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Viele Rodelunfälle und Knochenbrüche: So fordert der Winter 2026 das Klinikum Fürth – Operationen auch in den Nächten und am Wochenende

30. Januar 2026 ,
Viele Knochenbrüche: Am Klinikum Fürth werden die Teams auch in den Nächten und am Wochenende weiter operieren müssen. SymbolbildViele Knochenbrüche: Am Klinikum Fürth werden die Teams auch in den Nächten und am Wochenende weiter operieren müssen. Symbolbild

Der Winter 2026 zeigt sich in der Region von seiner harschen Seite und stellt die medizinische Versorgung vor große Herausforderungen. Insbesondere die anhaltende Glätte sowie das hohe Schneeaufkommen haben in den vergangenen Tagen zu einem massiven Anstieg an Unfallverletzten geführt. Wie das Klinikum Fürth auf Anfrage von „Fürth Aktuell“ berichtet, arbeiten die Teams der Unfallchirurgie und der Zentralen Notaufnahme derzeit unter Hochdruck, um die Vielzahl der Patienten zu versorgen. Auch die Nachsorge in physiotherapeutischen Einrichtungen reagiert auf den gestiegenen Bedarf.

Die Wetterlage hat die Situation im Klinikum Fürth spürbar verschärft. Laut Professor Philipp Lechler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, führten bereits die Glätteperioden zu Jahresbeginn zu einem deutlichen Anstieg der Behandlungszahlen. Der starke Schneefall ab Anfang dieser Woche habe diese angespannte Lage weiter intensiviert.

Bis Freitagmittag, den 30. Januar 2026, verzeichnete die Abteilung in dieser Woche insgesamt 70 unfallchirurgische Eingriffe. Zwar handele es sich dabei um die Gesamtzahl der Operationen, doch die Witterung spiele eine entscheidende Rolle bei der hohen Auslastung. Um alle wartenden Patienten zeitnah versorgen zu können, seien Sonderschichten notwendig. «Um die noch wartenden Patienten behandeln zu können, werden die Teams auch in den Nächten und am Wochenende weiter operieren müssen», erklärt Professor Lechler.

Neben den klassischen Glatteisunfällen auf Gehwegen und Straßen registriert das Klinikum in diesem Jahr eine Zunahme an Freizeitunfällen. Bedingt durch die großen Schneemengen und zugefrorenen Seen sei ein deutlicher Anstieg an Rodelunfällen sowie Verletzungen bei anderen Wintersportarten zu beobachten.

Das Verletzungsmuster ist dabei vielfältig. Wie der stellvertretende Ärztliche Direktor mitteilt, dominieren Brüche und Verrenkungen im Bereich der Arme und Schultern. Auch Sprunggelenksverletzungen, Kreuzbandrisse und Traumata der Wirbelsäule treten überdurchschnittlich häufig auf. Betroffen seien alle Altersgruppen gleichermaßen. Eine positive Nachricht gibt es dennoch: Schwere Kopfverletzungen traten laut Lechler glücklicherweise nur bei wenigen Patienten auf.

Trotz der widrigen Straßenverhältnisse, die auch für das Klinikpersonal eine Hürde darstellten, blieb die Einsatzfähigkeit des Hauses gewahrt. Professor Lechler hob hervor, dass beispielsweise am Montagmorgen – nach den starken Schneefällen – alle Operationssäle betrieben werden konnten und es in relevanten Bereichen zu keinen Einschränkungen durch Personalausfälle kam.

Die Welle an sturzbedingten Verletzungen wirkt sich unmittelbar auf die ambulante Weiterbehandlung aus. Wer nach der Erstversorgung im Krankenhaus eine Physiotherapie benötigt, trifft vielerorts auf ausgelastete Kapazitäten. Sarah Federl von der «Healthness Fitness & Physio GmbH» bestätigt die angespannte Marktsituation gegenüber „Fürth Aktuell“. In vielen Praxen lägen die Wartezeiten derzeit bei drei bis vier Wochen.

Die Einrichtung, die auch als offizieller Kooperationspartner der Stadt Fürth fungiert, hat aufgrund der akuten Rutsch- und Verletzungsgefahr auf die Situation reagiert. Wie Federl mitteilt, habe man sich spontan entschlossen, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Um verletzte Bürger möglichst schnell physiotherapeutisch versorgen zu können, wurden extra Behandlungsslots eingerichtet, die Termine bis 19 Uhr ermöglichen. Damit soll verhindert werden, dass Patienten mit akuten Beschwerden wochenlang unversorgt bleiben.

Die Kombination aus anhaltender Schneemenge, Glätte und gleichzeitig ohnehin hoher Auslastung im Gesundheitsbereich mache die aktuelle Situation intensiver als in vielen vergangenen Wintern, heißt es seitens «Healthness Fitness & Physio». Betroffen seien grundsätzlich alle Altersgruppen. Auffällig sei jedoch, dass ältere Menschen, aber auch berufstätige Personen, die früh morgens oder abends unterwegs sind, häufiger betroffen seien. Besonders Menschen, die in der Bewegung eingeschränkt sind und „falsch fallen“, zögen sich häufig schwerere Verletzungen zu.

«Wir empfehlen, Beschwerden nach einem Sturz ärztlich abklären zu lassen und parallel aktiv nach Praxen zu suchen, die kurzfristige Termine anbieten. Frühzeitige Bewegungstherapie kann entscheidend sein, um Folgeschäden zu vermeiden. Bei akuten Schmerzen sollte nicht zu lange abgewartet werden. Grundsätzlich ist es zu empfehlen – gerade auch im höheren Alter –, Sturzprophylaxe zu betreiben, mit ausgebildeten Gesundheitstrainern und Therapeuten», erläutern die Experten der Physiopraxis.