Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung drängt die Deutsche Bahn zu einer Entscheidung über die künftige S-Bahn-Strecke im Fürther Norden. Knapp neun Jahre nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum sogenannten S-Bahn-Verschwenk sei weiterhin offen, wie die Strecke verlaufen werde. Seinen jüngsten Appell habe er direkt an Bahnchefin Evelyn Palla gerichtet. «Angeblich soll nun eine Entscheidung bis spätestens zum Frühjahr 2027 fallen, inhaltlich bleibt jedoch leider alles offen», erklärt der Rathauschef.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob die S-Bahn neben den bestehenden Bahngleisen bleiben oder nach Osten durch das Knoblauchsland geführt werden soll. Die Stadt favorisiert gemeinsam mit ihren Mitstreitern die Bündelung entlang der vorhandenen Strecke. Jung argumentiert, dieser Weg sei kürzer und deshalb günstiger. Zudem würde er weniger Natur beanspruchen, die Landschaft nicht zusätzlich zerschneiden und Landwirten die weitere Nutzung ihrer Flächen ermöglichen.
Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt Fürth Nord für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt. Die Richter beanstandeten unter anderem Verstöße gegen den Naturschutz und Mängel beim Vergleich der Trassenalternativen. Aufgehoben wurde der Beschluss nicht: Nach Einschätzung des Gerichts konnten die Fehler möglicherweise in einem ergänzenden Verfahren behoben werden. Das Urteil legte damit keine endgültige Trasse fest.
Den juristischen Erfolg hatten die Stadt, Naturschützer und betroffene Grundstückseigentümer erstritten. Die städtische Mitteilung nennt als Mitstreiter außerdem das Aktionsbündnis «Pro S-Bahn ohne Verschwenk» und den Bauernverband.
Jung verweist auch auf die Vorgeschichte: Die Überlegungen zur Verschwenktrasse seien mit einem inzwischen aufgegebenen Industriepark im Knoblauchsland verbunden gewesen. Nach Darstellung der Stadt fordert auch Nürnberg diese Streckenführung nicht mehr. Mit der geplanten Stadt-Umland-Bahn zwischen Nürnberg und Erlangen stehe in diesem Raum bereits ein weiteres großes Nahverkehrsprojekt an.
Der Oberbürgermeister kritisiert vor allem die Dauer der Prüfung. Trotz des Gerichtsurteils sei nach wie vor kein Bau in Sicht. Aus Sicht der Stadt sprächen die Argumente für die Bestandsstrecke längst für eine Entscheidung.

