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Vom Sparkassen-Foyer an den »Bleistift«: Verschollener Kirschpflücker-Brunnen soll nach Cadolzburg zurückkehren

2. Februar 2026 ,
Dieter Marx setzt sich mit Spenden aus seinen Nachtwächter-Führungen für die Wiederaufstellung des verschollen geglaubten »Kirschpflücker-Brunnens« in Cadolzburg ein. (Foto: Heimatverein Cadolzburg)Dieter Marx setzt sich mit Spenden aus seinen Nachtwächter-Führungen für die Wiederaufstellung des verschollen geglaubten »Kirschpflücker-Brunnens« in Cadolzburg ein. (Foto: Heimatverein Cadolzburg)

Wenn es dunkel wird in den Gassen rund um die Cadolzburg, ist Dieter Marx in seinem Element. Als Nachtwächter führt er seit vielen Jahren Gäste durch die Historie, erzählt von alten Zeiten und längst vergessenen Traditionen. Rund 50 dieser ehrenamtlichen Nachtwächter-Führungen fanden im vergangenen Jahr statt. Mit den dabei gesammelten Spenden will Marx nun ein Stück Cadolzburger Identität retten: den verschollen geglaubten »Kirschenpflücker-Brunnen«.

Ab dem Jahr 1972 stand das Kunstwerk stolz im Foyer der Cadolzburger Filiale der Sparkasse Fürth. Geschaffen hatte es der damals renommierte Kunstschmied Rupp. Der Steinbrunnen hat rundherum Kunstschmiede-Verzierungen, und in der Mitte steht eine bronzene Figur: der Kirschpflücker. Doch Umbauten veränderten das Gesicht der Sparkasse, und für den Brunnen war kein Platz mehr. Er verschwand.

Konrad Müller, ein früherer Mitarbeiter des Bauhofs, brachte es damals allerdings nicht übers Herz, das Werk einfach der Entsorgung zu überlassen. Wie Dieter Marx berichtet, sicherte Müller die bronzene Figur der Anlage. Das »Kirschpflücker-Männla« landete gut verpackt im Archiv des Heimatvereins, während die steinernen Überreste in einer Halle des Bauhofs ihren Dornröschenschlaf hielten. Im Gespräch mit Müller kam Marx schließlich auf die Idee, dem Brunnen neues Leben einzuhauchen.

Am heutigen Montag, dem 2. Februar 2026, wird der Brunnen nun tatsächlich wieder wachgeküsst. Der Bau- und Umweltausschuss der Marktgemeinde wird offiziell über die Pläne der Wiederaufstellung informiert. Um den Brunnen wieder zum Sprudeln zu bringen, reicht die bloße Sicherstellung der Teile allerdings nicht aus. Der Zahn der Zeit hat genagt, das ursprüngliche Brunnenbecken kann nicht mehr verwendet werden. Hier kommt das Cadolzburger Handwerk ins Spiel, und eine besondere familiäre Note schwingt mit.

Während die Firma Schöner Steinmetz GmbH den Brunnen aus Jurakalkstein nachbaut, kümmert sich der örtliche Kunstschmied Thomas Hürner um die filigranen Metallarbeiten. Für Hürner ist dieser Auftrag keine gewöhnliche Reparatur. Wie Marx erzählt, lernte Hürners Vater sein Handwerk einst bei genau jenem Kunstschmied Rupp, der den Brunnen vor über 50 Jahren erschuf. Wenn Thomas Hürner nun den Hammer ansetzt, um die Kunstschmiede-Details aufzufrischen, schließt sich ein handwerklicher Kreis über zwei Generationen.

Die Spenden, die der frühere Kreisbrandrat Dieter Marx im Jahr 2025 sammelte, fließen direkt in die Restaurierung. Hinzu kommen private Sponsoren, sodass der Markt laut Verwaltungsvorlage am Ende lediglich die Elektroarbeiten übernehmen muss.

Bleibt die Frage nach dem Standort. Dieter Marx hat bereits einen Plan: Der Brunnen soll am Vorplatz des Aussichtsturms, dem »Cadolzburger Bleistift«, aufgestellt werden.

Marx nennt dies den »perfekten Ort« für die Wiederinbetriebnahme. Und wer in die Annalen des Ortes blickt, versteht, warum: Einst prägten rund 25.000 Kirschbäume das Landschaftsbild rund um den Standort des Aussichtsturms. Die Kirschblüte war ein Ereignis, das Besucher von weit her anzog. Wenn der bronzene Pflücker samt Brunnen nun bald am Fuße des Turms ein neues Zuhause findet, steht er quasi inmitten der Erinnerung an diese blühende Epoche.

Wenn alles glatt läuft, soll im Juni oder Juli 2026 das Wasser im geschlossenen Kreislauf des Brunnens wieder fließen und der Kirschpflücker-Brunnen feierlich eingeweiht werden.

Dann kann Dieter Marx seine Laterne kurz zur Seite stellen, um im Tageslicht zu betrachten, was aus vielen Nächten seiner Arbeit als Nachtwächter entstanden ist: ein Stück Heimat, das zurückgekehrt ist.