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Vom Schwimmbad zum Hightech-OP: Einzigartiges Herz-Labor in Fürth eröffnet – Herzrhythmusstörungen werden mit Magnet-Roboter behandelt

8. Februar 2026 ,
Foto: Roland BeckFoto: Roland Beck

Wo früher Patienten zur Erholung ihre Bahnen im Wasser zogen, steuern Ärzte nun millimetergenau Katheter durch menschliche Herzen. Das Klinikum Fürth hat am Freitag offiziell drei neue Laborräume für Rhythmologie und invasive Elektrophysiologie in Betrieb genommen – damit können selbst komplizierte Herzrhythmusstörungen mit modernster Technik behandelt und Idealfall beseitigt werden. Herzstück der mit rund fünf Millionen Euro veranschlagten Investition ist ein robotergesteuertes magnetisches Navigationssystem, das in dieser Konstellation als bundesweit einmalig gilt.

Im Video erklärt Dr. Dirk Bastian, leitender Oberarzt, ausführlich wie die Behandlung am Patienten erfolgt.

Der Fürther Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung bezeichnete die neue Einrichtung als «Goldstandard für ganz Deutschland» . Während viele Krankenhäuser derzeit mit Insolvenzen kämpfen oder Abteilungen schließen müssten, investiere Fürth in die Zukunft der medizinischen Versorgung. Es handele sich um die höchste Investition in eine einzelne Abteilung am Klinikum in den vergangenen 24 Jahren, so Jung .

Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren, bei denen der Arzt den Katheter manuell führt, kommt hier ein besonders weicher Katheter zum Einsatz. Dieser werde, so Bastian, von zwei großen Magneten im schlagenden Herzen in der Schwebe gehalten . Die Steuerung erfolgt dabei nicht mehr unmittelbar am Patienten, sondern aus einem Kontrollraum heraus über einen Computerbildschirm und eine Computermaus.

Das System ermögliche eine extrem gezielte Positionierung, da der Katheter durch die Magnetfelder gezogen und nicht von hinten geschoben werde. Dies minimiere das Verletzungsrisiko für die Patienten erheblich, erklärte der Mediziner. Das Verfahren erinnert in der Handhabung entfernt an ein Videospiel, finde aber im realen, schlagenden Herzen statt . Begleitet wird der Eingriff von modernster 3D-Mapping-Technologie, die eine Art Landkarte der Herzkammern erstellt und elektrische Ströme visualisiert, um Kurzschlüsse im Herzrhythmus, wie etwa beim Vorhofflimmern, effektiv veröden zu können.

Die bauliche Realisierung stellte die Planer vor ungewöhnliche Herausforderungen. Klinikumsvorstand Dr. Alexander Mohr berichtete am Rande der Eröffnung, dass lange nach einem geeigneten Standort gesucht wurde, der das enorme Gewicht der Magneten von rund 1,5 Tonnen tragen könne. Fündig wurde man schließlich im Bereich des ehemaligen Therapieschwimmbads. Das neue Labor samt Roboter wurde exakt dort errichtet.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa fünf Millionen Euro. Rund die Hälfte davon, etwa 2,5 Millionen Euro, wurde durch Fördermittel des Bundes im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KhZG) zur Digitalisierung gedeckt. Die verbleibenden 2,5 Millionen Euro wurden vom Klinikum und der Stadt Fürth getragen .

Neben der technischen Innovation hob Vorstand Mohr auch die personelle Komponente hervor. Die Abteilung steht unter der Sektionsleitung von Dott. Laura Vitali-Serdoz und Dr. Dirk Bastian. Mohr würdigte dies als gelungenes Beispiel für deutsch-italienische Zusammenarbeit auf medizinischem Spitzenniveau, weshalb auch der italienische Generalkonsul in Bayern, Sergio Maffettone, dem Festakt beiwohnte