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U-Bahn nach Stein: Bürgermeister Krömer widerspricht Nürnbergs OB König

26. Februar 2026 , , , ,
U-Bahn-Verlängerung bis Stein: CSU-Kandidat Bertram Höfer und Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König werben im Wahlkampf für Park-and-Ride und einen neuen Halt – Amtsinhaber Kurt Krömer hält mit Zahlen aus einem Verkehrsgutachten dagegen. (Foto: Symbolbild)U-Bahn-Verlängerung bis Stein: CSU-Kandidat Bertram Höfer und Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König werben im Wahlkampf für Park-and-Ride und einen neuen Halt – Amtsinhaber Kurt Krömer hält mit Zahlen aus einem Verkehrsgutachten dagegen. (Foto: Symbolbild)

Der Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in der Stadt Stein erreicht eine neue inhaltliche Ebene. Im Zentrum der Debatte steht ein verkehrspolitisches Großprojekt, das seit Jahren in der Region diskutiert wird: die mögliche Verlängerung der Nürnberger U-Bahn bis nach Stein. Auslöser ist ein gemeinsames Wahlkampfvideo des Nürnberger Oberbürgermeisters Marcus König (CSU) und des Steiner CSU-Bürgermeisterkandidaten Bertram Höfer. In einem daraufhin veröffentlichten Antwortvideo kritisiert Steins amtierender Erster Bürgermeister Kurt Krömer die darin getroffenen Aussagen scharf und verweist auf detaillierte Zahlen, die gegen eine zeitnahe Realisierung des Projekts sprechen.

In dem Video, das den Diskurs auslöste, unterhalten sich König und Höfer über die stark angespannte Verkehrssituation in Stein. Höfer spricht von täglich etwa 35.000 Fahrzeugen, die sich auf der Bundesstraße durch die Stadt bewegen, was laut König «keine Neuigkeit» sei. Als Lösungsansatz bringen beide Politiker den Ausbau des U-Bahn-Netzes ins Spiel.

König bestätigt in dem Gespräch, dass prinzipiell zwei Richtungen geplant würden: nach Eibach beziehungsweise Röthenbach sowie nach Stein. Konkret schlägt König vor, auf Steiner Gebiet nahe dem Gartencenter Dauchenbeck eine Park-and-Ride-Anlage samt U-Bahn-Halt in der Nähe zu errichten. «Also ich bin ein großer Fan von Eurem Dauchenbeck», sagt König in dem Clip.

Höfer unterstützt diese Idee ausdrücklich. Autofahrer könnten dort ihr Fahrzeug abstellen und in die U-Bahn umsteigen, anstatt im täglichen Stau zu stehen. Beide Politiker betonen zudem, dass die finanziellen Lasten eines solchen Projekts nicht von der Stadt Stein allein getragen werden könnten. Vielmehr müssten der Landkreis Fürth, die Stadt Nürnberg, der Freistaat Bayern und der Bund in die Finanzierung eingebunden werden.

Darauf reagierte nun der amtierende Steiner Bürgermeister Kurt Krömer prompt mit einer eigenen Videobotschaft. Er wolle nach eigenen Worten nun einmal «die Fakten sprechen lassen». Krömer zeigt sich verwundert über die Aussagen seines Herausforderers und des Nürnberger Oberbürgermeisters. Er verweist auf ein von der Stadt Nürnberg, dem Landkreis Fürth und der Stadt Stein gemeinsam beauftragtes Verkehrsgutachten. Ein renommiertes Planungsbüro habe darin verschiedene Szenarien zur Verkehrsentlastung detailliert untersucht, darunter auch die U-Bahn-Verlängerung von Röthenbach bis zum Palm Beach in Stein.

Das Ergebnis dieses Gutachtens fällt laut Krömer ernüchternd aus. Für die Strecken von Röthenbach bis Stein sowie von der Hohen Marter nach Eibach seien Investitionskosten von insgesamt 397 Millionen Euro im Jahr 2020 errechnet worden. Allein der Abschnitt nach Stein würde demnach 186 Millionen Euro kosten. Da die Baupreise in den vergangenen sechs Jahren stark gestiegen seien, dürften diese Summen mittlerweile deutlich höher liegen.

Ein entscheidender Faktor für die Umsetzung solcher Infrastrukturprojekte ist der sogenannte Nutzen-Kosten-Indikator. Dieser Wert muss größer als eins sein, damit ein Projekt staatliche Fördergelder erhalten kann. Laut Krömer liegt dieser Indikator für die U-Bahn-Verlängerung nach Stein jedoch lediglich bei 0,89. Alle beteiligten Behörden und Verkehrsgesellschaften kämen daher übereinstimmend zu dem Schluss, dass das Vorhaben aktuell nicht förderfähig sei. Ohne finanzielle Unterstützung von Bund und Land sei das Projekt jedoch nicht zu stemmen.

Krömer kritisiert zudem, dass in dem Video von Höfer und König keine Angaben zur konkreten Finanzierung gemacht worden seien. Allein der Landkreis Fürth müsste, so der Rathauschef, für den Steiner Streckenabschnitt 30 Millionen Euro an Investitionskosten aufbringen. Diese Summe müsse dann auch wieder über die Kreisumlage von allen Landkreis-Kommunen bezahlt werden. Hinzu kämen jährlich anfallende Betriebs- und Rückstellungskosten. Diese würden laut Krömer zunächst bei 1,7 Millionen Euro liegen, nach fünf Jahren auf 3,8 Millionen Euro anwachsen und langfristig auf über 5,7 Millionen Euro pro Jahr steigen – so die bisherigen Berechnungen.

Abschließend betont Krömer, dass der gesamte Steiner Stadtrat eine U-Bahn-Anbindung zwar weiterhin als das Verkehrsmittel der Zukunft betrachte und das Ziel verfolge. Er mahnt jedoch eine realistische Betrachtung an: «Auch beim Kommunalwahlkampf sollten wir doch ehrlich bleiben», sagt er in dem Video, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.