Für den Karpfen war dieser Sommer eine Herausforderung. Erst sorgten die Regenfälle im Frühjahr für gut gefüllte Teiche, dann kamen Hitze und Trockenheit. In manchen Weihern sank das Wasser so stark, dass die Fische vorzeitig herausgeholt werden mussten. Trotzdem fällt die Bilanz im Landkreis Fürth überraschend positiv aus. «Insgesamt war es bisher ein gutes Karpfenjahr», sagt Michael Maderer, Vorsitzender der Teichgenossenschaft im Landkreis Fürth.
Besonders schwierig war die Lage in sogenannten Himmelsweihern. Diese Teiche verfügen nicht über einen stetigen Zulauf und sind stark auf Regen angewiesen. Während des heißen Sommers sei dort zum Teil so wenig Wasser geblieben, dass Notabfischungen notwendig wurden, berichtet Maderer gegenüber Fürth Aktuell.
Die Wärme hatte aber auch eine andere Seite. Flache Wasserbereiche erwärmten sich schnell. Das habe den Fischen beim Laichen geholfen. Der Karpfennachwuchs entwickelte sich nach Maderers Einschätzung in diesem Jahr entsprechend gut.
Noch wird im Landkreis Fürth an vielen Stellen traditionelle Teichwirtschaft betrieben. Rund 80 Mitglieder gehören derzeit der Teichgenossenschaft an. Gemeinsam bewirtschaften sie nach Angaben ihres Vorsitzenden etwa 250 Teiche.
Ihre Arbeit wird allerdings schwieriger. Wasserstände und hohe Temperaturen seien momentan die größten Belastungen. Etwas entspannt habe sich dagegen die Situation bei den Fressfeinden. Besonders beim Fischotter unterscheidet sich Mittelfranken bislang von anderen bayerischen Regionen. «Wir haben aber in Mittelfranken das große Glück, dass der Fischotter sich noch nicht ausgebreitet hat», sagt Maderer.
Wie groß die Schäden durch den Fischotter andernorts inzwischen sein können, zeigen Zahlen des Bayerischen Obersten Rechnungshofs. Bayern zahlte 2024 rund 2,3 Millionen Euro zum Ausgleich von Fischotterschäden. Seit 2019 haben sich diese Ausgaben etwa verdreifacht.
Die Bedeutung der Region für die Karpfenzucht ist weiterhin enorm. Von den 1672 Tonnen Karpfen, die 2025 in Bayern erzeugt wurden, kamen 821 Tonnen aus Mittelfranken. Damit stammt fast jeder zweite bayerische Speisekarpfen aus dem Regierungsbezirk.
Doch die Zahlen zeigen auch eine Entwicklung, die Maderer aus dem Landkreis Fürth kennt. Die bayerische Karpfenproduktion ging innerhalb eines Jahres um 2,5 Prozent zurück. Gegenüber 2015 beträgt das Minus sogar 12,9 Prozent.
Im Landkreis Fürth geht es dabei längst nicht allein um die Menge der Fische. Das größere Problem sind die Menschen, die sich um die Teiche kümmern. «Die Zahl der Teichwirte und somit auch die Produktion gehen stark zurück», sagt Maderer. Auch in seiner Genossenschaft gebe es immer weniger aktive Teichwirte, während das Durchschnittsalter steige.
Viele Kinder von Teichwirten wollten die Arbeit ihrer Eltern nicht mehr übernehmen. Die zahlreichen Schwierigkeiten machten die Teichwirtschaft für die nächste Generation wenig attraktiv, schildert Maderer. Für ihn steht deshalb fest, dass die bestehenden Betriebe Unterstützung brauchen.
Zumindest beim Verkauf der Fische gibt es in diesem Jahr eine gute Nachricht. Die Preise der Erzeuger seien stabil geblieben. Einen unveränderten Preis auf der Speisekarte bedeutet das allerdings nicht.
Gaststätten müssten mehr für Personal und Energie ausgeben. Diese Kosten spiegelten sich auch beim Karpfen wider, erklärt Maderer. Trotz höherer Preise sei der Start in die Saison gelungen. Der September sei für die mittelfränkische Gastronomie ein guter Monat gewesen.
Traditionell wird Karpfen in Franken von September bis April gegessen. Für die aktuelle Saison sind die Voraussetzungen nach dem schwierigen Sommer damit besser als zeitweise erwartet. Die langfristige Frage ist jedoch eine andere: Nicht ob genügend Karpfen in den Weihern schwimmen, sondern ob sich auch künftig noch genügend Menschen finden, die diese Weiher bewirtschaften.

