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Wie das Museum Zirndorf mit Blechspielzeug Erinnerungen bei Menschen mit Demenz weckt

21. Oktober 2026, 13:54 Uhr ,
Historisches Blechspielzeug als Erinnerungshilfe: Mit dem «Museum im Koffer» besucht das Städtische Museum Zirndorf ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen und bringt ihnen ein Stück ihrer Kindheit zurück. Foto: Städtisches Museum Zirndorf

Ein Kreisel dreht sich, ein Blechspielzeug beginnt zu rattern, aus einer kleinen Spieldose erklingt eine vertraute Melodie. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Blick in die Spielzeuggeschichte wirkt, kann bei älteren Menschen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wachrufen. Das Städtische Museum Zirndorf bringt deshalb historische Spielsachen direkt in Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Das Angebot trägt den Namen «Museum im Koffer» und richtet sich insbesondere an Menschen mit Demenz.

Die Idee dahinter ist einfach: Wenn ältere Menschen nicht mehr ins Museum kommen können, kommt das Museum zu ihnen. Museumsmitarbeiterin Petra Barnasch besucht Einrichtungen mit einem historischen Lederkoffer, der allerlei Überraschungen bereithält. Darin befinden sich Spielzeuge aus Blech, für deren Herstellung Zirndorf einst weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war.

Drei unterschiedliche Programme stehen zur Auswahl. Unter dem Motto «Hier dreht sich was!» geht es um Kreisel in verschiedenen Formen und Farben. «Alles in Bewegung!» beschäftigt sich mit mechanischen Aufziehspielzeugen. Bei «Kleine Dosen, große Überraschung!» stehen Spar-, Dreh- und Musikspieldosen im Mittelpunkt. Die Teilnehmer dürfen ausgewählte Stücke selbst ausprobieren.

Foto: Städtisches Museum Zirndorf

Gerade für Menschen mit Demenz können solche Gegenstände eine besondere Bedeutung haben. Während neuere Erinnerungen im Verlauf der Erkrankung zunehmend verloren gehen können, bleiben Erlebnisse aus der Kindheit mitunter länger zugänglich. Vertraute Geräusche, Melodien und Bewegungen können daran anknüpfen. Wie Museumsleiterin Christine Lorber berichtet, entstehen bei den Besuchen immer wieder Gespräche über frühere Erlebnisse.

Besonders eindrucksvoll seien die Reaktionen auf Musikspielzeuge. Sobald bekannte Melodien erklingen, beginnen Teilnehmer häufig spontan zu singen. Dabei kommt es auch zu ungewöhnlichen Situationen: Spielt ein alter Liederkreisel das Weihnachtslied «Stille Nacht», würden selbst im Hochsommer begeistert alle Strophen mitgesungen.

Auch Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz konnten nach Beobachtungen des Museumsteams erreicht werden. Lorber schildert Fälle, in denen Teilnehmer, die gewöhnlich einen starken Bewegungsdrang zeigten und häufig aufstanden, während des Besuchs ruhig sitzen blieben und das Geschehen aufmerksam verfolgten. Solche Erfahrungen seien für die Mitarbeiter besonders beeindruckend gewesen. Der bislang älteste Teilnehmer war 102 Jahre alt.

Entwickelt wurde das Angebot gemeinschaftlich vom Museumsteam. Anlass war unter anderem die Erfahrung, dass sich manche Menschen mit Demenz in der ungewohnten Museumsumgebung unwohl fühlten und den Besuch möglichst schnell beenden wollten. Mit dem mobilen Konzept können die historischen Gegenstände stattdessen in einer vertrauten Umgebung erlebt werden. Bereits seit mehreren Jahren ist das Museum mit diesem Angebot in Senioreneinrichtungen unterwegs.

Das «Museum im Koffer» richtet sich an Senioren- und Pflegeheime, Tagespflegeeinrichtungen sowie betreute Wohngruppen. Grundsätzlich können Einrichtungen aus dem gesamten Landkreis Fürth einen Besuch vereinbaren. Da die Termine von einer einzelnen Museumsmitarbeiterin übernommen werden, sind die Kapazitäten allerdings begrenzt.

Ein Besuch dauert ungefähr eine Stunde und kostet 60 Euro. Interessierte Einrichtungen können sich direkt an das Städtische Museum Zirndorf unter der Telefonnummer 0911 9606059-0 oder per E-Mail an museum@zirndorf.de wenden.

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