Der Fürther Jugendrat will den Blick auf Menschen lenken, die aus Armut heraus straffällig werden. Nicht jede Straftat lasse sich allein mit Strafe beantworten, lautet die zentrale Botschaft des Antrags «Helfen statt Strafen – gemeinsam gegen Gewalt». Am Mittwoch, 1. Juli, beschäftigt sich der Ausschuss für Jugendhilfe und Jugendangelegenheiten mit dem Vorstoß.
Hintergrund ist nach Angaben des Jugendrates eine frühere Debatte um Beförderungserschleichung bei der infra. Der Jugendrat hatte gefordert, dass die infra entsprechende Fälle nicht mehr zur Anzeige bringen solle. Später habe man sich darauf verständigt, dass zumindest Menschen in Armut nicht mehr wegen Fahrens ohne Ticket angezeigt werden sollten.
Aus Sicht des Jugendrates reicht das aber nicht aus. Einige armutsbetroffene Menschen seien auf den Bus angewiesen, könnten sich den Fahrpreis aber nicht leisten. Julia Dierauf, stellvertretende Vorsitzende des Fürther Jugendrates, erklärt dazu: «Doch diese Einigung allein reicht nicht! Gerade Jugendliche, die aus Armut heraus Straftaten begehen, müssen gezielt unterstützt werden – nur so können wir ihnen eine Zukunft geben!»
Der Vorsitzende Alexander Bohn betont: «Niemand freut sich, wenn er beklaut wird; kein Busunternehmen freut sich, wenn seine Fahrgäste ohne Ticket fahren. Strafen lösen aber das zugrundeliegende Problem nicht: Armut. Wir brauchen hier aufsuchende Hilfsangebote.»
Konkret nennt der Jugendrat Streetwork und mobile Jugendarbeit als mögliche Ansätze. Außerdem solle die Jugendhilfe im Strafverfahren möglichst früh in laufende Verfahren eingebunden werden, damit Jugendliche begleitet und unterstützt werden können.
Ein zweiter Teil des Antrags betrifft Gewalt, vor allem sexuelle und sexualisierte Gewalt. Der Jugendrat spricht sich für eine zentrale Meldestelle aus. Betroffene sollen sich nach Vorstellung des Gremiums auch anonym melden können. Clemens Trompke, Beisitzer im Vorstand, erklärt: «Gewalt – insbesondere sexuelle und sexualisierte – ist überall ein zunehmendes Problem.»
Nach Darstellung des Jugendrates könnte eine Meldestelle zunächst ohne zusätzliches Personal getestet werden. Ein Meldeformular reiche aus, um zu prüfen, ob weiterer Bedarf besteht. Der Jugendrat plädiert zudem dafür, eine solche Stelle nicht nur auf städtische Einrichtungen zu beschränken, sondern direkt für die gesamte Stadtbevölkerung zu öffnen.

