Es kommt selten vor, dass eine Stadt innerhalb kurzer Zeit gleich dreimal Schauplatz eines ganz besonderen Meilensteins wird: In Stein durften innerhalb von zwei Tagen gleich drei Ehepaare das Fest der Eisernen Hochzeit feiern. Das bedeutet jeweils 65 Jahre gemeinsames Leben, Arbeiten und Zusammenhalten – eine Lebensleistung, die in der heutigen Zeit außergewöhnlich ist und die offizielle Anerkennung der Kommune sowie des Landkreises fand. Insgesamt vereinen die Paare Schestak, Schauber und Schiekofer stolze 195 Jahre Eheglück.
Den Anfang machten Carola und Karl Schestak, die bereits seit 1963 in Stein leben. Beide haben sich tief in das lokale Vereinsleben eingebracht, sei es über viele Jahre hinweg beim TSV Stein oder durch Karl Schestaks langjährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr. Während er als Müller arbeitete, stand seine Frau jahrzehntelang bei Faber-Castell in Lohn und Brot. In ihrer Freizeit zog es die beiden oft nach Schweden und Österreich, wobei der Ehemann bis heute eine ungewöhnliche Leidenschaft pflegt: das Busfahren, für das er extra den passenden Führerschein erwarb. Steins Dritter Bürgermeister Armin Schläger überbrachte die Glückwünsche der Stadt und von Landrat Bernd Obst. Er zollte dem Paar Respekt dafür, wie sie über Jahrzehnte hinweg den Alltag meisterten und gemeinsam lachten. Die tiefe Zuneigung ist geblieben: Carola Schestak erklärte kurzum, dass sie ihren Mann jederzeit wieder heiraten würde.
Eine ähnlich lange Geschichte teilen Renate und Adolf Schauber, die sich einst auf einer Nürnberger Tanzfläche kennenlernten. Damals signalisierte die heute 88-Jährige einer Freundin sofort, dass sie genau diesen Mann heiraten werde. Auf das Kennenlernen im Jahr 1960 folgte prompt ein Jahr später die Hochzeit. Beruflich war er im Außendienst und sie bei einer Spedition aktiv, doch der Mittelpunkt ihres Lebens war stets die Familie, zu der heute ein Sohn, zwei Enkel und ein Urenkel gehören. Das Paar bezeichnet die Familie übereinstimmend als ihr größtes Hobby. Ihre Urlaube verbrachten sie am liebsten beim Wandern in den Bergen. Als Fundament ihrer 65-jährigen Ehe nennen beide Vertrauen und Ehrlichkeit. Auch hier gratulierte Armin Schläger und nannte die gemeinsame Zeit ein beeindruckendes Zeichen von Liebe und gegenseitigem Respekt.
Das dritte Jubiläum feierten Bernhardine und Manfred Schiekofer, deren gemeinsame Reise auf dem Würzburger Weinfest begann. Weil der damalige Polizist am nächsten Tag unerwartet Dienst schieben musste, schickte er einen Freund vor, um der jungen Frau auszurichten, dass er sie unbedingt wiedersehen wolle. Nach der Hochzeit in Würzburg zog das Paar 1966 nach Stein und wohnte anfangs kurioserweise direkt auf dem Dachboden der dortigen Polizeidienststelle. Später bauten sie im Stadtteil Deutenbach ein eigenes Haus am Goethering, in dem sie noch heute leben. Großen Einsatz zeigten beide über Jahrzehnte im deutsch-französischen Freundeskreis und reisten rund 50 Mal in die Partnerstadt Guéret. Das Paar, das drei Söhne und vier Enkelkinder hat, blickt auf eine harmonische Zeit zurück: Gestritten haben sie sich nach eigenen Angaben in all den Jahrzehnten kein einziges Mal. Zum Jubiläum gratulierte Steins Zweiter Bürgermeister Christian Weber und überreichte die Präsente der Stadt und des Landkreises für dieses außergewöhnliche Geschenk der gemeinsamen Jahre.
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