Wenige Stunden vor dem nächsten großen Aufeinandertreffen der Bewerber um das Bürgermeisteramt in Oberasbach hat sich der Ton im Wahlkampf deutlich verschärft. Während sich die sechs Kandidaten am kommenden Freitag, dem 30. Januar 2026, im Gemeindehaus von St. Markus in Altenberg zur Diskussion treffen wollen, sorgt ein offener Brief für Zündstoff. In einer gemeinsamen «Klarstellung» wenden sich vier der Bewerber direkt gegen Aussagen ihres Mitbewerbers Thomas Diebenbusch. Im Zentrum des Streits steht die prekäre Finanzlage der Stadt und die Frage, wer die politische Verantwortung dafür trägt.
Der Konflikt entzündete sich an Aussagen, die Thomas Diebenbusch, der von den Grünen und den Freien Wählern unterstützt wird, am 23. Januar bei einer Podiumsrunde des Bundes der Selbständigen (BDS) getätigt hatte. Dort nahm er die Stadtverwaltung, inklusive der amtierenden Bürgermeisterin und der Kämmerei, gegen Kritik in Schutz. Nach seiner Darstellung könne die Verwaltung nicht zum Sündenbock für die aktuelle Haushaltsmisere gemacht werden. Vielmehr seien auch Beschlüsse des Stadtrats ursächlich für die finanzielle Schieflage.
Diese Darstellung wollen die Mitbewerber so nicht stehen lassen. In einem ungewöhnlichen Schulterschluss haben Marco Haas (CSU), Stephan Zeilinger (Bi-Oberasbach), Harald Patzelt (SPD) und Marie Schöttner (Die Linke) eine gemeinsame Erklärung verfasst. Darin weisen sie Diebenbuschs Aussagen «scharf zurück». Es sei «sachlich nicht haltbar», die Haushaltslage einseitig als politische Entscheidung des Stadtrats darzustellen.
Der Kern des Streits ist komplex und betrifft die Systematik der Kommunalfinanzen. Im Jahr 2023 verzeichnete Oberasbach einmalig sehr hohe Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Aufgrund der gesetzlichen Berechnungsmechanismen führte dieser Geldsegen jedoch zeitversetzt dazu, dass die sogenannten Schlüsselzuweisungen – wichtige Finanzhilfen des Landes – im Jahr 2025 fast vollständig ausblieben.
Die vier Unterzeichner verweisen in ihrer Stellungnahme auf eine Passage aus dem städtischen Jahresbericht 2024. Dort ist festgehalten: «…, waren Mindereinnahmen bei den Schlüsselzuweisungen nicht zu erwarten, …». Diese Aussage, die sie Diebenbusch als Autor des Berichts zuordnen, habe sich im Nachhinein als «klare Fehleinschätzung» erwiesen. Zugleich betonen sie, dass die Wechselwirkung zwischen der einmaligen hohen Gewerbesteuereinnahme und den später deutlich sinkenden Schlüsselzuweisungen kein Gegenstand einer eigenständigen Beschlussfassung im Stadtrat gewesen sei, sondern sich aus gesetzlichen Berechnungsmechanismen ergeben habe.
Den Unterzeichnern gehe es nach eigener Aussage nicht um persönliche Schuldzuweisungen, sondern um eine «ehrliche, korrekte, vollständige und faktenbasierte Wiedergabe des Sachverhalts». Wer ein öffentliches Amt anstrebe, müsse komplexe finanzielle Zusammenhänge differenziert darstellen, heißt es in dem offenen Brief.
Mit dieser Frontstellung von vier gegen einen dürfte die Spannung für die kommende Diskussionsrunde am Freitag (Beginn 19 Uhr) in Altenberg gesetzt sein. Es bleibt abzuwarten, wie Thomas Diebenbusch auf die geballte Kritik reagieren wird und ob die Debatte über die Stadtfinanzen den Wahlkampfendspurt weiter dominieren wird.
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