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Hitze und Trockenheit: So hilft man Fürths Wildtieren richtig

7. August 2026, 11:41 Uhr ,
Während viele Flächen ausgetrocknet sind (links), versuchen Jäger, Wasserstellen in den Revieren zu erhalten. Das rechte Bild zeigt eine mit Wasser versorgte Suhle für Schwarzwild. Fotos: PrivatWährend viele Flächen ausgetrocknet sind (links), versuchen Jäger, Wasserstellen in den Revieren zu erhalten. Das rechte Bild zeigt eine mit Wasser versorgte Suhle für Schwarzwild. Fotos: Privat

Kleine Tümpel sind verschwunden, Entwässerungsgräben ausgetrocknet und auf vielen landwirtschaftlichen Flächen fehlt saftiges Grün. Für Wildtiere in Stadt und Landkreis Fürth wird die anhaltende Trockenheit zunehmend zum Problem. Rehe legen auf der Suche nach Wasser und frischer Nahrung weitere Strecken zurück und müssen dabei mitunter Straßen queren. Gleichzeitig melden Wildtierhelfer zahlreiche Fälle geschwächter Tiere. Doch wer helfen möchte, sollte einige Regeln beachten.

Normalerweise müssen Rehe und Hasen nicht ständig eine Wasserstelle aufsuchen. Einen erheblichen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs können sie über wasserreiche Pflanzen und den Tau in der Nacht decken. Genau das wird derzeit schwieriger.

„Faktisch ist jetzt eine größere Notzeit als im Winter“, sagt Erich Reichert, Vorsitzender der Jägerschaft Fürth Stadt und Land gegenüber Fürth Aktuell. Zwar führen Bäche und die meisten Teiche nach seinen Angaben noch Wasser. Anders sehe es bei kleineren Wasserstellen aus. Tümpel sowie Entwässerungsgräben in Wiesen und Wäldern seien vielerorts ausgetrocknet.

Hinzu komme die fehlende grüne und saftige Vegetation auf landwirtschaftlichen Flächen. Damit verschwindet für Rehe und Hasen zugleich eine wichtige Wasserquelle.

Rehe müssen weitere Wege zurücklegen

Wie angespannt die Situation ist, unterscheidet sich Reichert zufolge von Revier zu Revier. Manche Gebiete verfügen über ausreichend Bachläufe und Weiher, andere kaum über natürliche Wasserstellen. Wo diese fehlen, müssen die Tiere mobiler werden.

Das kann Folgen haben. Rehe seien auf der Suche nach Wasser häufiger unterwegs und müssten dabei teilweise Straßen überqueren. Reichert berichtet, dies in seinem eigenen Revier während der vergangenen vier Wochen bereits bei Wildunfällen erlebt zu haben.

Die Jägerschaft versucht deshalb, vorhandene Wasserstellen in den Revieren zu unterhalten. Reichert macht allerdings deutlich, dass dies nur begrenzt möglich sei und die grundsätzliche Situation nicht nachhaltig lösen könne.

Auch in die Nähe von Häusern können Wildtiere kommen, wenn sie dort noch das finden, was ihnen draußen fehlt. Entscheidend sei dabei nicht allein Wasser. Tiere tauchten vor allem dort auf, wo sie frische grüne Nahrung finden.

Bis zu 30 Hilferufe am Tag

Die Folgen der trockenen und heißen Witterung machen sich auch bei der Wildtierhilfe Mittelfranken bemerkbar. Nach Angaben von Carmen Frisch erreichen die Helfer derzeit zwischen 15 und 30 Anrufe täglich. Etwa ein Viertel davon stehe momentan im Zusammenhang mit dem trockenen und heißen Wetter.

Besonders betroffen seien derzeit Fledermäuse, Bilche wie Siebenschläfer, Singvögel und Raubwild, beispielsweise Marder und Mauswiesel.

Nicht jedes Tier, das sich ungewöhnlich ruhig verhält, ist allerdings automatisch in Not. Ein ruhendes gesundes Wildtier werde bei einer Störung in der Regel reagieren und flüchten, erklärt Frisch. Alarmzeichen seien dagegen lethargisches Verhalten, deutlich verzögerte oder ganz ausbleibende Reaktionen sowie eine Seitenlage.

Gerade bei vermeintlich hilflosen Jungtieren kommt es nach Erfahrung der Wildtierhilfe immer wieder zu Missverständnissen.

Junge Feldhasen werden beispielsweise allein und regungslos in einer Wiese gefunden. Das ist jedoch nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass sie verlassen oder verletzt sind. Die Tiere sind gut getarnt und warten auf das Muttertier. Ähnlich ist es bei sogenannten Ästlingen: Junge Vögel verlassen das Nest, obwohl sie noch nicht richtig fliegen können. Auch sie werden weiterhin von ihren Eltern versorgt.

Die Wildtierhilfe rät deshalb dazu, nicht vorschnell einzugreifen. Bei einem auffälligen Tier könne zunächst ein Foto zusammen mit einer Beschreibung der Situation an eine Wildtierhilfe geschickt werden. Bei jagdbarem Wild wie einem verletzten Reh sollten der zuständige Jäger oder die Polizei verständigt werden. Solche Tiere sollten keinesfalls eigenmächtig mitgenommen werden.

Wasserschalen können tatsächlich helfen

Während große Wildtiere nicht gezielt in Wohngebiete gelockt werden sollten, können Wasserschalen im eigenen Garten für viele kleinere Arten eine wichtige Unterstützung sein.

„Gerade in dicht bebauten Siedlungsräumen können flache Wasserschalen derzeit eine wichtige Hilfe für Vögel, Igel, Eichhörnchen und Insekten sein“, erklärt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.

Denn Trockenheit wirkt sich auf die Tiere auf unterschiedliche Weise aus. Vögel brauchen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Pflege ihres Gefieders. Eichhörnchen benötigen Trinkwasser. Bei Igeln kommt ein weiteres Problem hinzu: Wird der Boden trocken und hart, sind Regenwürmer und andere Bodenlebewesen schwerer erreichbar. Damit schrumpft zugleich das Nahrungsangebot.

Auch Insekten leiden unter ausgetrockneten Böden sowie einem geringeren Angebot an Nektar- und Pollenpflanzen.

Schon ein Blumentopf-Untersetzer reicht

Eine geeignete Tränke muss dabei weder groß noch teuer sein. Nach Angaben des LBV kann bereits ein Blumentopf-Untersetzer mit frischem Wasser helfen.

Für Vögel eignen sich flache Schalen mit sanft abfallendem Rand. Das Wasser sollte nur wenige Zentimeter tief sein. Für Insekten muss der Zugang noch flacher sein. Steine, Kiesel, Äste oder Holzstücke, die aus dem Wasser herausragen, dienen ihnen als Landeplatz und Ausstiegshilfe.

Solche Hilfen sind wichtig. Selbst in flachen Schalen können Insekten ertrinken. Auch Kleinsäuger können Probleme bekommen, wenn ein Gefäß steile und glatte Wände besitzt und sie nicht mehr herauskommen.

Mindestens ebenso wichtig wie die Bauart der Tränke ist die Hygiene.

Das Wasser sollte täglich gewechselt werden, bei großer Hitze gegebenenfalls noch häufiger. Die Gefäße müssen regelmäßig gereinigt und ausgebürstet werden. Der LBV empfiehlt, dabei möglichst auf Reinigungsmittel zu verzichten.

Auch die Wildtierhilfe warnt vor verschmutztem Wasser. Wo viele Tiere dieselbe Wasserstelle nutzen, können sich Krankheitserreger verbreiten.

Der Standort entscheidet

Für eine Tränke empfiehlt der LBV einen ruhigen, möglichst halbschattigen Platz. Vögel sollten ihre Umgebung überblicken können, um Katzen und andere Fressfeinde frühzeitig zu bemerken. Versteckmöglichkeiten für Katzen sollten deshalb nicht unmittelbar neben der Schale liegen. Büsche oder Bäume in etwas größerer Entfernung können dagegen einen schnellen Rückzugsort bieten.

Igel benötigen eine bodennahe Wasserstelle.

Bei größeren Wildtieren gelten andere Regeln. Reichert hält zusätzliche Wasserangebote dort für sinnvoll, wo Grundstücke unmittelbar an Wald oder Felder grenzen. Innerhalb von Wohngebieten und Siedlungen sollten dagegen keine Wasserstellen geschaffen werden, die gezielt Rehe oder anderes größeres Wild anlocken. Die Tiere müssten dafür möglicherweise Straßen queren und würden damit zusätzlichen Gefahren ausgesetzt.

Vogeltränken und Wasserstellen für die üblichen Gartenbewohner nimmt Reichert ausdrücklich davon aus.

Wasser statt zusätzlichem Futter

Wer Wildtieren durch trockene Wochen helfen möchte, muss ihnen nach Einschätzung des LBV auch nicht automatisch zusätzliches Futter anbieten. Wasser sei in Hitzeperioden die wesentlich wichtigere Unterstützung.

Langfristig helfe ein naturnaher Garten mehr: heimische Blühpflanzen, Stauden und Hecken, unversiegelte Böden sowie Bereiche, die nicht ständig gemäht werden. Sie bieten Nahrung, Schatten und Rückzugsräume.

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