Kurz vor der Neuwahl des Seniorenrats im Januar 2026 ist das Gremium der Stadt Fürth mit dem Zukunftspreis 2025 ausgezeichnet worden (wir haben berichtet). Prämiert wurde das Projekt «ZUSAMMEN (H) ALT», das sich dem Kampf gegen Einsamkeit im Alter widmet. Anlass genug für einen Rückblick auf die Arbeit der vergangenen Jahre, einen Blick auf aktuelle Herausforderungen und die anstehende Wahl. Die Vorsitzende des Seniorenrats Fürth, Inge Hartosch, beantwortet die wichtigsten Fragen im Interview mit “Fürth Aktuell”. Auch zu ihrer persönlichen Zukunft gibt sie Auskunft.
Frau Hartosch, wenn Sie auf die vergangenen vier Jahre zurückblicken: Was waren für Sie persönlich die wichtigsten Meilensteine Ihrer Arbeit im Seniorenrat?
«Ein wesentlicher Meilenstein war, dass Fürth in diesen Jahren endlich ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept auf den Weg gebracht hat. Der Seniorenrat hatte dies ebenso wie andere Initiativen bereits lange gefordert. Besonders wichtig war uns, dass die Inhalte gemeinsam mit Bürgern über 60 erarbeitet wurden. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass viele Ziele bereits teilweise umgesetzt sind und neue Themen hinzugekommen sind, etwa bei der Mobilität, bei neuen Wohnformen wie „Wohnen für Hilfe“ oder bei der Nahversorgung in den Stadtteilen. Eine Fortschreibung des Konzepts ist daher dringend erforderlich.»
Welche weiteren Entwicklungen haben die Arbeit des Seniorenrats geprägt?
«Sehr positiv war der zunehmende Zuspruch zu unseren Veranstaltungen. Das Programm „Tagaktiv“, das wir gemeinsam mit der Fachstelle für Seniorenarbeit der Fübs umsetzen, hat eine deutlich höhere Reichweite bekommen. Auch unsere Homepage wird heute viel stärker genutzt als früher. Die Nutzerzahlen sind in den vergangenen Jahren um mehr als 400 Prozent gestiegen.»
Wo liegen aktuell die Grenzen Ihrer Arbeit?
«Der steigende Zuspruch führt dazu, dass die kostengünstig verfügbaren Räume im Stadtgebiet immer häufiger nicht mehr ausreichen. Größere Säle wie das Kulturforum oder die Stadthalle können wir aufgrund der begrenzten Mittel höchstens ein- oder zweimal im Jahr anmieten. Entscheidend wird in den kommenden Jahren sein, wie sich die uns zur Verfügung stehenden städtischen Haushaltsmittel entwickeln und welche Spielräume sich daraus ergeben.»
Der Seniorenrat war in den Stadtteilen zuletzt stärker präsent. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
«Dank des Werbebusses der Sparkasse konnten wir mobile Sprechstunden anbieten und direkt vor Ort mit älteren Menschen ins Gespräch kommen. Dabei haben wir viele Wünsche und Anregungen aufgenommen. Nicht selten wurden diese in Form von Anträgen an den Oberbürgermeister weitergeleitet, so wie es unsere Satzung vorsieht. Diese unmittelbare Nähe zu den Menschen war für unsere Arbeit sehr wertvoll.»
Auch kleinere Maßnahmen spielen für den Alltag eine Rolle. Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
«Ein wichtiges Thema waren Ruhemöglichkeiten im Stadtgebiet. Durch eine Spendenaktion konnten 23 neue Sitzbänke an ausgewählten Standorten aufgestellt werden. Davon profitieren nicht nur ältere Menschen, sondern alle, die im Alltag kurze Pausen brauchen.»
Ein weiterer Schwerpunkt war die Digitalisierung. Ist es in Fürth gelungen, ältere Menschen hier mitzunehmen?
«Bereits 2019 haben wir gemeinsam mit der Dr.-Gustav-Schickedanz-Schule das generationenübergreifende Projekt „Seniors at school“ initiiert. Schüler haben älteren, unerfahrenen Menschen den Umgang mit PC, Smartphone oder Tablet erklärt. Inzwischen gibt es im Stadtgebiet mehrere ähnliche Unterstützungsangebote. Wichtig war uns immer, dass Digitalisierung nicht ausgrenzt.»
Der Seniorenrat arbeitet inzwischen auch enger mit anderen Gremien zusammen. Was versprechen Sie sich davon?
«Es ist gelungen, den Integrationsbeirat und den Jugendrat für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Viele Themen betreffen mehrere Generationen gleichzeitig. Gemeinsam erhoffen wir uns eine größere Durchschlagskraft gegenüber den Entscheidungsträgern. Sollte sich künftig wieder ein Behindertenrat etablieren, soll auch dieser in diese Gesprächsrunde eingebunden werden.»
Der Zukunftspreis 2025 der Stadt Fürth wurde dem Projekt «ZUSAMMEN (H) ALT» verliehen. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?
«Der Zukunftspreis bedeutet uns sehr viel. Die in der Bewerbung aufgeführten Projekte lassen sich damit leichter finanzieren und fortführen. Nach zwei Zukunftspreisen und einem Ehrenpreis des Rotary-Clubs in den vergangenen Jahren sehen wir darin eine klare Bestätigung unserer Arbeit. Ehrenamtliches Engagement gegen Einsamkeit wird damit nicht nur verbal gewürdigt, sondern auch konkret unterstützt.»
Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf in der Seniorenarbeit in Fürth?
«Seniorenarbeit ist eine freiwillige Aufgabe der Kommune. Die größte Herausforderung besteht darin, auch bei schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen ausreichend Mittel und Personal bereitzustellen. Die Zahl der Menschen über 60 liegt in Fürth derzeit bei rund 25.000 und sie wächst weiter. Beratungsbedarf und Nachfrage nach Angeboten nehmen zu. Diese Aufgaben dürfen nicht überwiegend auf ehrenamtlicher Basis aufgefangen werden, insbesondere nicht in rechtlichen Fragen.»
Welche Themen bereiten Ihnen darüber hinaus Sorgen?
«Die Nahversorgung in den Stadtteilen ist ein großes Thema. Oft müssen für kurze Einkaufswege teure ÖPNV-Tickets gelöst werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Pflegefachkräfte gewonnen werden können und ob dafür auch Wohnraum zweckgebunden bereitgestellt werden kann. Außerdem fehlen in Fürth alternative Wohnformen. Nicht jeder möchte oder muss in ein Pflegeheim. Wohnprojekte wie Senioren-WGs oder gemeinschaftliche Wohnformen könnten hier neue Wege eröffnen.»
Im Januar 2026 wird der Seniorenrat neu gewählt. Was sollten Interessierte über dieses Verfahren wissen?
«Es handelt sich um eine Delegiertenwahl. Wahlberechtigt sind Organisationen, Vereine und Verbände, die seit mindestens einem Jahr Seniorenarbeit leisten. Diese entsenden je nach Größe Delegierte und können Kandidaten vorschlagen. Nach meinem Kenntnisstand wurden rund 60 Organisationen angeschrieben. Die Delegierten wählen am 14. Januar 2026 insgesamt 30 Mitglieder in den neuen Seniorenrat.»
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Werden Sie erneut kandidieren?
«Ich kandidiere noch einmal für den Seniorenrat, werde mich aber nicht mehr um den Vorsitz bewerben. Nach insgesamt elf Jahren im Vorstand, davon neun Jahre als Vorsitzende, möchte ich mich einer neuen Herausforderung stellen. Die Arbeit für ältere Menschen habe ich immer mit großer Überzeugung gemacht. Künftig kandidiere ich für den Stadtrat, um mich dort gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Seniorenrats weiterhin für die Belange älterer Menschen einzusetzen.»
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