Bioqualität oder kurze Wege: Bei der Verpflegung an Fürther Schulen können diese beiden Ziele miteinander in Konflikt geraten. Nach Kritik an den bisherigen Vorgaben zeichnet sich nun Bewegung ab. Die Stadt Fürth will ihre Anforderungen prüfen und nach der Sommerpause den Stadtrat mit dem Thema befassen. Auch der Obermichelbacher Caterer Bastian Bassalig berichtet von einem konstruktiven Gespräch mit der Verwaltung.
Bassalig hatte zuvor kritisiert, dass strenge Bioanforderungen im Einzelfall dazu führen könnten, Produkte aus weit entfernten Herkunftsländern einzusetzen, obwohl vergleichbare konventionelle Ware aus der Region verfügbar wäre. Besonders deutlich werde dieser Zielkonflikt, wenn die verlangte Bioqualität für bestimmte Lebensmittel regional nicht verfügbar sei und deshalb auf Ware mit deutlich längeren Transportwegen zurückgegriffen werden müsse.
Verbindliche Bioquote, Regionalität nur als Ziel
Die aktuelle Leistungsbeschreibung der Stadt enthält klare Vorgaben. Fleisch- und Wurstwaren sowie die dazugehörigen Komponenten müssen vollständig Bioqualität haben. Für die übrigen Speisekomponenten wird ein Bioanteil von 50 Prozent vorausgesetzt. Fisch muss aus ökologischer Aquakultur oder nachhaltigem Wildfang stammen. Zudem sollen saisonale Erzeugnisse eingesetzt und bestimmte Waren nach Fairtrade-Standards beschafft werden.
Regionalität und kurze Transportwege werden ebenfalls genannt. Der Auftragnehmer soll regionale und saisonale Produkte bevorzugen und die Transporte möglichst kurz halten. Anders als die Bioquote sind diese Anforderungen jedoch nicht verbindlich messbar ausgestaltet.
Die Stadt räumt auf Anfrage von Fürth Aktuell ein, dass deshalb grundsätzlich auch bio-zertifizierte Zutaten aus weit entfernten Herkunftsländern eingesetzt werden könnten, obwohl konventionelle Ware aus der Region erhältlich wäre. Als mögliches Beispiel nannte Fürth Aktuell in seiner Anfrage Bio-Ware aus China gegenüber Produkten aus dem nahe gelegenen Knoblauchsland. Eine konkrete Überprüfung solcher Fälle habe nach Angaben der Stadt bislang nicht stattgefunden.
Auf die Frage, ob ein solches Ergebnis den eigenen Nachhaltigkeitszielen entspreche, antwortete die Stadt mit einem klaren Nein. Bislang sei jedoch keine rechtssichere Lösung gefunden worden, mit der Regionalität bei einer öffentlichen Ausschreibung stärker berücksichtigt werden könne.
Vergaberecht setzt Grenzen
Nach Darstellung der Stadt kann die Länge eines Lieferwegs nicht ohne Weiteres als Bewertungskriterium verwendet werden. Dies könne zu einer Ungleichbehandlung der Anbieter führen. Zudem gebe es im Vergaberecht keine eindeutige Definition dafür, was als regional gelten dürfe.
Trotzdem soll das Thema neu bewertet werden. Oberbürgermeister Thomas Jung und Schulbürgermeister Markus Braun kündigten an, den Stadtrat nach der Sommerpause um eine erneute Befassung zu bitten. Die Kriterien seien vor einigen Jahren in bester Absicht beschlossen worden. Viele Fürther Familien würden vermutlich regionale Waren gegenüber Produkten aus weit entfernten Herkunftsländern bevorzugen, auch wenn Letztere Bioqualität hätten.
Es sei daher gut vorstellbar, dass regionale Produkte künftig einen höheren Stellenwert erhalten könnten. Auch eine Absenkung einzelner Anforderungen wird nach Angaben der Stadt geprüft. Dafür seien allerdings weitere Recherchen und möglicherweise eine rechtliche Beratung notwendig.
Gespräch mit dem Caterer
Inzwischen hat auch ein ausführlicher Austausch zwischen Bassalig und Vertreterinnen der Stadt stattgefunden. Nach Angaben des Caterers ging es dabei unter anderem um Produktbeschaffung, Gleichbehandlung, Bioanteile, Nachhaltigkeit und die Fristen für die Abbestellung von Mahlzeiten.
Auch die Beschaffung von Produkten aus dem «fernen Süden» und die Anforderungen rund um Fairtrade spielten nach Bassaligs Angaben bei dem Gespräch eine Rolle.
Die Stadt habe zugesichert, mögliche Änderungen mit dem Stadtrat und weiteren Gremien zu besprechen und die Ausschreibung neu zu gestalten, teilte Bassalig Fürth Aktuell mit. Er bewertet das Gespräch positiv.
«Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass dieser Termin dazu beigetragen hat, die Stadt zum Umdenken zu bewegen», erklärt der Caterer.
Nach dem Gespräch mit der Stadt sieht er nun die Chance, praktische Erfahrungen aus dem Küchenalltag in die künftige Gestaltung der Schulverpflegung einfließen zu lassen.
Die Debatte hat damit eine neue Richtung genommen. Statt eines offenen Konflikts zwischen Caterer und Verwaltung geht es nun um die Frage, wie die Fürther Schulverpflegung praxisnäher gestaltet werden kann, ohne ihre Qualitäts- und Nachhaltigkeitsziele aufzugeben.

