Silber bei den Deutschen Meisterschaften und anschließend die Bestätigung für den größten internationalen Wettkampf ihrer bisherigen Karriere: Eni Kuske vom TSV Zirndorf hat sich über 400 Meter für die U20-Weltmeisterschaften in Eugene im US-Bundesstaat Oregon qualifiziert. Ihr Vereinskollege Mika Gutsche lief ebenfalls ein starkes Meisterschaftswochenende und durchbrach erstmals die Marke von 49 Sekunden.
Die Voraussetzungen waren für beide Sprinter nicht ideal. Nach Angaben des TSV Zirndorf hatten gesundheitliche Probleme die Saisonvorbereitung immer wieder beeinträchtigt. Ursprünglich waren Kuske und Gutsche bei den Deutschen U20-Meisterschaften vom 10. bis 12. Juli nur über 400 Meter fest eingeplant. Nachdem die Süddeutschen Meisterschaften in Kitzingen wegen der erwarteten Hitze abgesagt worden waren, verlängerte der Deutsche Leichtathletik-Verband die Qualifikationsfrist. Bei einem Abendsportfest in Erlangen liefen beide daraufhin auch die Norm für die 200 Meter.
Schon in den 400-Meter-Halbfinals in Bochum-Wattenscheid zeigten die Zirndorfer, dass sie zum Saisonhöhepunkt in Bestform waren. Kuske gewann ihren Lauf in persönlicher Bestzeit von 53,88 Sekunden. Keine andere Teilnehmerin war in den fünf Halbfinals schneller. Gutsche erreichte in seinem Lauf ebenfalls eine neue Bestmarke. Mit 49,59 Sekunden qualifizierte er sich für das B-Finale.
Dort gelang ihm am Samstag die nächste Steigerung. Gutsche lief die Stadionrunde in 48,73 Sekunden und blieb damit erstmals unter 49 Sekunden. Gegenüber dem Vortag verbesserte er sich um 86 Hundertstelsekunden. Im B-Finale belegte er den zweiten Rang, in der Gesamtwertung war er damit Zehnter.
Trainer Marcus Grun sah in dem Rennen eine Bestätigung der Trainingsleistungen: «Wir wussten aus dem Training der letzten Wochen, was Mika eigentlich draufhat. Die Zeiten haben dieses Potenzial längst angedeutet. Dass er das im wichtigsten Moment von seiner ungeliebten Außenbahn aus so mutig und auf sich allein gestellt abruft und diese enorme Leistungssteigerung von fast einer Sekunde zum Vortag auf die Bahn zimmert, zeigt seinen extremen Ehrgeiz.»
Im anschließenden A-Finale der Frauen fiel die Entscheidung über den deutschen Meistertitel und die Einzelstarts bei der U20-WM. Luna Fischer vom VfL Eintracht Hannover begann das Rennen offensiv und ging mit einem Vorsprung auf die Gegengerade. Kuske hielt an ihrer Renneinteilung fest und verkürzte den Abstand auf den letzten Metern deutlich. Fischer rettete sich in 53,85 Sekunden ins Ziel. Kuske folgte elf Hundertstelsekunden später und gewann in 53,96 Sekunden die Silbermedaille. Dritte wurde Ida Carlotta Schröder vom Hamburger SV in 54,86 Sekunden.
«Als wir vor knapp zwei Jahren die Zusammenarbeit begonnen haben, hätte ich nicht gedacht, dass wir heute schon an diesem Punkt stehen», sagte Grun. Nach der gelungenen Hallensaison hätten kleinere Blessuren die Vorbereitung im Frühjahr erschwert. Beim Aufwärmen vor dem Finale sei Kuske jedoch ihre Entschlossenheit anzumerken gewesen. «Sie wollte dieses Ticket unbedingt.»
Der Deutsche Leichtathletik-Verband bestätigte die Nominierung wenige Tage später. Kuske gehört zum 71 Sportler umfassenden deutschen Aufgebot für die U20-Weltmeisterschaften, die vom 5. bis 9. August im Hayward Field in Eugene ausgetragen werden. Neben ihr startet Luna Fischer für Deutschland über 400 Meter.
Zum Abschluss der Meisterschaften traten Kuske und Gutsche am Sonntag auch über 200 Meter an. Gutsche erreichte im Halbfinale 22,32 Sekunden und qualifizierte sich für das B-Finale, auf das er anschließend verzichtete. Kuske lief bei Gegenwind 24,57 Sekunden und nahm ebenfalls nicht am Finallauf teil.
Für die Leichtathleten des TSV Zirndorf ist Kuskes Nominierung der zweite internationale Erfolg dieses Sommers. Zuvor war bereits Weitspringerin Amelie Giese für die U18-Europameisterschaften in Rieti berufen worden. Damit stellt der Verein innerhalb einer Saison zwei Athletinnen, die Deutschland bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften vertreten.

