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Juraleitung bei Raitersaich: Naturschützer warnen vor massivem Waldverlust – Umweltkartierungen starten

12. Februar 2026 , ,
Eine Stromtrasse im Landkreis Fürth. Symbolbild: Roland BeckEine Stromtrasse im Landkreis Fürth. Symbolbild: Roland Beck

Der Bund Naturschutz (BN) hat seine Kritik an der geplanten Juraleitung P53 verschärft, die auch durch den Landkreis Fürth verlaufen soll, und fordert eine Aussetzung des Verfahrens. Während der Verband die Notwendigkeit der Stromtrasse aufgrund neuer Netzdaten grundsätzlich anzweifelt, stoßen vor allem die lokalen Pläne im Landkreis Fürth auf massiven Widerstand. Im Fokus steht eine geplante Waldschneise bei Raitersaich, die nach Einschätzung des BN gegenüber „Fürth Aktuell“ durch eine technische Überspannung zumindest deutlich reduziert werden könnte.

Die Kritik der Naturschützer ist grundsätzlich: Der BN fordert eine Neubewertung des gesamten Planfeststellungsverfahrens. Als Begründung führt der Verband den Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2025 an, in dem das Großprojekt „Westbayernring“ nicht mehr enthalten ist, da es wirtschaftlich nicht mehr nachweisbar sei. Diese Entwicklung stelle auch die Grundlage für die Juraleitung in Frage, weshalb ein Moratorium gefordert wird, bis die Bedarfsfrage auf Bundesebene geklärt ist.

Konkret wird die Kritik im Landkreis Fürth im Teilabschnitt Raitersaich-West. Hier plant der Netzbetreiber TenneT im Bereich der Masten 1 bis 3 eine Waldschneise. Da parallel eine weitere Trasse zur Einführung in das geplante Umspannwerk vorbereitet wird, befürchtet der BN eine „doppelte Trassenbreite“ und damit einen erheblichen Verlust an Waldfläche.

Der BN wirft dem Vorhabenträger vor, Vorgaben des Landesentwicklungsplans zur Schonung der Ressource Wald nicht ausreichend zu berücksichtigen. Obwohl eine schonende Überspannung des Waldes als grundsätzlich technisch machbar gilt und in anderen Abschnitten der Juraleitung auch angewendet werden soll, wird diese Variante im Bereich der Masten 1 bis 3 im Landkreis Fürth in den ausgelegten Unterlagen nicht als gleichwertige Alternative geprüft. Stattdessen werde dort ausschließlich die Rodungsvariante ausführlich erläutert.

Besonders irritiert zeigt sich der BN über die Begründung des Netzbetreibers. In den Unterlagen werde die Waldschneise als „ökologisch verträglichere Lösung“ gegenüber der Überspannung dargestellt. Diese Argumentation weisen die Naturschützer zurück. Eine rund 120 Meter breite Schneise würde die angrenzenden Waldbestände durch Sonneneinstrahlung, Wind und Schädlingsbefall massiv schädigen und bis zum totalen Waldverlust führen. Zudem verweist der Verband auf das Lokalklima: Die Zerschneidung der Wälder verschlechtere den sogenannten „Grün-Feucht-Kühl-Index“, was angesichts des Klimawandels nicht zu rechtfertigen sei.

Der BN verweist auf Anfrage von „Fürth Aktuell“ auch auf eine Petition zum Walderhalt durch Überspannung, die der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen hat. Zudem hätten sich alle betroffenen Gemeinden in den Landkreisen Fürth und Ansbach in ihren Gremien für den Erhalt des Waldes ausgesprochen.

Konflikte wie dieser entstehen aus Sicht des BN auch deshalb, weil in Bayern ein übergeordneter Masterplan für die Energiewende fehlt, der Leitungsbau, dezentrale Erzeugung und Speicherausbau zusammendenkt. „Hinzu kommt, dass Großprojekte wie die Juraleitung in viele einzelne Planfeststellungsverfahren aufgeteilt werden, was es für Bürger, Kommunen und Verbände extrem erschwert, die Gesamtbilanz des Eingriffs zu bewerten“, so der BN.

Unterdessen hat der Markt Roßtal auf eine bevorstehende Maßnahmen des Netzbetreibers hingewiesen. TenneT plant im Zuge des Ersatz- und Parallelneubaus der 380-kV-Leitung von Raitersaich nach Sittling ab März 2026 neue Umweltkartierungen. Bis voraussichtlich November sollen Daten zu Natur- und Artenschutz erhoben werden, um eine fundierte Grundlage für die weitere Planung zu schaffen.

Untersucht werden den Angaben nach unter anderem Vorkommen von Brutvögeln, Haselmäusen und Fledermäusen. Die Begehungen erfolgen laut Ankündigung zu Fuß und teilweise auch nachts. Maschinen kommen dabei nicht zum Einsatz.