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Ehrenamt mit 430 Stunden im Jahr: So arbeitet die Rettungshundestaffel der Feuerwehr Zirndorf

18. Februar 2026 , ,
Verena mit Labradorhündin Buffy. Foto: PrivatVerena mit Labradorhündin Buffy. Foto: Privat

Von Roland Beck

Ein Gang führt in den nächsten, Räume verzweigen sich, kleine Öffnungen verbinden Gewölbe, in denen es kühl, feucht und nahezu dunkel ist. Wer sich hier orientieren will, braucht System. Wer hier sucht, braucht Vertrauen.

Für die Rettungshundestaffel der Freiwilligen Feuerwehr Zirndorf und der Feuerwehr Schwarzhofen (Oberpfalz) war genau dieses Umfeld vor wenigen Tagen ein ganz besonderes Trainingsgelände. In den historischen Felsenkellern von Schwandorf trainierten beide Teams für den Ernstfall. Eingeladen hatte die Rettungshundestaffel der Feuerwehr Schwarzhofen zu einem Gemeinschaftstraining. Für die Zirndorfer war es bereits der zweite Besuch.

Solche gemeinsamen Trainingseinheiten mit anderen Staffeln gehören bewusst zum Ausbildungskonzept. Fremde Versteckpersonen, andere Geländeformen und der fachliche Blick von außen seien, so Staffelleitung Monika Mitteis, wichtige Bausteine in der Ausbildung der Hunde und ihrer Hundeführer.

Der Rhodesian Ridgeback Niro von Hundeführer Dominik. Foto: Privat

Die Felsenkeller boten Bedingungen, die mit dem üblichen Einsatzgebiet im Wald wenig gemein haben. Die Dunkelheit und die engen Räume, wie Mitteis es im Gespräch mit “Fürth Aktuell” beschreibt, forderten die Teams besonders. Geruchspartikel können hier durch kleine Öffnungen von einem Raum in den nächsten ziehen. Ein Hund kann daher in einem Raum anzeigen, obwohl sich die versteckte Person im Nebenraum befindet. Solche Situationen zu erkennen und richtig zu deuten, sei ein zentrales Lernziel solcher Trainings, vor allem für die Ausbildung zum Trümmersuchhund. Hinzu komme die Orientierung. Das weit verzweigte System aus Gängen und Räumen verlange von den Hundeführern ein systematisches Vorgehen. Es müsse jederzeit klar sein, welche Bereiche bereits abgesucht wurden und wo noch Lücken bestehen.

Beim Training waren sowohl Flächen-/Trümmersuchhunde als auch Mantrailer im Einsatz. Mantrailer, oder auch Personenspürhunde genannt, arbeiten an der langen Leine und verfolgen gezielt die Spur einer bestimmten vermissten Person anhand eines individuellen Geruchsträgers. Sie kommen vorrangig im städtischen Bereich zum Einsatz. Flächensuchhunde hingegen arbeiten frei. Sie suchen nicht nach einer bestimmten Person, sondern nach menschlicher Witterung in einem dem Such-Team zugewiesenen Gebiet, typischerweise im Wald. Ein ausgebildeter Flächensuchhund könne, so Mitteis, mit der richtigen Witterung und Einsatztaktik rund 100.000 Quadratmeter Waldfläche in weniger als einer Stunde absuchen.

Die Arbeit bleibt nicht auf Übungen beschränkt. Im Durchschnitt rückt die Zirndorfer Rettungshundestaffel zu rund 35 Einsätzen pro Jahr aus, etwa 90 Prozent davon nachts. Allein zu Jahresbeginn 2026 gab es bereits mehrere Flächensuchen, unter anderem nach einem vermissten Mann im Raum Cadolzburg sowie nach einem autistischen Jungen. Das Einsatzgebiet reiche in der Regel rund 30 bis 50 Kilometer um Zirndorf, in besonderen Lagen auch deutlich darüber hinaus.

Rund 430 Stunden pro Jahr investieren die Hundeführer in Ausbildung und Training. Zweimal wöchentlich wird trainiert, dazu kommen Theorieeinheiten und Sondertrainings in fremden Geländen oder mit anderen Staffeln. Ein einzelner Einsatz bedeute mit Anfahrt, Suche und Rückkehr schnell drei bis vier Stunden Zeitaufwand.

Die Rettungshundestaffel ist eine Facheinheit der Feuerwehr Zirndorf und arbeitet ehrenamtlich. Bei Bedarf, etwa bei Großschadenslagen, rücken die Mitglieder der Hundestaffel auch gemeinsam mit der Feuerwehr aus. Unterstützt wird die Staffel in allen Bereichen, in denen auch die Feuerwehr-Kameraden ausgestattet werden. Dazu gehört unter anderem die PSA (persönliche Schutzausrüstung). Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel der Stadt wird vieles aus eigener Tasche gezahlt. Spenden sind daher willkommen, etwa für diverses Trainings- und Einsatzzubehör usw.

Bis ein Hund einsatzfähig ist, vergehen in der Regel zweieinhalb bis drei Jahre. Voraussetzung sind eine VDH-zertifizierte Begleithundeprüfung, umfangreiche Gerätearbeit und die stufenweise Rettungshundeprüfung. Am Ende steht die Prüfung zur Einsatzfähigkeit, bei der der Hund innerhalb einer vorgegebenen Zeit ein großes Waldgebiet absuchen und alle versteckten Personen finden muss. Auch die Hundeführer durchlaufen Ausbildungen, darunter unter anderem die modulare Truppmannausbildung der Feuerwehr, Erste-Hilfe-Kurse, sowohl für die Anwendung am Menschen als auch am Hund, sowie Schulungen in Funk, Orientierung und Einsatztaktik.

Obwohl nicht jedes Such-Team in seiner Amtszeit tatsächlich einen eigenen Fund verbuchen kann, sei jeder eingesetzte Hund eine zusätzliche Chance, ein weiteres Gebiet schneller auszuschließen oder einen vermissten Menschen rechtzeitig zu entdecken. Entscheidend sei die Teamleistung aller Beteiligten.

Wer sich für die Rettungshunde-Arbeit interessiert, kann über die Feuerwehr Zirndorf Kontakt aufnehmen oder auch einmal als Versteckperson an Trainings teilnehmen: https://feuerwehr-zirndorf.de/kontakt/