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Bauprojekt Weihersberg in Stein: Ungewöhnlicher Schulterschluss im Wahlkampf gegen CSU-Forderungen

16. Februar 2026 ,
Vertreter von SBG, SPD, Freien Wählern, Linken und FDP bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Steiner Rathaus: Wolff Fülle, Andreas Selz, Gabriele Stanin, Walter Nüßler und Erster Bürgermeister Kurt Krömer (von links) verteidigten den bisherigen Masterplan für den Weihersberg und widersprachen den CSU-Forderungen nach einer Neuplanung.Vertreter von SBG, SPD, Freien Wählern, Linken und FDP bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Steiner Rathaus: Wolff Fülle, Andreas Selz, Gabriele Stanin, Walter Nüßler und Erster Bürgermeister Kurt Krömer (von links) verteidigten den bisherigen Masterplan für den Weihersberg und widersprachen den CSU-Forderungen nach einer Neuplanung.

Über viele Jahre hinweg galt der Weihersberg als gemeinsames Zukunftsprojekt des Steiner Stadtrats. Wohnraum, Gewerbe, Sportflächen und ein modernes Schulzentrum sollen auf dem 23 Hektar großen Areal im Südwesten entstehen. Doch weniger als vier Wochen vor der Kommunalwahl am 8. März ist der frühere Konsens spürbar ins Wanken geraten.

Neue Schärfe bekommt die Debatte durch die CSU. „Die CSU Stein steht weiterhin grundsätzlich zum Projekt Weihersberg“, heißt es auf der Homepage der Partei und in einer ganzseitigen Anzeige in der Steiner Zeitung (Ausgabe 1/2026). Unterzeichnet ist sie vom Steiner CSU-Ortsvorsitzenden Bertram Höfer – zugleich Bürgermeisterkandidat – sowie vom CSU-Fraktionsvorsitzenden Norbert Stark und dessen Stellvertreter Klaus Heckel. Sie stellen zentrale Elemente des jahrelang entwickelten Masterplans infrage und drängen auf eine Neuausrichtung. Bereits im Juli 2025 hatte die CSU-Fraktion dem öffentlich beschlossenen Rahmenplan nicht zugestimmt. Damit war der zuvor bestehende parteiübergreifende Konsens erstmals sichtbar aufgebrochen.

Zwei Themen treiben die Christsozialen jetzt besonders um: die geplante Erdverkabelung der 110-kV-Stromleitung, die das Areal derzeit noch oberirdisch durchquert, sowie der Neubau des Schul- und Sportzentrums südlich des Hofäckerwegs. Bei beiden Vorhaben seien zentrale Fragen offen – etwa zu den tatsächlichen Kosten und zu den realistisch zu erwartenden Fördermitteln. Die CSU fordert, „zurück an den Tisch“ zu gehen, neu zu planen und „transparent zu rechnen“, wie es auf Veröffentlichungen in den sozialen Medien heißt.

Der Gegenvorschlag der Union: Statt eines Neubaus am Weihersberg sollen die bestehenden Grundschulen in der Mühlstraße und am Neuwerker Weg erweitert und die Sportanlagen des STV Deutenbach am jetzigen Standort für alle Vereine ausgebaut werden. Und: Auf die Erdverkabelung könne man vorerst verzichten.

Darüber hinaus spricht sich die CSU für eine lockerere Bebauung mit geringerer Wohnungsdichte aus. Teile der Flächen sollen aus ihrer Sicht stattdessen für zusätzliche Gewerbeansiedlungen genutzt werden.

Auf diese Vorschläge reagierten am Freitag gleich mehrere Fraktionen mit einer gemeinsamen Pressekonferenz im Kultursaal des Steiner Rathauses. Dort traten der amtierende Erste Bürgermeister, drei weitere Bürgermeisterkandidaten sowie ein Stadtratskandidat vor die Mikrofone – ein ungewöhnlicher Schulterschluss politischer Wettbewerber mitten im Endspurt des Wahlkampfes. Vertreter von SBG, SPD, Freien Wählern, Linken und FDP warnten vor den Folgen einer grundlegenden Neu- oder Umplanung des Weihersberg-Projekts.

Amtsinhaber Kurt Krömer (SBG) erinnerte daran, dass der Weihersberg über viele Jahre hinweg in einer Lenkungsgruppe parteiübergreifend – auch mit Beteiligung der CSU und ihren Vertretern Bertram Höfer, Norbert Stark und Klaus Heckel – entwickelt worden sei. Über 2000 Bürger hätten sich in Workshops und Online-Verfahren eingebracht. Für Krömer ist das Projekt zentral: Die Bündelung der Sportflächen am geplanten Sportcampus mache den Weg frei, um den alten Waldsportpark des FC Stein in ein dringend benötigtes Gewerbegebiet umzuwandeln. Zudem schaffe der Weihersberg Wohnraum, davon sollen 20 bis 30 Prozent über den sozialen Wohnungsbau gefördert werden, wie Krömer erläuterte.

SPD-Fraktionschef Walter Nüßler betonte, eine Sanierung der alten Schulstandorte käme, das habe er ausgerechnet, die Stadtkasse deutlich teurer als gleich ein neues Gebäude zu bauen. Zudem warnte Nüßler vor möglichen Einnahmeverlusten: Da die Stadt durch entsprechende Beschlüsse des Stadtrats bereits Eigentümerin der Flächen auf dem Weihersberg sei, finanzierten sich Infrastruktur, Schulneubau und Sportcampus maßgeblich über Grundstücksverkäufe, so der SPD-Politiker. Würde man dem CSU-Vorschlag folgen, den STV-Sportplatz am jetzigen Ort neben dem Palm Beach zu belassen und zu erweitern sowie weniger Wohneinheiten zu errichten, entfielen rund 90.000 Quadratmeter Wohnbaufläche, warnte Nüßler. Das daraus resultierende Defizit für die Stadt bezifferte er auf bis zu 50 Millionen Euro. Die CSU stellt allerdings die Kalkulation der erwarteten Grundstückserlöse infrage. Aus ihrer Sicht dürfe die Stadt bei den Einnahme-Erwartungen nicht mit zu optimistischen Annahmen planen.

Unterstützung für den bestehenden Plan kam bei der Pressekonferenz auch aus fachlicher Perspektive. FDP-Stadtrat Wolff Fülle, Bauphysiker von Beruf, argumentierte, der Lärm von Bundesstraße 14, Palm Beach und angrenzendem Gewerbe erfordere eine geschlossene Bebauung. Eine lockerere Bebauung, wie sie die CSU ins Spiel bringt, könne die Genehmigungsfähigkeit gefährden. „Ich gehe davon aus, dass der CSU-Plan so aktuell nicht genehmigungsfähig wäre“, sagte Fülle.

Die teilweise Erdverkabelung der 110-kV-Leitung sei kein „Luxus“, wie von der CSU dargestellt, sondern Voraussetzung dafür, die angrenzenden Grundstücke überhaupt sinnvoll bebauen und vermarkten zu können. Ohne Verlegung ins Erdreich müssten größere Schutzabstände eingehalten werden, wodurch wertvolle Wohnbauflächen entfielen, erklärte Fülle. Ohnehin sei die Verlegung unter die Erde erst in einem der letzten Bauabschnitte geplant. Damit bleibe die oberirdische Trasse – wie auch von der CSU angesprochen – zunächst unverändert bestehen.

Die beiden Pädagogen Gabriele Stanin (langjährige Kita-Leitung) und Andreas Selz (Sozialpädagoge) mit Parteibuch der Freien Wähler beziehungsweise der Linken warben für das geplante Schulkonzept. Die bestehenden Gebäude seien klassische „Flurschulen“ – lange Gänge mit aneinandergereihten Klassenzimmern. Für moderne Unterrichtsformen, Teamarbeit und den ab 2026 schrittweise geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung seien diese Strukturen aus ihrer Sicht ungeeignet.

Das für den neuen Schulcampus geplante „Lernhaus-Konzept“ sehe dagegen größere Einheiten vor, in denen mehrere Klassen um eine gemeinsame Mitte organisiert sind. Dort könnten Gruppenarbeit, individuelle Förderung und Betreuung am Nachmittag flexibler stattfinden. Diese räumliche Neuordnung würden die bestehenden Gebäude nicht hergeben, waren sich Stanin und Selz einig.

Die CSU ist hingegen der Auffassung, dass sich auch in den bestehenden Schulgebäuden tragfähige Lösungen entwickeln ließen. Aus ihrer Sicht sei eine Sanierung und Erweiterung finanziell besser kalkulierbar und mit Fördermitteln darstellbar, während beim Neubau zentrale Kosten- und Förderfragen noch nicht abschließend geklärt seien. SPD-Fraktionschef Walter Nüßler widersprach dem bei der Pressekonferenz ausdrücklich. Nach seiner Darstellung seien die Förderquoten für einen Neubau höher als bei einer Bestandssanierung.

Wie es in der Debatte weitergeht, dürfte sich schon in dieser Woche zeigen. Am Aschermittwoch treffen die Bürgermeisterkandidaten in der Alten Kirche bei einer Podiumsdiskussion aufeinander.