Es dämmert noch über Eckershof, als die Umweltgruppe der Mittelschule Stein zu ihrem ersten Einsatz aufbricht. Das Ziel der Jugendlichen ist der neu errichtete Krötenzaun am Rande der Stadt. Was als routinemäßige Rettungsaktion für heimische Amphibien beginnt, entwickelt sich schnell zu einer kleinen Sensation. In einem der eingegrabenen Fangeimer wartet eine Knoblauchkröte auf die Helfer. Für die Stadt Stein ist das ein historischer Moment, denn diese stark gefährdete Art wurde hier zuvor noch nie nachgewiesen, wie Stadt und Bund Naturschutz mitteilten.
Die Umweltgruppe, die eigentlich nach vertrauten Tieren wie Erdkröten oder Bergmolchen suchte, staunte nicht schlecht über den ungewöhnlichen Gast. Die Knoblauchkröte ist ein faszinierendes Geschöpf mit ganz eigenen Überlebensstrategien. Ihre Augen fallen durch senkrecht geschlitzte Pupillen auf, was ihr den Blick einer Katze verleiht. Wenn die Kröte in Gefahr gerät, bläht sie ihren Körper auf und verströmt einen intensiven Geruch nach Knoblauch, um Feinde abzuschrecken. Tagsüber bekommt man sie ohnehin kaum zu Gesicht. Mit speziellen Grabschwielen an den Hinterbeinen schaufelt sie sich in Sekundenbruchteilen rückwärts in sandigen Boden ein. Erstaunlich ist auch ihre Fortpflanzung, denn aus dem Laich wachsen riesige Kaulquappen heran, die bis zu 17 Zentimeter lang werden können.
Begleitet wurde die frühe Expedition von Sabine Scherer von der Ortsgruppe Stein des Bund Naturschutz. Sie nutzte die Gelegenheit, um den Schülern das sensible Ökosystem der nachtaktiven Tiere anschaulich zu erklären. Die Helfer agierten als vorsichtiges Amphibientaxi und brachten alle gefundenen Tiere auf dem schnellsten Weg zum rettenden Eckershofer Weiher. Jeder Handgriff saß, um den Stress für die Tiere so gering wie möglich zu halten. Darunter war auch ein kleiner Teichfrosch, den die Gruppe kurzerhand auf den Namen «Carlos» taufte.
Die Begeisterung der Jugendlichen für den praktischen Naturschutz war am Ende des Morgens deutlich spürbar. Drei von ihnen haben bereits fest zugesagt, im nächsten Frühjahr wieder bei den Kontrollen am Krötenzaun mitzuhelfen. Damit könnte in Stein der Grundstein für eine neue, äußerst wertvolle Tradition zum Schutz der heimischen Artenvielfalt gelegt sein.
11.5°C | Bedeckt 

