kamera nach links oder rechts sowie nach oben oder unten bewegen. Der Roboter selbst bleibt auf seinem Platz stehen.

Ein entscheidender Unterschied zu einer gewöhnlichen Videokonferenz besteht darin, dass die Klasse den zugeschalteten Schüler nicht sehen kann. Gerade für Kinder, die aufgrund einer Erkrankung körperlich geschwächt sind oder psychische Belastungen erleben, kann das eine Erleichterung sein. Der Hersteller hat das System außerdem so konzipiert, dass die Übertragung verschlüsselt erfolgt und keine Aufnahmen gespeichert werden.

Dass sich auch die übrigen Schüler erst an den ungewöhnlichen Klassenkameraden gewöhnen müssen, berichtet der 15-jährige Alexander. Als der Avatar zum ersten Mal im Unterricht eingesetzt wurde, habe er sich zunächst unsicher gefühlt. Vor allem die Kamera sei ungewohnt gewesen. Doch bereits nach der ersten Doppelstunde seien seine Bedenken weitgehend verschwunden.

Nicht nur bei längeren Erkrankungen kann die Technik helfen. Die zwölfjährige Natalia nutzte den Roboter, nachdem sie sich das Sprunggelenk gebrochen hatte und vorübergehend schlecht laufen konnte. Über die App konnte sie den Unterricht verfolgen, obwohl sie zu Hause bleiben musste. Ihr Einsatz dauerte lediglich einen Tag, weil sich ihr Zustand rasch besserte.

Auch Schulleiterin Stefanie Pistor freut sich über den Avatar: Der Roboter könne Schülern ermöglichen, zunächst aus einer vertrauten Umgebung heraus wieder Kontakt zu ihrer Klasse aufzunehmen.

Dabei soll die Technik den persönlichen Schulbesuch nicht dauerhaft ersetzen. Vielmehr kann sie eine Übergangslösung sein, mit der sich betroffene Kinder schrittweise wieder an das Schulleben gewöhnen. Beispielsweise können sie zunächst von zu Hause aus teilnehmen, später einen separaten Raum in der Schule nutzen und schließlich wieder in ihre Klasse zurückkehren.

Der fachliche Leiter des Staatlichen Schulamts, Dr. Wilfried Brehm, verwies bei der Vorstellung auf die bisherigen Möglichkeiten des Hausunterrichts. Dafür müsse eine Lehrkraft gefunden werden, die das erkrankte Kind zu Hause unterrichtet. Mit dem Avatar könne es dagegen unmittelbar am Geschehen im Klassenzimmer teilnehmen und den Kontakt zu seinen Mitschülern behalten.

Hinter der Anschaffung steht der Lions Club Fürth Kleeblatt. Dessen früherer Präsident Henry Walther erklärte, dass der Bedarf aus der Schule selbst gekommen sei. Er ist zugleich Geschäftsführer eines IT-Unternehmens, das die technische Betreuung des Avatars übernimmt. Nach seinen Worten sollen auch andere Serviceclubs für die Finanzierung solcher Geräte gewonnen werden.

Unterstützung erhält das Vorhaben von der Stadt Fürth.

Bei der Vorstellung des Projekts hob Bürgermeister Markus Braun die Möglichkeiten hervor, die sich durch den Einsatz digitaler Technik für erkrankte Schüler ergeben. Auch an der Hans-Böckler-Schule werde bereits ein Avatar eingesetzt. Wie viele weitere Geräte benötigt werden, müsse sich anhand der Erfahrungen und des tatsächlichen Bedarfs zeigen.

Geprüft werden soll langfristig auch, ob solche Roboter an Schulen im Landkreis Fürth eingesetzt werden können.

Der Avatar ist dabei nicht auf das Klassenzimmer beschränkt. Er lässt sich mitnehmen und kann über eine mobile Internetverbindung auch auf Ausflügen eingesetzt werden. So können Schüler unter bestimmten Voraussetzungen selbst dann mit ihrer Klasse in Kontakt bleiben, wenn sie das Schulgebäude nicht besuchen können.

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