Sie gehören zu den bekanntesten Wildtieren in Bayern, doch über die genaue Verbreitung und die Lebensumstände der Eichhörnchen herrscht oft Unklarheit. Um diese Wissenslücke zu schließen, setzt der BUND Naturschutz (BN) seit fast sechs Jahren auf die Mithilfe der Bevölkerung. Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts «Eichhörnchen in Bayern» werden über eine App Daten gesammelt. Wie der Verband nun berichtet, liegt die Auswertung der Zahlen bis Ende November 2025 vor. Die Ergebnisse zeigen eine rege Beteiligung in der Region, weisen aber auch auf Gefahrenschwerpunkte hin.
Seit dem Start des Projekts im April 2020 sind beim BUND Naturschutz aus ganz Bayern über 74.000 verwertbare Meldungen eingegangen, die rund 90.800 gesichtete Tiere umfassen. Auch in Mittelfranken ist das Interesse an der Datenerhebung groß. Laut der aktuellen Auswertung wurden in der Stadt Fürth seit 2020 insgesamt 2.003 Eichhörnchen gemeldet. Im Landkreis Fürth verzeichnete die Naturschutzorganisation im selben Zeitraum 1.421 Tiere. Reinhard Scheuerlein von der BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt sieht in diesen Zahlen ein deutliches Signal. Die große Beteiligung zeige, wie sehr die Menschen die Eichhörnchen vor ihrer Haustür wahrnehmen würden, so Scheuerlein.
Die Analyse der Daten offenbart laut BN eine geografische Besonderheit bei den Sichtungen. Rund 60 Prozent aller Meldungen stammen aus dem Siedlungsraum, also aus Gärten, Parks und Wohngebieten. In Wäldern und der offenen Landschaft wurden hingegen deutlich weniger Tiere registriert. Hochgerechnet seien damit bislang nur etwa zwei Prozent der potenziellen Reviere in Bayern durch Meldungen abgedeckt. Scheuerlein betont, dass dies nicht bedeute, dass es in den unbeobachteten Gebieten keine Eichhörnchen gebe. Vielmehr nehme der Mensch die Tiere außerhalb seines alltäglichen Umfelds seltener wahr.
Die gesammelten Daten bestätigen zudem bekannte biologische Muster bezüglich der Fellfärbung. Während in Nordwestbayern rote Eichhörnchen dominieren, kommen in Ost- und Südbayern überwiegend dunkle bis schwarze Tiere vor. Diese Verteilung spiegelt laut den Experten die unterschiedlichen Landschaften, Höhenlagen und Waldtypen wider.
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Identifikation von Gefährdungen. Allein im Jahr 2025 wurden bayernweit 476 tote Eichhörnchen gemeldet. Rund 60 Prozent dieser Funde entfielen auf das direkte Umfeld von Straßen. Die Auswertung liefert jedoch auch Hinweise auf wirksame Gegenmaßnahmen. In Zirndorf sowie in Regensburg sei ein deutlicher Rückgang der Totfundmeldungen im Bereich von sogenannten Eichhörnchenseilbrücken verzeichnet worden. Dies zeige, dass gezielte Maßnahmen vor Ort Leben retten können, erklärt Scheuerlein.
Um die Datenbasis weiter zu verbessern, ruft der BUND Naturschutz dazu auf, auch weiterhin Sichtungen zu melden. Besonders der Winter und das zeitige Frühjahr eignen sich für Beobachtungen, da die Tiere in den laublosen Bäumen gut zu erkennen sind und die Paarungszeit beginnt.
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