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Erste Kommune im Landkreis Fürth testet Affolterprinzip: In Veitsbronn entscheidet jetzt die Natur, welcher Baum sich durchsetzt

11. Mai 2026 ,
Veitsbronn testet als erste Kommune im Landkreis Fürth das Affolterprinzip: An drei Standorten werden verschiedene Baumarten gemeinsam gepflanzt. (Foto: Roland Beck)Veitsbronn testet als erste Kommune im Landkreis Fürth das Affolterprinzip: An drei Standorten werden verschiedene Baumarten gemeinsam gepflanzt. (Foto: Roland Beck)

Welcher Baum kommt mit Hitze, Trockenheit und schwierigen Böden am besten zurecht? Genau das will die Gemeinde Veitsbronn künftig nicht mehr nur theoretisch entscheiden, sondern direkt vor Ort beobachten. Als erste Kommune im Landkreis Fürth beteiligt sich Veitsbronn an einem neuen Pflanzkonzept, bei dem mehrere Baumarten gemeinsam gesetzt werden. Welche sich langfristig durchsetzt, entscheidet die Natur selbst. Am Montagvormittag fiel der Startschuss in der Gemeinde.

Hinter dem Konzept steht das sogenannte Affolterprinzip. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter und bedeutet sinngemäß «Apfelwäldchen». Entwickelt wurde der Ansatz vom Weißenburger Baumschulinhaber Gerd Meyer gemeinsam mit dem Forstwirt Johannes Wagner. Statt einzelne große Bäume isoliert zu pflanzen, werden mehrere junge Pflanzen in kleinen Gruppen gesetzt. Ziel ist es, natürliche Waldstrukturen nachzuahmen.

In Veitsbronn entstehen drei solcher Affolterflächen. Gepflanzt wurde am Montag in der Hauptstraße nahe der Zenn, in der Raindorfer Dorfstraße sowie im Ortsteil Kreppendorf. Die drei Standorte stehen jeweils für unterschiedliche Varianten des Konzepts: einen Obst-Affolter, einen Klima- oder Schatten-Affolter und einen Wald-Affolter.

Finanziert wird das Projekt über das Ökostromprodukt «STROM PURNATUR» der N-ERGIE. Nach Angaben des Unternehmens fließt pro verbrauchter Kilowattstunde ein Cent in regionale Umweltprojekte. Für die teilnehmenden Gemeinden ist die Pflanzung dadurch kostenlos. Dennoch beteiligt sich im Landkreis bislang nur Veitsbronn. „Wir sind immer für innovative Projekte zu haben“, betonte Erster Bürgermeister Marco Kistner.

Bei jedem Affolter werden verschiedene sogenannte Zielbäume gemeinsam mit Begleitpflanzen gesetzt. Zu den Zielbäumen des Wald-Affolters gehören zum Beispiel in Veitsbronn unter anderem Mehlbeere, Pappel und Birke. Ergänzt werden sie durch Begleitpflanzen wie Weißdorn, Weide und Haselnuss.

«Wir machen der Natur eigentlich ein Angebot», erklärte Johannes Wagner beim Vor-Ort-Termin. Ziel sei es nicht, von Anfang an festzulegen, welcher Baum an einem Standort funktionieren müsse. Stattdessen werde beobachtet, welche Art sich unter den jeweiligen Bedingungen am vitalsten entwickle. Nach zwei oder drei Jahren werde dann gezielt nachgepflegt. Die stärksten Pflanzen bleiben erhalten, schwächere Arten werden nach und nach reduziert.

Nach Angaben der Initiatoren profitieren die Pflanzen innerhalb der Gemeinschaft voneinander. Die dichte Pflanzung sorge für Beschattung, bremse Wind und verbessere langfristig die Bodenstruktur. Auf den Flächen kommen außerdem natürliche Materialien wie Totholz, Mulch und Laub zum Einsatz. Diese sollen Feuchtigkeit im Boden halten und Lebensräume für Kleintiere schaffen.

Ein weiterer Unterschied zu klassischen Baumpflanzungen liegt in der Größe der Setzlinge. Gepflanzt werden bewusst sehr junge Bäume, teils nur wenige Monate alt. Nach Angaben der Projektverantwortlichen könnten sich junge Pflanzen besser an veränderte Umweltbedingungen anpassen als ältere Hochstämme.

Auch wirtschaftlich sehen die Beteiligten Vorteile. Während klassische Stadtbaumpflanzungen laut Wagner inklusive Bewässerung und Pflege mehrere tausend Euro kosten könnten, liege das Affolterprinzip deutlich darunter. Denn der Pflegeaufwand sinke enorm. Die Affolter müssen nicht gegossen werden.

Bürgermeister Marco Kistner erklärte, die Gemeinde wolle verschiedene weitere Ansätze zur Klimaanpassung ausprobieren. Dazu gehörten unter anderem Beschattungskonzepte und kühlere Aufenthaltsbereiche im Ortsgebiet. Das neue Pflanzprojekt passe deshalb gut in die aktuellen Überlegungen der Gemeinde. Besonders interessant sei dabei, wie unterschiedlich sich die drei Standorte entwickeln werden. Kistner dankte der N-ERGIE für die Möglichkeit, das neue Konzept testen zu können.