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Langenzenn vor der Entscheidung: Christian Ell und Michael Kimberger äußern sich zu den wichtigsten Zukunftsthemen

17. März 2026 , , ,
Fotos: Privat und Fotografie PfänderFotos: Privat und Fotografie Pfänder

Am 22. März entscheiden die Bürger in Langenzenn in einer Stichwahl über das Amt des Bürgermeisters. Für „Fürth Aktuell“ haben beide Kandidaten vier Fragen zu zentralen Themen der Stadt beantwortet. Im Fokus standen dabei unter anderem die Entwicklung der Alt- und Innenstadt, die Stärkung der Ortsteile, die wirtschaftliche Zukunft Langenzenns sowie der Umgang mit wichtigen Infrastrukturprojekten wie dem Hallenbad.

Um einen transparenten Vergleich zu ermöglichen, wurden Christian Ell und Michael Kimberger dieselben Fragen gestellt. Die Antworten wurden redaktionell nicht verändert.

Fürth Aktuell: Die Aufwertung der historischen Alt- und Innenstadt ist ein zentrales Thema in Langenzenn – sei es durch nötige Sanierungen oder das Ziel einer barrierefreien Gestaltung. Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie hier anpacken, um das Zentrum für alle Generationen attraktiver zu machen?

Christian Ell (CSU): “Als erstes ist es wichtig, dass wir als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Nur wenn wir als Stadt unser Eigentum gut „in Schuss“ halten, werden dies auch Privatleute tun. Auch für die Stadt muss gelten: „Eigentum verpflichtet“. Wir müssen in unsere Immobilien investieren und einer sinnvollen Nutzung zuführen, Wohnraum wird für alle Lebensformen (egal ob Singlehaushalt oder für Familien) dringend benötigt, daher müssen wir unsere Immobilien hier „fit“ machen. Strategisch nicht mehr notwendige Häuser im Eigentum der Stadt müssen zwingend auf den Markt gebracht und verkauft werden. Barrierefreie Gestaltung muss bei allen Maßnahmen selbstverständlich sein. Sie kommt ja nicht ausschließlich Menschen mit Behinderung zugute, sondern auch Senioren oder auch Familien mit Kinderwägen etc. Ich möchte grundsätzlich mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Hierzu gehören auch der Rückbau und die Vermeidung versiegelter Flächen oder ein gutes Hitzeschutzkonzept (Schattenspender, Trinkwasseranlagen etc.). Natürlich muss es unser Ziel sein, weitere Einzelhändler anzusiedeln und so dem Leerstand entgegenzuwirken.”

Michael Kimberger (Grüne): “Mein Ziel ist es, dass wieder mehr Menschen im Alltag in die Stadt kommen. Dabei sollten wir nicht auf Wunder warten, sondern können als Stadt selbst handeln. So könnten Räumlichkeiten für die Volkshochschule in der Innenstadt entstehen oder Arbeitsplätze für Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten. Je mehr Menschen sich in der Innenstadt aufhalten, desto eher können sich auch gastronomische Angebote bei uns etablieren oder der Einzelhandel davon profitieren. Und die Stadtbibliothek ist doch ein wunderbares Beispiel, wie ein mutiges, modernes Konzept dafür sorgt, dass die Innenstadt vor allem von Familien wieder stärker besucht wird.”


Fürth Aktuell: Die Bürger in den Außenorten wünschen sich oft mehr Gehör und Unterstützung für ihre Dorfgemeinschaften. Mit welchen konkreten Konzepten wollen Sie die Ortsteile stärken?

Michael Kimberger: “Natürlich sollten endlich wieder Bürgerversammlungen in den Außenorten stattfinden. Für mich sind Bürgerversammlungen aber kein Monolog des Bürgermeisters mit schriftlich eingereichten Fragen der Bürger, sondern Orte des Dialogs und des Austausches. In meinen ersten 100 Tagen wird für jeden Außenort ein Termin für eine Bürgerversammlung im Jahr 2026 festgelegt werden. Wir fangen also direkt damit an. Zuhören, vor Ort sein und die Dinge auch direkt anpacken – das sind doch die Chancen der Kommunalpolitik.”

Christian Ell: “Mir ist es wichtig, dass die Menschen in den Außenorten „gehört“ werden. Dazu gehören für mich in jedem Fall Bürgerversammlungen in den Außenorten (mindestens alle zwei Jahre). Die Dorfgemeinschaften müssen gestärkt werden, weil dort das Leben in den Orten stattfindet. Ich möchte, dass Initiativen, die aus der Dorfgemeinschaft heraus entstehen, finanziell gefördert werden. Dazu braucht es auch in jedem Ort Begegnungsstätten. Erst zum Jahresende hat beispielsweise in Kirchfembach die Wirtschaft geschlossen und es fehlt nun an einem größeren Raum, wo man als Dorf zusammenkommen kann. Der aktuelle Raum im Feuerwehrhaus ist dazu zu klein. Ich finde es auch wichtig, die nächste Generation am Ort zu halten, indem man z.B. bedarfsgerecht Bauland ausweist.”


Fürth Aktuell: Die Forderung nach einer stabilen Gewerbesteuer und der besseren Vernetzung lokaler Betriebe war im Wahlkampf oft zu hören. Welche konkreten Anreize oder Projekte planen Sie als Bürgermeister ins Leben zu rufen, um Langenzenn als Wirtschaftsstandort langfristig abzusichern?

Christian Ell: “Ich als Bürgermeister möchte der erste Wirtschaftsförderer vor Ort sein. Hierzu gehört für mich auch der regelmäßige Austausch mit den Unternehmen. Wir haben mit den Unternehmertreffs ja bereits eine gute Grundlage in Langenzenn geschaffen, die man meiner Meinung nach aber noch ausbauen kann. Mir ist eine stabile Gewerbesteuer sehr wichtig. Wir müssen den heimischen Unternehmen die Chance geben, sich am Standort weiterzuentwickeln und außerdem auch gezielt neue Unternehmen ansiedeln, damit zum einen Gewerbesteuer in die Stadtkasse kommt, zum anderen aber auch Arbeitsplätze vor Ort gehalten werden bzw. neu entstehen.”

Michael Kimberger: “Ich möchte unseren Wirtschaftsstandort nicht absichern, sondern ausbauen. Wenn es uns gelingt, die Einnahmen der Gewerbesteuer zu steigern, dann können wir Langenzenn wirklich nach vorne bringen. In den vergangenen Monaten habe ich bereits mit vielen bestehenden Unternehmen in Langenzenn gesprochen. Das ist über viele Jahre von Seiten der Stadtspitze vernachlässigt worden. Für mich ist Wirtschaftsförderung aber Chefsache. Der Bürgermeister muss die Wünsche seiner Unternehmen in der Stadt kennen und sich mit ihnen darüber austauschen. Gleichzeitig benötigen wir aber auch neue Betriebe in unserer Stadt. Daher müssen wir endlich klar werden, was unsere Vorteile als Wirtschaftsstandort sind und wie wir diese weiter ausbauen können. Ich bin überzeugt: Langenzenn kann vieles bieten, aber mit der richtigen Wirtschaftskompetenz beim Bürgermeister werden wir die Stärken in den kommenden sechs Jahren noch weiter ausbauen. Das bedeutet neue Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuereinnahmen und damit Möglichkeiten zur Stadtentwicklung.“


Fürth Aktuell: Das geschlossene Hallenbad ist in Langenzenn unter anderem ein emotionales Reizthema, das den Bürgern unter den Nägeln brennt. Wie sieht Ihr konkreter Fahrplan – und vor allem Ihr Finanzierungsplan – aus, um drängende Infrastrukturprobleme in der kommenden Amtszeit zu lösen?

Michael Kimberger: “Es ist spannend zu beobachten, dass sich plötzlich alle um das Hallenbad kümmern. Aber es hat meinen Antrag auf der Bürgerversammlung im November gebraucht, damit Langenzenn sich überhaupt für die Förderung mit der Sportmilliarde des Bundes beworben hat. Ich bin froh, dass der Stadtrat den Mut hatte, diesen Weg zu gehen. Ohne hohe Fördersätze von Bund und Land werden wir kein Hallenbad bauen oder sanieren können. Aber wir müssen uns auch die Betriebskosten leisten können. Denn wir sollten nicht wieder den Fehler machen, ein Hallenbad kaputtzusparen. Deshalb ist Investition in die Infrastruktur wichtig und hier gibt es viele weitere Beispiele. Und wir benötigen eine ehrliche, transparente Budgetplanung für die kommenden Jahre. Für mich gehört aber mehr dazu: Wenn ich ein Haus baue, dann muss ich mich darum kümmern. Das gilt nicht nur für den Privatmenschen, sondern auch für jeden Spielplatz und jede Baumaßnahme der Stadt. Deshalb werde ich unsere Finanzierungspläne ehrlich machen. Jedes Objekt muss danach auch unterhalten werden. Das ist nachhaltige Finanzplanung für eine Stadt.”

Christian Ell: “Wir dürfen hier nichts unversucht lassen, um durch interkommunale Zusammenarbeit wieder ein Bad in Langenzenn in Betrieb zu nehmen. Als Schulstandort ist Langenzenn für mich tatsächlich auch der einzige realisierbare Standort im nördlichen Landkreis. Wir werden das aber nur gemeinsam schaffen mit Inanspruchnahme jeder möglichen staatlichen Förderung. Meiner Meinung nach müssen wir Projekte – auch in die Infrastruktur – sinnvoll priorisieren und dann nach Dringlichkeit abarbeiten. Im Bereich Straßenbau braucht es hier ein Straßenbauprogramm, das kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen klar definiert und immer entsprechend im Haushalt berücksichtigt.”

Fürth Aktuell: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!