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Vogelschutz-Urgestein Kurt Hussong: Hier gibt es heuer Wanderfalken-Nachwuchs in Stadt und Landkreis Fürth

27. Mai 2026 , ,
Kurt Hussong beringt Wanderfalken-Nachwuchs in schwindelerregender Höhe am Kirchturm St. Josef in Zirndorf. (Foto: Privat)Kurt Hussong beringt Wanderfalken-Nachwuchs in schwindelerregender Höhe am Kirchturm St. Josef in Zirndorf. (Foto: Privat)

Wenn Kurt Hussong von seiner Arbeit erzählt, schwingt eine Begeisterung mit, die man einem 85-Jährigen auf den steilen Stufen der regionalen Kirchtürme kaum zutrauen mag.

Seit Jahrzehnten ist der engagierte Greifvogel-Schützer in Fürth und im Landkreis Fürth unterwegs, um den Nachwuchs der Wanderfalken im Auge zu behalten. „Die Kirchengemeinden bauen leider keine Aufzüge in die Türme“, scherzt er mit Blick auf die anstrengenden Aufstiege zu den Nestern und Nistkästen. Zusammen mit Günter Löslein hat er auch in diesem Frühjahr ein echtes Fitnessprogramm absolviert, um die Jungvögel in ihren Brutstätten in schwindelerregender Höhe mit Ringen zu markieren.

Die Beringung, die bei den Küken im Alter von etwa 14 Tagen durchgeführt wird, ist weit mehr als eine reine Bestandszählung. Sie liefert den Vogelschützern faszinierende Einblicke in das Liebes- und Wanderleben der Falken. Dank spezieller, größerer Kennringe, die sich auch aus der Ferne mit einem guten Fernrohr oder über Webcams ablesen lassen, können die Experten regelrechte Familiengeschichten nachvollziehen.

Junge Falken in Obermichelbach. Foto: Privat

Und diese Geschichten zeigen: Die Falken aus der Fürther Umgebung sind echte Weltenbummler. „Die Natur hat das schlau eingerichtet“, erklärt Hussong. „Die weiblichen Jungen ziehen weiter weg, während die Männchen näher an ihrem Geburtsort bleiben, um Inzucht zu vermeiden.“ So tauchte ein junges Weibchen von der Fürther Paulskirche – wo 2002 die Erfolgsgeschichte der hiesigen Wanderfalken überhaupt erst begann – später als Brutvogel in Zeitz (Sachsen-Anhalt) auf. Ein anderes zog es bis nach Glauchau in Sachsen.

Ein ganz aktueller Erfolg aus diesem Jahr verbindet die Fürther Greifvogel-Auffangstation, die Hussong einst selbst aufbaute, mit dem Landkreis: Ein männlicher Falke, der als Pflegefall in der Station aufgepäppelt und erfolgreich ausgewildert wurde, hat jetzt in Gunzenhausen ein neues Revier bezogen. Seine Partnerin dort ist eine einjährige Dame, die wiederum von der St. Laurentius-Kirche aus Roßtal stammt. Dass die Tiere neuerdings schon im Alter von einem Jahr erfolgreich brüten, ist für die Experten eine ganz neue, erfreuliche Erkenntnis.

In Stadt- und Landkreis Fürth sind aktuell sechs Paare heimisch. An der Paulskirche, in Roßtal und an der katholischen Kirche St. Josef in Zirndorf erblickten jeweils vier Küken das Licht der Welt, in Burgfarrnbach sind es drei. Besonders groß ist die Freude am Aussichtsturm in Cadolzburg – dem „Bleistift“. Nachdem das dortige Weibchen 2024 verunglückte, hat sich nun wieder ein stabiles Paar gefunden, das drei gesunde Jungen aufzieht.

Ob es auch in Stein Nachwuchs gibt, ist ungewiss. Hussong hat in diesem Jahr das Dach des Schlosses nicht überprüft. Es sei aber gut möglich, dass auch dort wieder Wanderfalken sind, so Hussong. Am Kraftwerk bei Gebersdorf zeichnet sich aktuell keine Brut ab. Neu hinzu gereist ist dagegen ein Paar in Obermichelbach, das sich den dortigen Kirchturm erfolgreich mit den ansässigen Turmfalken teilt und ebenfalls drei Jungen großzieht.

Ein Jungfalke auf einem Grabstein in Roßtal. Foto: Pfarramt Roßtal

Wer die flauschigen Jungvögel sieht, vergisst leicht, dass es sich um hocheffiziente Jäger handelt. Der Wanderfalke ist ein reiner Flugjäger, der im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h erreichen kann. Gefressen wird nur, was in der Luft erbeutet wird – am Boden wird keine Maus angerührt. In der ersten Zeit bringt das kleinere Männchen vor allem Stare und Kleinvögel, später beteiligt sich das größere Weibchen an der Jagd und bringt auch mal Tauben oder Eichelhäher zum Nest. Für das ökologische Gleichgewicht sind die Falken unersetzlich, da sie den Bestand ihrer Beutetiere auf ganz natürliche Weise regulieren.

Ein Punkt ist Kurt Hussong, der selbst seit Jahrzehnten Falkner und Jäger ist, besonders wichtig. Oftmals wird in historischen Berichten behauptet, dass die Plünderung von Nestern durch die Falknerei zum dramatischen Rückgang der Bestände in den 50er und 60er Jahren beigetragen habe. „Das stimmt so nicht“, stellt Hussong klar. Hauptursache für das weltweite Sterben der Falken war das verbotene Umweltgift DDT, das über die Nahrungskette die Eierschalen so dünn werden ließ, dass sie beim Brüten zerbrachen. Der Bestand schrumpfte in Deutschland auf mickrige 40 bis 50 Paare zusammen.

Es waren damals die Falkner, die den Grundstein für die Rettung legten. Mit den wenigen Vögeln in ihrer Hand starteten sie Ende der 70er Jahre erfolgreiche Nachzuchtversuche. Die gezüchteten Jungvögel wurden nicht verkauft, sondern den Naturschutzbehörden kostenlos zur Verfügung gestellt. Mittels „Adoptionen“ setzte man die gezüchteten Küken in Wildnester, deren eigene Eier durch das Pestizid beschädigt waren. Rund 1.200 Falken wurden so im Laufe der Jahre deutschlandweit ausgewildert. Heute ist der Bestand mit weit über 1.000 Paaren in Deutschland wieder absolut stabil.

Die jungen Falken vom Kirchturm St. Josef in Zirndorf werden beringt. Foto: Privat

Die Beringung für 2026 ist mittlerweile abgeschlossen, und in den kommenden Wochen werden die jungen Falken flügge. Dann kann man sie bei ihren ersten Flugversuchen über den Marktplätzen und Kirchtürmen der Region beobachten.

Doch während es den Falken an Nachwuchs nicht mangelt, sieht es bei den Vogelschützern am Boden anders aus. Kurt Hussong hat gerade seinen 85. Geburtstag gefeiert, auch sein Kollege Günter Löslein ist nicht mehr der Jüngste. „Irgendwann muss mal Ruhe sein“, meint Hussong. Es sei jedoch unheimlich schwer, jemanden zu finden, der die Tradition fortführt.

Wer sich für den Greifvogelschutz interessiert, schwindelfrei ist und bereit ist, den offiziellen Lehrgang bei der Vogelwarte zu absolvieren, ist herzlich willkommen, um auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass die Könige der Lüfte über dem Fürther Land eine sichere Heimat haben.

Ein Jungfalke auf St. Paul in Fürth


So sieht ein beringter Falke aus, hier ein Tier von St. Josef in Zirndorf. Foto


Ein Weibchen in Obermichelbach. Foto: Privat