Der Weg zur Haustür wird zur Rutschpartie. Vor dem Hochhauskomplex in der Komotauer Straße auf der Fürther Hardhöhe hat sich der Schnee festgetreten, überzogen von einer tückischen Eisschicht. Es ist dunkel, die Straßenbeleuchtung wirft lange Schatten auf die Stufen, die zum Eingang führen. «Ich bin froh, dass ich zwei gesunde Beine habe», sagt ein Bewohner gegenüber “Fürth Aktuell”, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Hätte er Krücken, wäre er wohl nicht ohne Schaden ins Haus gekommen, fügt er hinzu.
Es ist eine Szenerie, die exemplarisch für den Unmut steht, der sich in dem 15-stöckigen Wohnblock breitgemacht hat. Mehrere Mieter haben sich zusammengefunden, um über die Zustände in ihrem Zuhause mit “Fürth Aktuell” zu sprechen. Sie fühlen sich allein gelassen – mit dem Eis vor der Tür und dem Schmutz im Haus.

Die Kritik wiegt schwer: Tagelang seien die Treppen nicht gekehrt worden, berichten die Anwohner. Gerade für die vielen älteren Menschen im Haus, von denen einige auf Gehhilfen angewiesen sind, sei der Zustand vor allem vor der Tür mit dem vielen Schnee «unzumutbar». Die Angst vor Stürzen sei greifbar.
Die Eigentümerin der Immobilie, die WBG Fürth, widerspricht dieser Wahrnehmung im Kern nicht. Man räumt ein, dass es beim Winterdienst, der an eine externe Fachfirma vergeben ist, zu Problemen kommt. «Selbstverständlich nehmen wir in diesem Fall umgehend Kontakt auf», heißt es vonseiten der Wohnungsbaugesellschaft. Man verweist auf den bayernweiten Ausnahmezustand durch die Witterung Ende Januar 2026, gesteht aber auch ein: Selbst bei normalem Schneefall arbeiteten die Firmen oftmals nicht ordentlich. Die Suche nach zuverlässigem Ersatz sei in der gesamten Branche derzeit schwierig.
Wer die Glätte überwunden hat und das Gebäude betritt, steht vor dem nächsten Ärgernis. Im Aufzug prangte zuletzt ein großes, schwarzes Graffiti-Tag über der Edelstahlverkleidung. Noch gravierender sind die Schilderungen über den Zustand der Treppenhäuser. Mieter berichten von Fäkalien und Uringeruch im Erdgeschoss-Bereich.
Auch die Informationspolitik im Haus wirkt auf die Bewohner teils aus der Zeit gefallen: in Schaukästen der WBG hängen noch Aushänge aus dem Jahr 2013.
Der WBG sind die Verunreinigungen bekannt. «Da uns die Verursacher nicht bekannt sind, sind unsere Handlungsmöglichkeiten hier begrenzt», teilt das Unternehmen mit. Man appelliere an die Vernunft der Bewohner, die Haustüren geschlossen zu halten, damit Unbefugte keinen Zutritt erhalten. Um dem Vandalismus Herr zu werden, prüft die WBG derzeit die rechtliche Zulässigkeit einer Kameraüberwachung. Ein Schritt, den die Mieter im Gespräch mit unserer Redaktion begrüßen würden. «Ich meine, die Mieter müssten halt praktisch eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass Video eingebaut wird, dann ist die Sache erledigt», meint einer der Anwohner pragmatisch.

In einem Haus mit 15 Etagen ist der Aufzug mehr als nur ein Komfortmerkmal – er ist die Lebensader. Und genau diese stockt nach Aussagen der Bewohner immer wieder. «Zehnmal ist der bestimmt ausgefallen», schätzt eine Mieterin mit Blick auf das vergangene Jahr. Wenn der Lift steht, werde der Einkauf für die Bewohner der oberen Etagen zur Qual.
Die WBG zeichnet hier ein differenziertes Bild. Aktuelle, langfristige Ausfälle im Januar 2026 weist man zurück. Hier habe es lediglich eine TÜV-Prüfung und einen kleineren Defekt ohne Stillstand gegeben. Probleme im Jahr 2025 bestätigt das Unternehmen jedoch. Diese seien auf Vandalismus – etwa eingetretene Türen und herausgerissene Bedienelemente – und einen technischen Defekt im Oktober zurückzuführen, bei dem Lieferengpässe den Austausch eines Bauteils verzögerten. Man habe versucht, dies durch die Reaktivierung eines ehemaligen Lastenaufzugs zu kompensieren, der zumindest bis in den 14. Stock fuhr, aber nicht in allen Etagen hielt.
In den Erzählungen der Mieter schwingt oft der Wunsch nach der „guten alten Zeit“ mit – nach einem Hausmeister, der im Gebäude wohnt und nach dem Rechten sieht. «Die WBG müsste jemanden beauftragen, das zu kontrollieren», fordert ein anderer Bewohner.
Doch dieses Modell ist laut WBG nicht mehr vorgesehen und heutzutage unüblich. Stattdessen setzt man auf wöchentliche Begehungen durch technische Mitarbeiter und digitale Lösungen. «Zusätzlich können Anliegen rund um die Uhr über eine Mieter-App gemeldet werden», erklärt die WBG. Ein Angebot, das an der Realität der Senioren im Haus aber scheinbar teilweise vorbeigeht. «Ich habe die App auch nicht», gibt ein älterer Mieter zu.
Und erneut kommen die guten alten Zeiten zur Sprache: Früher sei die WBG selbst mit einem Büro in dem Haus ansässig gewesen. Da sei mehr auf Sauberkeit geachtet worden. Doch dann zog die WBG im Jahr 2013 aus und in die Siemensstraße um. “Und seitdem geht es mit dem Haus eigentlich nur abwärts”, fasst ein Mieter zusammen. Ein anderer betont, dass er schon in mehreren Großstädten gelebt habe. Zustände wie in dem Fürther Hochhaus habe er aber selbst in Berlin nicht vorgefunden.
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