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Landkreis Fürth will Fahrgäste automatisch zählen: Welche Vorteile die Technik bringen soll

12. Juli 2026, 09:31 Uhr ,
Sensoren in Bussen könnten künftig genauere Fahrgastdaten liefern und so die Verkehrsplanung im Landkreis Fürth verbessern. (Archivfoto: TK-Bilder/Thomas Klein)Sensoren in Bussen könnten künftig genauere Fahrgastdaten liefern und so die Verkehrsplanung im Landkreis Fürth verbessern. (Archivfoto: TK-Bilder/Thomas Klein)

Wer einen Busfahrplan verbessern will, muss zunächst wissen, wie viele Menschen die einzelnen Verbindungen tatsächlich nutzen. Im Landkreis Fürth entsteht dieses Bild bislang nur an sechs Terminen im Jahr durch entsprechende Zählungen. Künftig könnten Sensoren in den Fahrzeugen deutlich genauere Daten liefern. Der Landkreis prüft deshalb, bis zu 52 Busse mit automatischen Fahrgastzählsystemen auszustatten.

Beschlossen ist die Anschaffung noch nicht. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss gab der Verwaltung zunächst einstimmig grünes Licht, sich um Fördermittel zu bemühen. Die erforderliche sogenannte Projektskizze wurde nach Auskunft des Landratsamtes fristgerecht bis zum 30. Juni bei der Regierung von Mittelfranken eingereicht.

Nun hängt das weitere Vorgehen davon ab, ob und in welcher Höhe der Freistaat das Vorhaben unterstützt. Erst nach einem positiven Förderbescheid sollen die Kreisgremien erneut darüber beraten. Angesichts der angespannten Finanzlage will der Landkreis das System nur vollständig umsetzen, wenn ein ausreichend hoher Zuschuss gewährt wird.

Bisher lässt der Landkreis die Fahrgastzahlen viermal während der Schulzeit und zweimal in den Ferien erheben. Die Verkehrsunternehmen geben die Ergebnisse an die Verwaltung weiter. Viele Angaben werden noch analog übermittelt und müssen anschließend digital erfasst und aufbereitet werden. Das bindet Personal und erhöht nach Einschätzung des Landratsamtes die Gefahr von Fehlern.

Automatische Systeme könnten diese Arbeit erheblich verändern. Sensoren an den Fahrzeugtüren erfassen, wie viele Fahrgäste an einer Haltestelle ein- und aussteigen. Die zugehörige Software ordnet die Werte den jeweiligen Fahrten zu und bereitet sie für die Auswertung auf.

Dadurch könnte der Landkreis schneller erkennen, wann und wo Busse besonders stark ausgelastet sind. Die Daten wären eine Grundlage dafür, Fahrpläne, Fahrzeuggrößen und Kapazitäten besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Auch bei der Planung des Schülerverkehrs könnten genauere Zahlen helfen.

Hinzu kommt die finanzielle Bedeutung. Fahrgastzahlen werden nicht nur für die Verkehrsplanung benötigt, sondern spielen auch bei der Aufteilung von Einnahmen eine Rolle. Je genauer die Nutzung einzelner Linien erfasst wird, desto belastbarer ist die Grundlage für solche Berechnungen.

Es wäre nicht erforderlich, jeden eingesetzten Bus mit Sensoren auszustatten. Nach Einschätzung der Landkreis-Verwaltung reicht es aus, zwischen 50 und 67 Prozent der Fahrzeuge einzubeziehen. Die ausgerüsteten Busse könnten abwechselnd auf unterschiedlichen Linien und Fahrten verkehren. So ließe sich nach und nach ein größeres Netz abdecken.

Die Technik bliebe Eigentum des Landkreises. Die jeweiligen Busunternehmen erhielten die Geräte während der Laufzeit ihrer Verkehrsverträge lediglich zur Nutzung. Nach Vertragsende müssten sie ausgebaut und zurückgegeben werden. Bei neuen Fahrzeugen könnte die Ausstattung künftig von Beginn an vorgesehen werden. Ob ältere Busse noch nachgerüstet werden, müsste jeweils einzeln geprüft werden.

Für das gesamte Vorhaben veranschlagt der Landkreis nach einer ersten Marktrecherche rund 690.000 Euro. Sie umfasst auch den Einbau, die benötigte Software, die Verbindung der verschiedenen technischen Komponenten und die Begleitung durch ein Planungsbüro.

Die Verwaltung hält eine Förderung zwischen 50 und 80 Prozent für denkbar. Bei Gesamtkosten von 690.000 Euro müsste der Landkreis je nach Förderquote voraussichtlich zwischen 138.000 und 345.000 Euro selbst tragen.

Technisch betritt der Landkreis mit dem Vorhaben kein Neuland. Automatische Fahrgastzählsysteme werden in zahlreichen Nahverkehrsnetzen verwendet. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat dafür Standards zu den Geräten, den Hintergrundsystemen und dem Datenaustausch entwickelt.

Auch innerhalb des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg stellen nach Angaben des Landratsamtes bereits kreisfreie Städte und einzelne Landkreise ihre Erhebungen um. Die Kreisverwaltung hält es daher für möglich, dass solche Systeme später allgemein verlangt werden. Eine entsprechende verbindliche Vorgabe des VGN gibt es bislang jedoch ebenso wenig wie einen bekannten Zeitplan.

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