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Der Taktgeber verlässt die Bühne: Gerhard März nimmt nach über 30 Jahren seinen Hut als Leiter des Zirndorfer Kulturamtes

4. Februar 2026 ,
Gerhard März (links) bei einem Konzert von Karel Gott in Zirndorf. Der Kulturamtsleiter konnte als Live-Musiker immer wieder Showgrößen in die Bibertstadt locken.Gerhard März (links) bei einem Konzert von Karel Gott in Zirndorf. Der Kulturamtsleiter konnte als Live-Musiker immer wieder Showgrößen in die Bibertstadt locken.

Von Roland Beck

Über drei Jahrzehnte lang prägte er das kulturelle Leben in Zirndorf wie kein Zweiter. Nun verabschiedet sich Gerhard März als Leiter des städtischen Kulturamtes in den Ruhestand – der Mann, der die Paul-Metz-Halle zur Marke machte und dabei selbst immer den Rhythmus im Blut behielt.

Schon als Jugendlicher war er in Zirndorf nicht zu überhören. Wenn Gerhard März damals mit der kleinen Trommel für die Jugendkapelle übte und marschierend durch den heimischen Garten zog, wussten die Nachbarn Bescheid. „Wenn ich wiederkomme und du hast nicht aufgehört, dann bekommst du Ärger“, rief ihm eine Nachbarin einst auf dem Weg zum Einkaufen zu. Er hat nicht aufgehört – zum Glück für Zirndorf. Denn dieser Rhythmus sollte das kulturelle Leben in Zirndorf bestimmen.

Gerhard März studierte Musik, Schlagzeug und Klavier, doch er entschied sich am Ende gegen die unsichere Künstlerkarriere. Eine Entscheidung der Vernunft, bei der sein Musiker-Herz jedoch nie auf der Strecke blieb.

Sebastian Klussmann (l.) von „Gefragt – Gejagt“ in Zirndorf

Am 1. April 2026 beginnt für den Leiter des Zirndorfer Kulturamtes ganz offiziell der Ruhestand. Doch der emotionale Abschied findet schon früher statt, wenn er Mitte Februar seinen Schreibtisch räumt.

Gerhard März war nie der typische Schreibtischtäter. Er lebte in einer Dualität, die für Zirndorf ein Glücksfall war: Tagsüber Kulturamtsleiter mit drei Leitungsfunktionen (Abteilungsleitung, Kulturamt, Paul-Metz-Halle), nachts und am Wochenende Vollblutmusiker auf der Bühne. Als Gründer der Band „Bibert Express“ spielte er zum Beispiel vor bis zu 30.000 Menschen beim Münchner Stadtgründungsfest. „Das war meine schönste Zeit“, gesteht er.

Genau diese Bühnenerfahrung war sein Geheimrezept. Wenn März mit großen Künstlern für Auftritte in Zirndorf verhandelte, tat er das nicht als Verwaltungsbeamter, sondern als Kollege. Er kannte den Geruch von Backstage-Bereichen, das Schleppen von Equipment und das Lampenfieber vor dem ersten Ton. „Ich konnte mich mit den Künstlern auf Augenhöhe unterhalten“, erzählt März. Das spürten auch Legenden wie Max Greger, Klaus Doldinger oder Bill Ramsey. Sie kamen nicht nur wegen der Gage nach Zirndorf, sondern weil da einer war, der ihre Sprache sprach.

Als Gerhard März gefragt wurde, ob er die Leitung des Kulturamtes übernehmen wolle, hatte er Bedenken. Er sagte zum damaligen Bürgermeister Virgilio Röschlein sinngemäß: „Ich traue mir das zu, aber dann müsste ich mit dem Bibert Express aufhören.“ Daraufhin antwortete Röschlein wohl sehr bestimmt: „Das kommt überhaupt nicht in die Tüte! Ihr seid unser Aushängeschild! Sie machen das auf alle Fälle weiter!“

Als März 1990 im Kulturamt anfing, und anfangs tatsächlich weiter am Wochenende als Live-Musiker große Auftritte feierte, steckte vieles noch in den Kinderschuhen. Die Paul-Metz-Halle, 1984 erbaut, wurde unter seiner Regie zu einer festen Größe in der Metropolregion. „Ich habe jeden Künstler persönlich eingeladen. Freiwillig hat sich keiner nach Zirndorf verirrt“, scherzt er heute. Doch die Strategie ging auf. Ob Kabarett-Größen wie Monika Gruber, Gerhard Polt und Günter Grünwald oder die großen Big-Band-Legenden – die Halle war oft ausverkauft, die Abende legendär.

Jazz-Musiker Max Greger (Mitte) bei einem Auftritt in Zirndorf. Gerhard März (rechts) moderierte den Abend. Der damalige Bürgermeister Gert Kohl (links) stand ebenfalls auf der Bühne.

Besonders die Open-Air-Klassik-Events mit den Nürnberger Symphonikern bleiben unvergessen, auch wenn sie März so manche schlaflose Nacht wegen der Wettervorhersage bescherten. „Wenn dann um 20 Uhr der erste Ton erklang, fiel die ganze Last ab“, erinnert er sich.

Der Abschied fällt ihm nicht leicht, denn für März war der Job nie nur Arbeit, sondern „bezahltes Hobby“. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die aktuellen Sparzwänge der Kommunen, die mühsamen Diskussionen über Budgets und Konsolidierung, erleichtern ihm den Schritt. „Um kreativ zu sein, muss der Kopf frei sein“, sagt er nachdenklich. Wenn nur noch der Rotstift regiert, geht die Gestaltungskraft verloren. Das mache für ihn den Abschied zumindest etwas einfacher, sagt er.

Bei den städtischen Veranstaltungen begrüßte März das Publikum immer persönlich. Wenn nun bald der Ruhestand beginnt, hat er sich vorgenommen, eine Weile nicht in die Paul-Metz-Halle zu gehen. Es wäre zu emotional für ihn, mit zu vielen Erinnerungen. Er will erst einmal Abstand gewinnen von dem Job, der ihn 36 Jahre auf Trab hielt.

„Ich muss meine Festplatte erst einmal löschen“, sagt März. Reisen stehen auf dem Plan. Er will auch nicht der Ex-Chef sein, der ständig noch im Büro vorbeischaut. Er will den Kopf frei bekommen für das neue Leben.

Der bisherige Leiter der Musikschule Zirndorf, Werner Siebenhaar, soll künftig die Paul-Metz-Halle als Chef verantworten – also wieder ein Vollblutmusiker. Im Kulturamt selbst wird es vermutlich Umstrukturierungen geben.