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Anonymer Brief am Stadttheater Fürth: Aus dem Haus kommt Rückhalt für Intendantin Stolz

2. Juni 2026 ,
Anonyme Vorwürfe gegen das Stadttheater Fürth sorgen für Unruhe. (Foto: Roland Beck)Anonyme Vorwürfe gegen das Stadttheater Fürth sorgen für Unruhe. (Foto: Roland Beck)

Ein anonymer Brief sorgt derzeit für Unruhe rund um das Stadttheater Fürth. In dem Schreiben, das mehreren Stellen der Stadt zuging und auch unserer Redaktion vorliegt, werden schwere Vorwürfe gegen die Führungskultur unter Intendantin Dr. Silvia Stolz erhoben. Nach Darstellung der Verfasser soll der Brief von 25 fest angestellten Mitarbeitern stammen. Namentlich unterzeichnet ist das Schreiben jedoch nicht. Genau dieser Punkt ist für mehrere Beteiligte entscheidend: Die Vorwürfe stehen im Raum, öffentlich überprüfbar sind sie bislang nicht. Und nun melden sich auch Unterstützer der Intendantin zu Wort.

Silvia Stolz leitet das Stadttheater Fürth seit November 2023. Das Haus verweist für die erste von ihr verantwortete Spielzeit 2024/2025 auf mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher sowie auf über 95.000 verkaufte Tickets. Besonders im Jungen Theater sei ein deutlicher Zuwachs erreicht worden.

Der Brief selbst ist als «Hilferuf» überschrieben. Darin ist unter anderem von einem belastenden Arbeitsklima, Angst, Misstrauen und psychischer Belastung die Rede. Zugleich räumen die Verfasser auch Erfolge des Theaters unter Stolz ein, etwa ein vielfältiges Programm, gute Besucherzahlen und positive Rückmeldungen aus dem Publikum.

Nun äußern sich allerdings Stimmen aus dem Umfeld des Hauses deutlich anders. Dramaturg Udo Eidinger widerspricht im Gespräch mit Fürth Aktuell dem Eindruck, der Brief spreche für das gesamte Theater. Er sei von niemandem persönlich unterschrieben. Deshalb sei es schwierig, auf dieser Grundlage von einer klar belegbaren Position der Belegschaft zu sprechen.

Aus seiner Sicht habe Stolz in den vergangenen zweieinhalb Jahren viel geleistet, auch über das hinaus, was klassisch zur Aufgabenbeschreibung einer Intendanz gehöre. Es gehe ihm dabei nicht allein um gute Zahlen. Theater werde nicht wegen Statistiken gemacht, sondern um Kunst auf die Bühne zu bringen und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Gerade dafür stehe die Arbeit der Intendantin, sagt Eidinger. Das Stadttheater trage die Stadt im Namen, und Stolz habe viele Kontakte geknüpft, das Gespräch gesucht und das Haus stärker in die Stadt geöffnet.

Eidinger kritisiert vor allem den Weg, den die Verfasser des Schreibens gewählt haben. Wer Missstände sehe, müsse aus seiner Sicht zunächst das direkte Gespräch suchen. Er habe den Eindruck, dass genau dies häufig nicht geschehen sei. Der Brief ziele in seiner Wirkung nicht auf Kommunikation, sondern auf Eskalation. Besonders problematisch findet er, dass viele Mitarbeiter nach seiner Darstellung nicht gefragt worden seien, ob sie das Schreiben unterstützen oder nicht. Er selbst habe den Brief vor der öffentlichen Debatte nicht zur Prüfung oder Mitzeichnung erhalten.

Auch Theaterpfleger Maurice Schönleben (SPD) stellt sich öffentlich hinter die Intendantin. In einer Stellungnahme schreibt er, er sei stolz auf das Stadttheater. Unter Stolz habe das Haus seit 2023 kontinuierlich Schritte nach vorne gemacht. Das Theater werde moderner, agiler und effizienter. Das sei aus seiner Sicht genau das, was das Haus brauche. Zugleich räumt Schönleben ein, dass ein solcher neuer Kurs Widerstand auslösen könne. Entscheidend sei aber, dass der eingeschlagene Weg weitergeführt werde.

Schönleben betont außerdem, in jeder Organisation brauche es ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe, auch am Stadttheater Fürth. Zugleich müsse klar sein, dass der Weg nach vorne zu einem modernen und konkurrenzfähigen Theater sinnvoll sei. Als Pfleger des Stadttheaters habe er nach eigener Aussage nahen Einblick in das Haus und in die Abläufe. Für diesen Weg nach vorne stehe Intendantin Stolz, schreibt Schönleben.

Im Theater selbst läuft der Betrieb weiter. Eidinger verweist im Gespräch mit Fürth Aktuell darauf, dass gerade an einer Premiere gearbeitet werde und viele Kollegen mit großem Engagement bei der Sache seien. Theater sei anstrengend, sagt er, aber die Mehrheit wisse, warum sie dort arbeite. Viele Mitarbeiter seien nun verunsichert und warteten auf den angestoßenen Klärungsprozess. Zugleich erlebe er ein motiviertes Team, das mit Herzblut an Produktionen arbeite. „Ein Fakt ist, dass solche Schreiben an anderen Theatern (leider) mittlerweile fast Usus sind und nichts Ungewöhnliches“, so Udo Eidinger.