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Großes Jubiläum mit Kutschfahrten und buntem Programm am Pfingstsamstag in Langenzenn-Horbach: Die Siebener feiern!

18. Mai 2026 , ,
Feldgeschworene setzen gemeinsam mit dem Vermessungsamt einen Grenzstein in der Gemarkung Buschschwabach. Das sogenannte Siebenergeheimnis bleibt dabei nur den Eingeweihten bekannt. Foto: Roland BeckFeldgeschworene setzen gemeinsam mit dem Vermessungsamt einen Grenzstein in der Gemarkung Buschschwabach. Das sogenannte Siebenergeheimnis bleibt dabei nur den Eingeweihten bekannt. Foto: Roland Beck

Der Stein ist klein, die Bedeutung groß. Wer achtlos an einem Grenzstein vorbeigeht, sieht meist nur ein Stück behauenen Stein im Boden. Für die Feldgeschworenen ist er ein Zeichen von Ordnung und Verlässlichkeit. Er zeigt, wo ein Grundstück endet und das nächste beginnt. Und er steht für ein Ehrenamt, das in Bayern seit Jahrhunderten besteht.

Das Feldgeschworenenwesen gilt als ältestes kommunales Ehrenamt Bayerns. Feldgeschworene, in Franken meist Siebener genannt, wachen über Grundstücksgrenzen, wirken bei Abmarkungen mit und unterstützen die Vermessungsbehörden. Seit 2016 gehört das Feldgeschworenenwesen in Bayern zum Immateriellen Kulturerbe. In Langenzenn ist die Tradition besonders eng verwurzelt. Dort wurden die Feldgeschworenen bereits 1426 erstmals urkundlich erwähnt.

Dieses Datum steht nun im Mittelpunkt eines Doppeljubiläums. Am Pfingstsamstag, 23. Mai 2026, wird in Langenzenn «600 Jahre Feldgeschworene in Langenzenn und 10 Jahre Immaterielles Kulturerbe Deutschland» gefeiert. Die Veranstaltung findet in Horbach statt. Veranstaltungsorte sind die Maschinenhalle Horbach, die Flächen neben dem Siebenercafe beziehungsweise der Maschinenhalle und das Freilichtmuseum Siebenerplatz. Die Adresse für die Anfahrt lautet Vogelgasse 6.

Um 13 Uhr soll am Siebenerplatz ein Jubiläumsstein enthüllt werden. Von 14 bis 18 Uhr folgt ein offener Nachmittag. Geplant sind eine Ausstellung, Vorführungen mit Vermessungsämtern und Siebenern, ein Kinderprogramm, Kutschfahrten zum Siebenerplatz, Führungen und Filmvorführungen.

Bei einem Ortstermin in der Gemarkung Buchschwabach konnte unsere Redaktion live miterleben, wie dieses Ehrenamt heute noch ausgeübt wird. Gemeinsam mit dem Vermessungsamt wurde ein Grenzstein gesetzt beziehungsweise ersetzt. Die Arbeit begann mit der genauen Bestimmung des Punktes. Danach wurde das Loch ausgehoben, der Stein eingesetzt und ins Lot gebracht. Hans Satzinger, 1. Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung Landkreis und Stadt Fürth, erklärte, dass dabei auch das Siebenergeheimnis eingebracht werde.

Gerade dieses Geheimnis macht das Amt besonders. Es besteht aus Zeichen aus dauerhaftem Material, die in einer nur den Feldgeschworenen bekannten Anordnung im Bereich des Grenzsteins verborgen werden. Dadurch kann später erkannt werden, ob ein Stein verändert oder versetzt wurde. Satzinger sagte, dieses Wissen werde ausschließlich mündlich weitergegeben. Jede Siebenerei habe ihr eigenes Geheimnis. Beim Einbringen seien Zuschauer nicht dabei.

Dass Grenzsteine trotz digitaler Daten weiterhin eine Bedeutung haben, machte Simon Schalk vom Vermessungsamt deutlich. Ein Stein kennzeichne eine Grenze sichtbar vor Ort. Er zeige, wo das eigene Grundstück ende und das des Nachbarn beginne. Das helfe, Grenzfrieden zu sichern. Die Zusammenarbeit mit den Feldgeschworenen sei seit Jahrzehnten eingespielt. Das Vermessungsamt schätze besonders ihre Ortskenntnis und den direkten Kontakt zu den Beteiligten.

Wie unterschiedlich das Amt wahrgenommen wird, zeigt der Blick auf Stadt und Land. Simon Berngruber, Ehrensiebener der Gemarkung Burgfarrnbach, ist seit 45 Jahren Feldgeschworener und war 30 Jahre Obmann. In Burgfarrnbach sei das Amt wegen der ländlichen Struktur noch vielen bekannt. In der Stadt sei das anders.

Madeleine Espach, Erste Obfrau der Feldgeschworenenvereinigung im Bezirk I der Stadt Fürth, berichtete von anderen Anforderungen im städtischen Raum. Dort würden häufiger Meißelzeichen, Grenzzeichen oder Messbolzen verwendet, weil oft kein Platz für klassische Grenzsteine vorhanden sei. In ihrem Bereich gebe es etwa 30 bis 40 Vermessungen im Jahr.

Auch jüngere Feldgeschworene führen die Tradition weiter. Florian Tiefel aus Kleinweismannsdorf gehört zu dieser Generation. Er kam über seinen Opa zu dem Amt. Tiefel sagte, ihn interessiere besonders, wo Grenzen verlaufen und wie die Arbeit praktisch abläuft. Als Landwirt sei dieses Wissen zusätzlich wichtig.

Sybille Bühl aus der Stadt Fürth ist seit wenigen Wochen dabei. Ihr erster praktischer Einsatz fand bei minus vier Grad statt. Dabei habe sie ein Loch von etwa 30 mal 30 Zentimetern graben müssen.

Neue Feldgeschworene lernen vor allem durch Mitgehen und Mitmachen. Madeleine Espach erklärte, eine neue Siebenerin begleite Einsätze und bekomme die Arbeit Schritt für Schritt gezeigt. Normalerweise seien Feldgeschworene zu zweit unterwegs. Dadurch könne eine neue Kraft vorbereitet werden, bei Bedarf auch selbstständig tätig zu sein.

Thomas Blösel, 2. Vorsitzender der Feldgeschworenenvereinigung Landkreis und Stadt Fürth, sieht eine weitere Aufgabe darin, das Amt bekannter zu machen. Der Begriff Siebener komme daher, dass in der Regel sieben Feldgeschworene in einer Gemarkung tätig seien. Viele Menschen wüssten aber nicht mehr, was damit gemeint sei.

So zeigt der Grenzstein am Ende mehr als nur eine Linie im Boden. Er steht für ein Ehrenamt, das Streit vermeiden, Grenzen sichtbar machen und Wissen weitergeben soll. Die Technik hat sich verändert. Geblieben sind Ortskenntnis, Erfahrung und ein Geheimnis, das nur mündlich weitergegeben wird.