Die internationale Opernwelt blickt im Rahmen der diesjährigen Gluck-Festspiele auf die Region, wenn einer der außergewöhnlichsten Künstler der Gegenwart die Bühne betritt. Der venezolanische Sopranist Samuel Mariño wird im Stadttheater Fürth erwartet. Mariño, der für seine seltene natürliche Sopranstimme bekannt ist, bricht mit seinem Auftreten klassische Rollenbilder und etablierte Erwartungshaltungen des Opernbetriebs auf.
Am Sonntag, 10. Mai 2026, gastieren die Internationalen Gluck-Festspiele mit «Paride ed Elena» im Stadttheater Fürth. Die konzertante Aufführung beginnt um 18 Uhr im Großen Haus. Die Partie des Paride übernimmt Samuel Mariño.
Im Gegensatz zu klassischen Countertenören, die ihre Höhe durch die Kopfstimme oder Falsett-Technik erreichen, verfügt Mariño über eine physiologische Besonderheit. Seine Stimme ist nach dem Stimmbruch in der hohen Lage geblieben, was ihm ein Timbre ermöglicht, das in der Barockmusik und in Werken von Christoph Willibald Gluck eine besondere Authentizität entfaltet. Der Künstler erklärte in der Vergangenheit wiederholt, dass man ihm zu Beginn seiner Ausbildung oft gesagt habe, es gäbe keine Karriere für einen männlichen Sopran. Diese Einschätzung hat der Sänger durch Engagements an den weltweit führenden Opernhäusern widerlegt.
Christoph Willibald Glucks «Paride ed Elena» führt zurück in das Jahr 1770. Damals wurde die Oper in Wien uraufgeführt. Das Libretto stammt von Ranieri de’ Calzabigi, mit dem Gluck auch bei anderen Werken zusammenarbeitete. Dass diese Partie in Fürth mit Samuel Mariño wieder von einem Mann gesungen wird, stellt die Festspiele ausdrücklich in die Tradition der Uraufführung.
Mariño ist als männlicher Sopranist international bekannt. In Fürth steht er nicht allein im Mittelpunkt. Roberta Mameli singt Elena, Vanessa Waldhart übernimmt Amor, Soula Parassidis ist als Athena zu erleben. Dazu kommen Cantus Thuringia und die Akademie für Alte Musik Berlin. Am Pult steht Michael Hofstetter, der geschäftsführende Intendant der Gluck-Festspiele.
Das Programm passt zum Anspruch der Festspiele, Glucks Musik nicht nur als historische Rarität zu präsentieren. Gluck gilt als einer der prägenden Opernreformer des 18. Jahrhunderts. Seine Musik stellte stärker als viele Werke seiner Zeit den Ausdruck der Figuren und die innere Handlung in den Mittelpunkt. Die Festspiele beschreiben ihn deshalb als Komponisten, der den Menschen ins Zentrum seines Schaffens gestellt habe.
Für das Fürther Publikum ist die Aufführung vor allem ein besonderer Operntermin im Stadttheater. «Paride ed Elena» ist keine Repertoireoper, die regelmäßig auf den Spielplänen steht. Die konzertante Form legt den Schwerpunkt auf die Musik, die Stimmen und das Zusammenspiel mit dem Orchester. Auf eine vollständige szenische Umsetzung wird dabei verzichtet.
Die Produktion ist im Festspielkalender auch für Augsburg und Bayreuth angekündigt.
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