Der Werkzeugbau gehört zu jenen Bereichen der Industrie, die häufig erst dann sichtbar werden, wenn sie fehlen. Bei einem Besuch des Fürther Swoboda-Standorts hat die Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs von den Grünen deshalb vor einem Verlust von Fertigungskompetenz in Deutschland gewarnt. Im Gespräch standen nach Angaben ihres Abgeordnetenbüros vor allem der Werkzeug- und Formenbau, Energiekosten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Swoboda betreibt in Fürth ein Kompetenzzentrum für Werkzeugbau. Dort werden Spritzgusswerkzeuge konstruiert und hergestellt, die unter anderem an europäischen Standorten des Unternehmens eingesetzt werden. Ende 2014 hatte Swoboda einen bestehenden Werkzeugbaubetrieb in der Region übernommen. Anfang 2016 zog das Team in einen Neubau auf dem Gelände des früheren Militärflughafens in Fürth. Nach aktuellen Angaben des Unternehmens arbeiten dort rund 30 Konstrukteure und Werkzeugmacher.
Fuchs bezeichnete die eigene Fertigung solcher Werkzeuge als wichtige Voraussetzung für Qualität und technische Weiterentwicklung. «Echter Werkzeug- und Formenbau ist kein Kostenfaktor, den man isoliert betrachten darf. Er ist eine Schlüsselkompetenz für die Qualität und Innovationsfähigkeit unserer Industrie», erklärte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion nach dem Besuch. Gehe entsprechendes Wissen verloren, lasse es sich nicht kurzfristig wieder aufbauen.
Swoboda hatte seinen Werkzeugbau ursprünglich vor allem für den internen Bedarf ausgebaut. Inzwischen bietet der Fürther Standort Leistungen auch externen Kunden an. Dazu zählen nach Unternehmensangaben unter anderem Entwicklung, Konstruktion und Bau von Spritzgusswerkzeugen sowie Reparaturen, Wartung und Lohnfertigung.
Als weiteres Thema des Besuchs nennt Fuchs‘ Büro die Energiekosten. Produzierende Unternehmen benötigten aus ihrer Sicht eine verlässliche Versorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Fuchs fordert deshalb insbesondere einen schnelleren Ausbau der Stromnetze und einen stärkeren Einsatz von Speichern. «Gerade für produzierende Unternehmen kann das einen wichtigen Beitrag leisten, die Energieversorgung planbarer und bezahlbarer zu machen», erklärte sie.
Die Lage der energieintensiven Industrie bleibt angespannt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag deren Produktion im März 2026 saison- und kalenderbereinigt 15,2 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2022. Für die gesamte Industrie betrug der Rückgang in diesem Zeitraum 9,5 Prozent. Die Entwicklung der Energiepreise selbst ist dagegen uneinheitlich. So lag der Erzeugerpreis für Strom im Mai 2026 unter dem Niveau des Vorjahres.
Fuchs beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit den Rahmenbedingungen des Werkzeug- und Formenbaus. Im Juni nahm sie am sechsten Runden Tisch der Branche im Bayerischen Wirtschaftsministerium teil. Dort standen unter anderem Finanzierungsmodelle und die wirtschaftliche Lage der Betriebe im Mittelpunkt.
Nach dem Besuch bei Swoboda forderte Fuchs, industrielle Wertschöpfung und technisches Wissen stärker in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik zu stellen. «Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn Wertschöpfung und Know-how bereits abgewandert sind», sagte sie. Werkzeug- und Formenbau sowie industrielle Fertigung seien wesentliche Voraussetzungen dafür, Arbeitsplätze und Innovationen am Standort Bayern zu sichern.

