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Cold Case Marion Baier: Nach über 50 Jahren neue Spur im Mordfall im Landkreis Fürth

16. Januar 2026
Marion Bayer hatte am 1. Juli 1973 das Fischerfest im benachbarten Zirndorf besucht. Eine Schulfreundin sah sie dort gegen 20 Uhr zum letzten Mal. Fotos: PP MittelfrankenMarion Bayer hatte am 1. Juli 1973 das Fischerfest im benachbarten Zirndorf besucht. Eine Schulfreundin sah sie dort gegen 20 Uhr zum letzten Mal. Fotos: PP Mittelfranken

In der Merkurstraße in Oberasbach deutet heute nichts mehr auf das Verbrechen hin, das die Region im Sommer 1973 erschütterte. In einer Baugrube eines Neubaugebiets fand ein Bauarbeiter am Morgen die Leiche der zwölfjährigen Marion Baier. Für die Ermittler stand schnell fest, dass das Mädchen Opfer eines Mordes geworden war. Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Täter unbekannt. Mehr als fünf Jahrzehnte später nimmt die Kriminalpolizei Fürth den Fall nun erneut in den Blick – und sucht Hinweise aus der Bevölkerung.

Marion Baier hatte am 1. Juli 1973 das Fischerfest im benachbarten Zirndorf besucht. Eine Schulfreundin sah sie dort gegen 20 Uhr zum letzten Mal. Danach verliert sich ihre Spur. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde sie im Bereich des Bierzelts letztmals wahrgenommen, wie Kriminalhauptkommissar Jan Frühwald im Interview mit „Fürth Aktuell“ sagte. Er leitet die neue Ermittlungsgruppe.

Wie und mit wem sich das Mädchen anschließend auf den Heimweg machte, konnte nie geklärt werden. Marion lebte im Oberasbacher Ortsteil Altenberg, unweit des späteren Fundorts ihrer Leiche. Welchen Weg sie nahm und was in den Stunden nach dem Fest geschah, blieb offen.

Bereits damals stießen die Ermittler auf Hinweise, die nun erneut geprüft werden. In der Nähe der Leiche fanden Polizeibeamte ein silbernes Medaillon mit dem Abbild des heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden. Nach Einschätzung der Kriminalpolizei könnte dieses Medaillon dem Täter gehört haben und während eines Kampfes abgerissen worden sein. Zudem wurden mehrere Schuhabdrücke gesichert. Das Sohlenprofil entsprach Turnschuhen der Marke Adidas, Modell Olympia, in der Größe 43. Aufgrund der Gesamtumstände gingen die Ermittler schon früh davon aus, dass Marion Baier einem Sexualstraftäter zum Opfer gefallen ist.

Foto: PP Mittelfranken

Der Mordfall hat sich tief in das Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt, die damals in der Region lebten. Zeitzeugen erinnern sich im Gespräch mit „Fürth Aktuell“ an eine Atmosphäre des Entsetzens. Der Tod des jungen Mädchens sei über Wochen Gesprächsthema gewesen, berichten Anwohner, die den Sommer 1973 noch lebhaft vor Augen haben.

Neue Dynamik erhielt der Fall jetzt durch die erneute Untersuchung alter Beweismittel. Dabei stellten die Ermittler Parallelen zu einem ungeklärten Tötungsdelikt aus den frühen 1980er Jahren im Allgäu fest. Die Kriminalpolizei Fürth steht deshalb im engen Austausch mit der Kriminalpolizei Kempten. Im Zentrum steht die Frage, ob der Täter zu beiden Tatzeiten in den jeweiligen Regionen gewesen sein könnte. Denkbar seien familiäre, berufliche oder auch nur kurzfristige Aufenthalte, etwa während eines Urlaubs, wie Jan Frühwald erläuterte.

Am 21. Januar 2026 wird der Mordfall aus Schwaben in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY vorgestellt. Die Ermittler erhoffen sich davon neue Hinweise aus der Bevölkerung – auch zum Oberasbacher Fall. Gesucht werden insbesondere Informationen zu Personen, die 1973 im Raum Oberasbach oder Zirndorf und einige Jahre später im Bereich Kempten auffällig gewesen sein könnten. Auch Fotos vom Fischerfest, Hinweise zu damaligen Kontakten des Mädchens oder Beobachtungen zu auffälligen Personen könnten nach Einschätzung der Polizei von Bedeutung sein.

Foto: PP Mittelfranken

Bereits im Dezember 1974 hatte das ZDF den Mordfall in einem Beitrag aufgegriffen. Damals standen zwei Fahrzeuge im Fokus, die Zeugen in der Heinbergstraße bemerkt hatten. Zudem baten die Ermittler um Hinweise zu einem jungen Mann, mit dem Marion Baier sich nach Angaben von Schulfreundinnen getroffen haben soll. Inwieweit diese Beobachtungen relevant sind, ließ sich bislang nicht abschließend klären. Sie werden nun erneut überprüft.

Nach Angaben des ‚Leiters der Kriminalpolizei Fürth, Michael Dietsch, gehören sogenannte Cold Cases zu den schwierigsten Ermittlungen. Statistisch gesehen könnten nur fünf bis zehn Prozent solcher Fälle nach Jahrzehnten noch aufgeklärt werden, sagte Dietsch gegenüber „Fürth Aktuell“. Dennoch besteht die Hoffnung, den Täter zu identifizieren. Das Bayerische Landeskriminalamt hat für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Festnahme des Täters führen, eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Marion Baier war nach Ermittlerangaben mit einem Stein erschlagen worden, ihr Leichnam teilweise entkleidet.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter 0911 2112-3333 entgegen.