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Zirndorfer Energieexperte im Interview: Heizölpreise explodieren – was Verbraucher jetzt wissen sollten

5. März 2026 ,
Christian Plöchinger, Geschäftsführer der Rosa GmbH in Zirndorf, rät Heizölkunden in der aktuellen Hochpreisphase zur Besonnenheit. Die Versorgung in der Region Fürth ist trotz der weltpolitischen Lage gesichert. Foto: Rosa GmbHChristian Plöchinger, Geschäftsführer der Rosa GmbH in Zirndorf, rät Heizölkunden in der aktuellen Hochpreisphase zur Besonnenheit. Die Versorgung in der Region Fürth ist trotz der weltpolitischen Lage gesichert. Foto: Rosa GmbH

Der militärische Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran haben die Energiepreise auch in Mittelfranken auf Höchststände getrieben. Ein Liter Heizöl kostet aktuell rund 1,30 Euro. Bei den Brennstoffhändlern in der Region standen die Telefone zu Wochenbeginn nicht mehr still. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt Christian Plöchinger, Geschäftsführer der Rosa GmbH in Zirndorf, wie sich Verbraucher nun verhalten sollten und warum von Panikkäufen abzuraten ist.

Fürth Aktuell: Herr Plöchinger, Sie berichteten bereits von glühenden Telefonleitungen seit Montagmorgen. Wie hat sich die Lage in den letzten Tagen entwickelt, hat sich die erste Panik bei den Kunden in unserer Region etwas gelegt?

Christian Plöchinger: Die Angst vor weiter steigenden Preisen hat vor allem Heizölendverbraucher schon am Montag zum Kauf motiviert. Nachdem der Ölpreis sich gestern auf hohem Niveau stabilisiert hat, geht es heute wieder straff nach oben. Gasöl, das Grundprodukt für Heizöl und Diesel, ist auf dem höchsten Stand seit 2022. Die Aufwärtsbewegung bei den Preisen verliert zwar etwas an Schwung, die Richtung bleibt jedoch. Die Nachfrage hat sich nach dem ersten Schock wieder normalisiert.

Fürth Aktuell: Sie raten dazu, bei fast leerem Tank aktuell nur geringe Mengen zu bestellen. Was genau ist unter einer solchen geringen Menge zu verstehen, um über die aktuelle Hochpreisphase bis zum Sommer zu kommen?

Christian Plöchinger: Der große Vorteil speicherbarer Energien wie Heizöl und Holzpellets ist ja, günstig bevorraten zu können, um solche Hochpreisphasen zu überbrücken. Wer noch für mehrere Monate versorgt ist, muss jetzt nicht zu den aktuell hohen Preisen nachbestellen. Viele Tanks werden jetzt zum Ende der Heizperiode aber leer. In diesen Fällen empfehlen wir, nicht gleich den gesamten Jahresbedarf zu tanken, sondern nur so viel nachzufüllen, dass es über die nächsten Monate reicht. Die Chancen stehen gut, dass die Kurse dann bis zum nächsten Bedarf im Herbst wieder deutlich zurückgehen.

Fürth Aktuell: Wir haben Sprünge von etwa 1,00 Euro auf 1,30 Euro pro Liter Heizöl gesehen. Welche Faktoren müssten eintreten, damit sich der Preis in den kommenden Wochen wieder stabilisiert?

Christian Plöchinger: Der Ölmarkt handelt Erwartungen, und im Moment handelt er vor allem Risiko. Der Iran droht damit, dass sämtliche Schiffe, die versuchen die Straße von Hormus zu passieren, verbrannt werden. Je nach Marktsituation fließen 20 bis 30 Prozent des weltweiten Ölhandels durch dieses Nadelöhr. Europa verbraucht weit mehr Diesel, als es produziert und ist daher auch auf Lieferungen aus der Golfregion angewiesen. Die Absicht von US-Präsident Trump, die Ölausfuhren mit Begleitschutz und Versicherungen wieder in Gang zu bringen, kann Beruhigung in den Ölmarkt bringen. Ein Ende des Krieges ist aber noch nicht absehbar und es mehren sich die Stimmen, die mit einem Fortgang über Wochen, wenn nicht sogar Monate rechnen. Das schürt weiter Versorgungsängste und schlägt sich auf die Preise nieder.

Fürth Aktuell: Führt die sprunghafte Nachfrage aktuell zu längeren Lieferzeiten im Landkreis Fürth und Umgebung, oder können Sie die Bestellungen gewohnt zeitnah ausliefern?

Christian Plöchinger: Wir betreiben mittlerweile über 50 eigene Tankwagen in ganz Bayern und sind logistisch stark aufgestellt. Auch bei steigender Nachfrage können wir unsere Kunden ohne lange Lieferzeiten versorgen und bei Notfällen immer kurzfristig liefern.

Fürth Aktuell: Was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Menschen in Stadt und LAndkreis Fürth, die jetzt besorgt auf ihre Tankanzeige im Keller schauen?

Christian Plöchinger: Ruhig bleiben. Niemand muss sich Sorgen machen, dass Heizöl und Kraftstoffe knapp werden. Die Versorgung ist gesichert. Wer jetzt bestellen muss, kann eine Teilmenge kaufen und den Markt weiter beobachten.