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800.000 Euro für Schornstein-Attrappe: Warum die Mühlstraße in Stein monatelang gesperrt wird

23. Oktober 2026, 09:10 Uhr , ,
Der historische Schornstein der Alten Bleimühle auf dem Gelände von Faber-Castell in Stein muss wegen schwerer Schäden abgetragen werden. Eine neue Stahlkonstruktion soll seine markante Erscheinung erhalten. Die Arbeiten führen zu einer monatelangen Sperrung der Mühlstraße. Foto: Roland BeckDer historische Schornstein der Alten Bleimühle auf dem Gelände von Faber-Castell in Stein muss wegen schwerer Schäden abgetragen werden. Eine neue Stahlkonstruktion soll seine markante Erscheinung erhalten. Die Arbeiten führen zu einer monatelangen Sperrung der Mühlstraße. Foto: Roland Beck

Ein alter Industrieschornstein sorgt in Stein für eine aufwändige Baumaßnahme und eine monatelange Straßensperrung. Auf dem Gelände von Faber-Castell muss der stark beschädigte Schornstein der historischen Bleimühle abgetragen werden. Doch damit ist es nicht getan: Aus Gründen des Denkmalschutzes soll an seiner Stelle eine Schornstein-Attrappe entstehen, um das bisherige Stadtbild zu wahren. Die Kosten beziffert das Unternehmen auf rund 800.000 Euro. Für Autofahrer bedeutet das erhebliche Einschränkungen, denn die Mühlstraße soll bis Ende Juli 2027 in dem Bereich für die Baumaßnahme gesperrt werden.

Der Schornstein im Innenhof der sogenannten «Alten Bleimühle» wird für die ursprüngliche Produktion längst nicht mehr benötigt. Abgase und Witterung haben dem Mauerwerk über die Jahre so stark zugesetzt, dass ein Erhalt nicht mehr möglich ist, erklärt Andreas Eichinger, technischer Leiter der Faber-Castell Real Estate GmbH & Co. KG, auf Anfrage von Fürth Aktuell. Der Schornstein müsse deshalb abgetragen werden – um ihn dann aus Gründen des Denkmalschutzes wieder als Attrappe aufzubauen.

Die Alte Bleimühle an der Mühlstraße 2 und 2a gehört zu den geschützten Industriedenkmälern der Stadt. Der Gebäudekomplex stammt in seiner heutigen historischen Gestalt aus dem Jahr 1924 und erinnert an die lange Geschichte der Bleistiftherstellung in Stein. Besonders von der Felsenstraße auf der gegenüberliegenden Seite der Rednitz ist der Schornstein gut zu erkennen. Für die Denkmalpflege ist er deshalb ein wichtiger Bestandteil des historischen Stadtbildes.

Faber-Castell bestätigt, dass der Wiederaufbau auf die Anforderungen der Denkmalbehörden zurückgeht. Eichinger erklärt: «Die Wiedererrichtung des Schornsteins als Attrappe wurde seitens der Ämter zur Auflage gemacht.» Entscheidend sei für die Behörden das städtebauliche Erscheinungsbild gewesen.

Das Landratsamt Fürth, bei dem die Untere Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist, beschreibt die Anforderungen etwas differenzierter. Ein vollständiger Wiederaufbau des ursprünglichen Mauerwerksschornsteins sei nicht verlangt worden. Vielmehr solle seine charakteristische Wirkung innerhalb des historischen Werksgeländes erhalten bleiben. Dazu seien auch andere Materialien als die ursprünglichen Formklinkersteine zulässig. Die Vorgaben wurden unter Beteiligung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege entwickelt. Andreas Eichinger von Faber-Castell erklärt dazu: «Erreicht werden konnte, dass der Kamin nicht mehr neu aufgemauert werden wird, sondern mit neuen Materialien errichtet werden kann. Das bringt bereits eine Kostenerleichterung», so Eichinger.

Konkret soll der runde Mauerwerksschornstein durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Der achteckige historische Sockel wird instand gesetzt. Ganz ohne Funktion bleibt der neue Aufbau allerdings nicht: Nach Informationen des Landratsamtes soll er weiterhin Abluftleitungen des Unternehmens aufnehmen. Als Rauchabzug wie früher wird der alte Schornstein dagegen nicht mehr benötigt.

Dennoch kostet die gesamte Baumaßnahme nach Angaben von Eichinger rund 800.000 Euro.

Die Planungen reichen bis ins vergangene Jahr zurück. Bereits im November 2025 beschäftigte sich der Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss der Stadt Stein mit dem Ersatz des Schornsteins. Das Gremium erteilte dem Vorhaben mit zehn gegen eine Stimme seine Zustimmung.

Beim Landratsamt ging am 4. November 2025 der Bauantrag ein. Die Genehmigung wurde am 19. Januar 2026 erteilt. Allerdings sind noch nicht sämtliche Einzelheiten geklärt. Nach Angaben der Behörde müssen unter anderem die Verkleidung der neuen Stahlkonstruktion sowie das Farb- und Materialkonzept abschließend mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden. Zugleich müssen die angrenzenden historischen Gebäude während des Abbruchs vor Schäden geschützt werden.

Für den Straßenverkehr haben die Bauarbeiten erhebliche Folgen. Die Mühlstraße wird zwischen der Einmündung Lotharstraße und der Zufahrt zu den Anwesen Mühlstraße 4, 6 und 8 vollständig gesperrt. Ursprünglich sollte die Maßnahme Mitte Oktober beginnen. Wegen unzureichender statischer Voraussetzungen wurde der Start jedoch auf den 28. Oktober 2026 verschoben. Das geplante Ende am 30. Juli 2027 blieb unverändert. Die Umleitung führt über die Bundesstraße 14 und den Feuerweg. Während der Sperrung wird zudem die Einbahnstraßenregelung ab der Einmündung Feuerweg aufgehoben.

Faber-Castell begründet die lange Bauzeit mit dem Abbruch und der anschließenden Neuerrichtung des Schornsteins. Ein Teil der Arbeiten, darunter die Errichtung der Fundamente, werde für die Öffentlichkeit nicht sichtbar sein. Durch die Beauftragung regionaler Unternehmen solle die Bauzeit möglichst kurz gehalten werden.

Beim Landratsamt geht man hingegen davon aus, dass die aktuell geplante Straßensperrung vor allem für den Abbruch benötigt wird. Wegen der Lage des Schornsteins innerhalb des Gebäudekomplexes müsse dieser voraussichtlich über die Mühlstraße erfolgen. Die spätere Montage der vorgefertigten Stahlteile dürfte nach Einschätzung der Behörde deutlich weniger Zeit beanspruchen.

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