Die Bilder aus Berlin wirken nach: Dunkle Wohnungen, frierende Menschen und stillstehende Betriebe. Der mutmaßliche Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde Anfang Januar, der rund 45.000 Haushalte und tausende Gewerbebetriebe über Tage lahmlegte, hat eine Debatte über die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur ausgelöst. Auch in Fürth stellen sich Bürger die Frage: Wäre ein solches Szenario in der Kleeblattstadt ebenfalls denkbar? Max Ammon, Fraktionsvorsitzender der CSU und Oberbürgermeisterkandidat, suchte dazu das Gespräch mit infra-Geschäftsführer Marcus Steurer. Die Nachricht aus der Chefetage des Energieversorgers ist deutlich: Ein Szenario wie in Berlin sei hier äußerst unwahrscheinlich.
Die Sorge der Bürger ist für Ammon nachvollziehbar. «Solche Szenarien verunsichern viele Menschen. Deshalb wollten wir wissen: Kann so etwas auch in Fürth passieren?», erklärt der CSU-Politiker den Vorstoß seiner Fraktion.
Die technische Antwort der infra Fürth stützt sich auf das sogenannte N-1-Prinzip. Dieses Standardverfahren in der Netzplanung sorgt für Redundanz. Fällt ein wichtiges Betriebsmittel, etwa eine Hauptleitung oder ein Transformator, aus, bricht die Versorgung nicht zusammen. Andere Leitungen übernehmen die Last. Laut den Informationen, die Ammon aus dem Gespräch mitbringt, ist Fürth über mehrere Hauptleitungen an das überregionale Netz angebunden. Ein weiterer Sicherheitsfaktor ist die Lage der Trassen: Anders als in Teilen Berlins verläuft der Großteil der Fürther Stromleitungen unterirdisch und ist damit physisch schwerer angreifbar.
Die Statistik scheint der infra recht zu geben. Großflächige Ausfälle waren in der jüngeren Vergangenheit selten. «Selbst bei Störungen handelt es sich in Fürth meist um punktuelle Ausfälle, die in der Regel innerhalb weniger Stunden behoben sind», berichtet Ammon. Der längste Ausfall der letzten Zeit habe lediglich rund neunzig Minuten gedauert.
Neben der physischen Sicherheit stand auch die digitale Bedrohungslage im Fokus. Längst ist das Stromnetz Ziel von Hackern. Die infra registriere täglich tausende Angriffsversuche auf ihre Systeme. Bislang greifen die Schutzmaßnahmen. «Angriffe gibt es praktisch jeden Tag, entscheidend ist, dass sie erkannt und abgewehrt werden. Das funktioniert», so Ammon über die Auskunft der Geschäftsführung. Zudem betreibe das Unternehmen eine rund um die Uhr besetzte Netzleitstelle und arbeite in Notfall- und Bereitschaftsstrukturen eng mit Feuerwehr und Katastrophenschutz zusammen. Kritische Einrichtungen im Stadtgebiet seien zusätzlich abgesichert.
Während die technische Seite stabil wirkt, sieht die CSU bei der „weichen“ Sicherheit Nachholbedarf. Die Technik mag funktionieren, doch der Bürger müsse im Ernstfall auch wissen, was zu tun ist. «Auch wenn Fürth gut aufgestellt ist, müssen wir Vorsorge ernst nehmen – technisch wie kommunikativ», betont der Fraktionschef. Es fehle an leicht zugänglichen Informationsangeboten, die der Bevölkerung erklären, wie sie sich bei einem Blackout verhalten soll und wo es im Stadtgebiet Anlaufstellen gibt. Hier fordert die Fraktion, dass die Vorsorge nicht im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern transparent kommuniziert wird.
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