Die Freiwillige Feuerwehr Roßtal blickt auf eine eineinhalb Jahrhunderte andauernde Geschichte zurück. Vom 5. bis zum 7. Juni feiert die Stützpunktwehr ihr 150-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Festwochenende. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte verdeutlicht dabei einen massiven Wandel der Anforderungen an die Einsatzkräfte. Stand in den Gründerjahren noch die reine Brandbekämpfung im Vordergrund, wird der Alltag heute maßgeblich von Technischen Hilfeleistungen dominiert.
Besonders die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Roßtaler Wehr nachhaltig geprägt. In dieser Ära wurde der Grundstein für die heutige moderne Ausrüstung gelegt. Matthias Olszewsky, Erster Kommandant der Feuerwehr Roßtal, erklärte gegenüber Fürth Aktuell, dass das heutige Einsatzspektrum weitaus breiter gefächert ist. Die Aufgaben reichen von der Bewältigung wetterbedingter Ereignisse über die Beseitigung von Ölspuren bis hin zur Unterstützung von hilflosen Personen in Wohnungen.

Eine besondere Herausforderung stellt die geografische Lage Roßtals an der viel befahrenen Bundesstraße 14 dar. Diese verkehrstechnische Situation hat den Fokus der Feuerwehr über die Jahrzehnte hinweg stark in Richtung Verkehrsunfallrettung und komplexe technische Hilfeleistungen verschoben. Zu den seelisch und technisch forderndsten Einsätzen der vergangenen Jahre zählten schwere Verkehrsunfälle mit Todesfolge. Olszewsky erinnert an einen tragischen Unfall auf der Kreisstraße FÜ 22 bei Wolfgangshof, bei dem zwei Jugendliche ihr Leben verloren. Auch die überörtliche Unterstützung bei einem schweren Busunfall in Ammerndorf verlangte den Helfern alles ab. Neben Unfällen bleiben Großbrände eine extreme Belastung. Beim Brand eines Kindergartens in der Richtersgasse in Roßtal kämpften 42 Einsatzkräfte insgesamt 21 Stunden lang gegen die Flammen, bis das Gebäude schließlich komplett ausbrannte.
Trotz dieser schweren Belastungen ist der Zusammenhalt innerhalb der Truppe ungebrochen. Der Kommandant betont, der Geist der Wehr sei geprägt von tiefer Kameradschaft und dem selbstlosen Engagement jedes Einzelnen. Um diesen Geist an die nächste Generation weiterzugeben, unterhält die Feuerwehr eine aktive Jugendabteilung, die moderne Technik mit gemeinsamen Aktivitäten verbindet.
Das Jubiläumswochenende bietet der Bevölkerung die Gelegenheit, diese Technik und die Mannschaft aus der Nähe zu betrachten. Zu den Höhepunkten zählt der große Festzug am Samstag, dem 6. Juni, ab 17 Uhr. Daran werden auch zahlreiche Nachbarwehren teilnehmen. Am Sonntag, dem 7. Juni, folgt um 9 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließender Fahrzeugschau auf dem Festgelände.
Für die Zukunft hat die Wehr klare Vorstellungen. Der größte Wunsch zum Geburtstag ist die Beschaffung einer hochmodernen Einsatzdrohne, die noch für das Jahr 2026 geplant ist. Ein solches Fluggerät soll bei der schnellen Lageerkundung aus der Luft helfen und Live-Bilder samt Wärmebildtechnik direkt in die Kommandozentrale übertragen. Dies erleichtert Personensuchen in unübersichtlichem Gelände, die Identifizierung von Feuerlinien und Einsätze mit Gefahrgut. Vor allem aber hofft die Führung, dass die Kameradschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Roßtal auch in den kommenden 150 Jahren weiterlebt.
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