Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den frostigen Boden aufwärmen, beginnt im Verborgenen ein Wettlauf gegen die Zeit. Jungköniginnen erwachen aus ihrer langen Winterruhe in Erdlöchern oder unter Laubschichten. Ihr Ziel ist es, schnellstmöglich Nektar und Pollen zu finden. Genau in dieser kritischen Phase des Frühlings startet ein Projekt, das die Menschen in Fürth dazu aufruft, genauer hinzusehen. Bei der bundesweiten Hummel-Challenge sollen die pelzigen Bestäuber mit der Kamera eingefangen werden.
Von Ende März bis Anfang April verwandeln sich Bürger somit in Naturforscher. Der BUND Naturschutz in Bayern hat sich mit dem Thünen-Institut zusammengetan, um ein möglichst genaues Bild der rund 40 heimischen Hummelarten zu erhalten. Wer ein Insekt entdeckt, kann dieses über spezielle Smartphone-Anwendungen fotografieren und melden. Das Besondere an diesem System ist die einfache Handhabung. Eine künstliche Intelligenz (KI) wertet die Bilder aus und bestimmt die Art, bevor Experten die Funde nochmals kontrollieren. Die Daten fließen direkt in wissenschaftliche Datenbanken und ermöglichen es, bedrohte Populationen frühzeitig zu erkennen. Wie wertvoll solche Hinweise aus der Bevölkerung sind, zeigte sich unlängst, als auf diese Weise Erstnachweise seltener Arten wie der Tonerdhummel in Süddeutschland gelangen.
Für die Hummelköniginnen geht es in diesen Wochen um das nackte Überleben. Reinhard Scheuerlein, der sich in der BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt engagiert, macht deutlich, wie wichtig die erste Nahrung im Jahr ist. Ohne ausreichende Vorräte sei die Gründung eines neuen Volkes schlichtweg ausgeschlossen. Erst wenn der größte Hunger gestillt ist, begeben sich die Tiere auf die Suche nach einem Nistplatz. Verlassene Mäusehöhlen oder dichte Grasbüschel stehen dabei hoch im Kurs. „Ob eine Königin jetzt erfolgreich ist, entscheidet darüber, ob im Sommer ein ganzes Hummelvolk entsteht“, fasst Scheuerlein die Dramatik des Frühlingsbeginns zusammen.
Den Tisch für die hungrigen Königinnen decken vor allem früh blühende Pflanzen. Die Salweide ist dabei ein echter Magnet. Ihre Kätzchen liefern nicht nur Nektar, sondern auch den für die Brut unverzichtbaren eiweißreichen Pollen. Auch Taubnesseln, Krokusse oder Märzenbecher ziehen die Insekten magisch an. Wer solche Pflanzen in der Nähe hat, bringt ideale Voraussetzungen für gelungene Tieraufnahmen mit. Für den Naturschützer Scheuerlein sind blühende Weiden im Frühling so etwas wie ein „lebenswichtiges Frühstücksbuffet“ für die Insekten. Wer diese Pflanzen im Garten stehen lasse, so lautet sein Appell, helfe direkt einem zukünftigen Insektenvolk.
Die Aktion bietet neben dem ernsthaften Nutzen für die Wissenschaft auch einen spielerischen Aspekt. Ein Online-Quiz des Naturschutzbundes lockt mit Gewinnen rund um das Thema Bestäuber. Wer in den ersten Frühlingswochen keine Zeit für Beobachtungen findet, bekommt im Hochsommer eine neue Chance. Eine weitere Zählrunde ist bereits fest für die Zeitspanne vom 20. Juni bis zum 3. Juli 2026 eingeplant.
13.6°C | Klarer Himmel 

