Was 1926 mit einer Handstanze in Burgfarrnbach begann, ist heute eine international bekannte Spielwarenmarke. Zum 100-jährigen Bestehen von BRUDER zeichnet das Stadtmuseum Fürth die Entwicklung des Familienunternehmens nach. Die Sonderausstellung «Von der Werkbank zur Weltmarke – BRUDER Spielwaren: 100 Jahre Fürther Unternehmensgeschichte» ist von Mittwoch, 7. Oktober, bis 4. April 2027 zu sehen. Originale Exponate, historische Stücke und zahlreiche Modelle zeigen dabei nicht nur ein Stück Firmengeschichte, sondern auch den Wandel der Spielwarenindustrie in der Region.
Die Geschichte beginnt in wirtschaftlich schwieriger Zeit. 1926 verliert der Elektriker Paul Bruder seine Arbeit. Mit einer Handstanze, die er von einem Onkel erhält, macht er sich selbstständig und fertigt zunächst Metall-Stimmenplättchen für die Spielwarenindustrie. Abnehmer findet er bei Herstellern in Fürth und Zirndorf. Die kleinen Metallteile werden unter anderem für Spielzeugtrompeten benötigt.

In den 1950er Jahren kommt die zweite Generation ins Unternehmen. Heinz Bruder, ausgebildeter Werkzeugmachermeister, setzt auf einen Werkstoff, der damals immer wichtiger wird: Kunststoff. Das Unternehmen investiert in Spritzgussmaschinen und beginnt neben den bisherigen Produkten mit der Herstellung eigener Spielwaren. Zu den Abnehmern gehören zunächst auch Schausteller und Unternehmen aus der Süßwarenbranche.
Ein wichtiger Schritt folgt 1975. BRUDER tritt auf der Nürnberger Spielwarenmesse erstmals als eigenständige Marke auf. Im Sortiment befinden sich damals unter anderem Kleinspielzeuge, Wasserpistolen, Mundharmonikas, Traktoren und Kräne. Der Auftritt bringt dem Familienbetrieb neue Kunden im In- und Ausland.
1987 übernimmt mit Diplom-Ingenieur Paul Heinz Bruder die dritte Generation zunehmend Verantwortung. Er entwickelt das Konzept detailgetreuer Spielfahrzeuge im Maßstab 1:16 weiter und setzt verstärkt auf Lizenzkooperationen. Die Fahrzeuge nach Vorbildern aus Landwirtschaft, Bauwesen oder Logistik werden zu einem Markenzeichen des Unternehmens.
Auch international wächst BRUDER. Im Jahr 2000 eröffnet das Unternehmen ein Vertriebsbüro in den USA, 2014 kommt ein Produktionsstandort im tschechischen Pilsen hinzu. Am Stammsitz in Fürth-Burgfarrnbach arbeiten heute rund 500 Menschen in Entwicklung und Produktion. Die Spielzeuge werden längst weltweit verkauft.
Für Paul Heinz Bruder ist das Jubiläum deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick. Bei der Präsentation der Ausstellung dankte er Oberbürgermeister Thomas Jung für die Initiative sowie dem Team des Stadtmuseums. Zugleich verwies er auf die Bedeutung des Produktionsstandorts. «100 Jahre Familienunternehmen – das ist Tradition, aber auch Herausforderung für die Zukunft», sagte Bruder. Entscheidend sei, auch künftig als produzierendes Unternehmen die Spielwarenindustrie in der Region am Leben zu erhalten.
Oberbürgermeister Thomas Jung sprach von einer «eindrucksvollen Schau». Besonders beeindrucke ihn die Entwicklung «von der regionalen Werkbank bis zum Globalplayer». Zugleich sei die Familie Bruder ihrer Heimat verbunden geblieben. «Gleichzeitig ist die Familie Bruder immer bescheiden und stark verwurzelt geblieben in Fürth, das bewegt mich sehr», sagte Jung.
Die Ausstellung verbindet die Unternehmensgeschichte mit den Produkten verschiedener Jahrzehnte. Neben Originalstücken und Modellen ist im Stadtmuseum auch eine größere Spielfläche eingerichtet. Damit wird sichtbar, wie sich aus den ersten Metallteilen eines arbeitslosen Elektrikers über drei Generationen ein international tätiger Spielwarenhersteller entwickelte.
Die Sonderausstellung läuft bis zum 4. April 2027 im Stadtmuseum Fürth in der Ottostraße 2. Der Eintritt kostet drei Euro, ermäßigt zwei Euro.

