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Nach Mittelkürzung in Bayern: Landfrauen bitten in Zirndorf Politik um Hilfe für Schulprojekt

3. Februar 2026
Beim Landfrauentag 2026 in der Paul-Metz-Halle in Zirndorf standen das «UN-Jahr der Landwirtin» und die Bedeutung der Demokratie im ländlichen Raum im Mittelpunkt. Dieses Jahr war auch der neu formierte Landfrauenchor wieder dabei. (Foto: Roland Beck)Beim Landfrauentag 2026 in der Paul-Metz-Halle in Zirndorf standen das «UN-Jahr der Landwirtin» und die Bedeutung der Demokratie im ländlichen Raum im Mittelpunkt. (Foto: Roland Beck)

In der Paul-Metz-Halle in Zirndorf stand der Landfrauentag 2026 am Dienstag ganz im Zeichen zweier Themen, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken und sich bei näherer Betrachtung eng berühren: das von den Vereinten Nationen ausgerufene «UN-Jahr der Landwirtin» und die Bedeutung der Demokratie im ländlichen Raum. Außerdem ging es um ein wichtiges Schulprojekt der Landfrauen, für das die Mittel gekürzt wurden.

Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Landwirtschaft und Verbänden verfolgten die Veranstaltung, die vom neu formierten Landfrauenchor musikalisch eröffnet wurde. Nachdem der Chor im Jahr 2025 mangels Leitung beim Landfrauentag nicht auftreten konnte, übernahm jüngst Doris Habermann die Chorleitung. Mit zwei Liedern stimmte der Chor auf den Tag ein und kehrte später noch einmal auf die Bühne zurück.

Auf der Bühne wurden einige der Ehrengäste zu aktuellen Themen befragt. Foto: Roland Beck

Kreisbäuerin Bettina Hechtel stellte in ihrer Ansprache den Zusammenhang zwischen der Rolle von Landwirtinnen und gelebter Demokratie heraus. Das UN-Jahr lenke den Blick auf Frauen, die weltweit eine tragende Rolle in der Landwirtschaft spielten. Landwirtinnen sicherten Ernährung, bewahrten Traditionen und trieben Innovationen voran. Auch vor Ort prägten sie das Bild der Dörfer, führten Betriebe im Haupt- oder Nebenerwerb, entwickelten neue Betriebszweige und übernähmen soziale wie bildende Aufgaben. Vieles davon geschehe selbstverständlich und nicht immer sichtbar genug.

Hechtel verwies auf aktuelle Zahlen aus Bayern. Nur rund neun Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe würden von Frauen geführt, häufig in Einkommenskombinationen. Bei 43 Prozent der Betriebe stelle sich in den kommenden Jahren die Frage der Hofnachfolge. Es sei wünschenswert, wenn sich der Anteil weiblich geführter Betriebe in den nächsten zehn Jahren deutlich erhöhe, sofern die Rahmenbedingungen stimmten. Ein Blick auf Ausbildungszahlen zeige bereits Entwicklungen in diese Richtung.

Zugleich betonte sie die Bedeutung der Landfrauen für das demokratische Miteinander. Demokratie lebe nicht allein von Wahlen, sondern vom Mitmachen, vom Dialog und vom gegenseitigen Zuhören. Landfrauen seien in Vereinen, Kommunen und Verbänden aktiv und damit eine stetige Stimme für den ländlichen Raum.

In Richtung der anwesenden Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger (CSU) und Harry Scheuenstuhl (SPD) sprach Hechtel das Programm «Landfrauen machen Schule» an. Im vergangenen Jahr hätten 355 Klassen daran teilgenommen. Kurz vor Weihnachten seien durch den Freistaat jedoch Mittel gekürzt worden, sodass 80 Klassen nicht mehr teilnehmen könnten. Hechtel bat darum zu prüfen, ob diese Klassen doch noch berücksichtigt werden könnten, da es für Kinder wichtig sei zu erfahren, woher Lebensmittel kommen. Beide Abgeordnete sicherten zu, den Fall zu prüfen.

Landrat Bernd Obst ging in seinem Beitrag auf die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft ein. Viele Regelungen entstünden auf europäischer Ebene. Vor Ort könne der Landkreis jedoch unterstützen, etwa durch die Regionalinitiative «Gutes aus dem Fürther Land», die Direktvermarkter sichtbar mache und die Region als Ganzes stärke. Landwirtschaft werde dadurch für Verbraucher wieder erlebbarer.

Traditionell waren wieder viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister (oder Stellvertreter) in Zirndorf beim Landfrauentag dabei. Foto: Roland Beck

Zirndorfs Bürgermeister Thomas Zwingel griff die Frage auf, welche Werte die Gesellschaft von Landfrauen lernen könne. Er nannte Eigenschaften wie Fleiß, Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Ehrlichkeit und stellte diese in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang.

Die stellvertretende Bezirksbäuerin Marion Fischer machte deutlich, dass sich durch das UN-Jahr im Alltag auf den Höfen zunächst nichts ändere. Entscheidend sei jedoch, dass die Leistungen von Frauen stärker ins Bewusstsein rückten. Sie verwies auf Unterstützungsangebote der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, die Frauen finanziell bei Beratungen oder Coachings fördere.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Peter Köninger, betonte, dass Frauen heute selbstverständlich Verantwortung auf den Höfen und in Gremien übernähmen. Entscheidend sei das Engagement für die Gemeinschaft, unabhängig vom Geschlecht.