Für manche ist es nur ein Stein am Wegrand oder auf einem Feld. In Langenzenn steht dieser Stein für eine jahrhundertealte Ordnung, für Vertrauen und für ein Ehrenamt, das in Bayern bis heute eine besondere Rolle spielt: die Feldgeschworenen, in Franken meist Siebener genannt. Am 23. Mai wurde im Langenzenner Ortsteil Horbach ein Doppeljubiläum gefeiert: 600 Jahre Feldgeschworene in Langenzenn und zehn Jahre Aufnahme des Feldgeschworenenwesens in die Verzeichnisse des Immateriellen Kulturerbes. Grundlage dafür ist die erste urkundliche Erwähnung der Langenzenner Siebener im Jahr 1426.
Das Feldgeschworenenwesen gilt als ältestes kommunales Ehrenamt Bayerns. Feldgeschworene wachen über Grundstücksgrenzen, wirken bei der dauerhaften Kennzeichnung von Grenzpunkten mit und unterstützen die Vermessungsverwaltung. Nach Angaben der Deutschen UNESCO-Kommission werden Feldgeschworene für das Amt auf Lebenszeit berufen. Seit 2016 ist das Feldgeschworenenwesen in Bayern in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Zur Feier in Horbach kamen mehrere Hundert Feldgeschworene, Vertreter aus Politik, Kommunen, Landwirtschaft und Vermessungsverwaltung sowie aktive und ehemalige Siebener. Schauplatz war die Maschinenhalle im Ortsteil Horbach, nahe Siebenercafé, Siebenerplatz und Freilichtmuseum. Dort wurde im Laufe der Veranstaltung ein Gedenkstein enthüllt. Der mehr als zwei Meter hohe Granitstein wurde demnach von den ortsansässigen Steinmetzen Kai und Oliver Vogel gestiftet und steht nun neben weiteren Steinzeugen vergangener Jahrhunderte.
Eröffnet wurde der Festtag mit einem Gottesdienst unter Leitung von Dekanin Kathrin Klinger. In den Grußworten wurde die Bedeutung des Amtes für den örtlichen Frieden und das nachbarschaftliche Miteinander hervorgehoben. Siebener-Obmann Hans Satzinger betonte die Verlässlichkeit jener, die dieses Amt oft im Stillen ausüben. Auch Heimat- und Finanzstaatssekretär Martin Schöffel nahm an der Feier teil. Nina Dederichs vom Deutschen UNESCO-Kulturerbebüro übermittelte ein Grußwort per Videobotschaft.
Das Programm umfasste eine Ausstellung, Vorführungen mit Vermessungsämtern und Siebenern, ein Kinderprogramm, Kutschfahrten zum Siebenerplatz, Führungen und Filmvorführungen. Damit wurde nicht nur die Geschichte des Ehrenamts dargestellt, sondern auch seine praktische Bedeutung sichtbar gemacht. Denn die Arbeit der Feldgeschworenen berührt einen Bereich, der im Alltag oft erst dann wahrgenommen wird, wenn es Unklarheiten gibt: die Grenze zwischen Grundstücken.
In Bayern gibt es nach Angaben der staatlichen Vermessungsverwaltung rund 25.000 Feldgeschworene. Ein großer Teil davon ist in Franken tätig. Feldgeschworene sind zur gewissenhaften und unparteiischen Ausübung ihres Amtes sowie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Zum Amt gehört auch das sogenannte Siebenergeheimnis. Dabei handelt es sich um geheime Zeichen, die bei der Abmarkung eines Grenzsteins verwendet werden können und nur den Feldgeschworenen bekannt sind.
Landrat Bernd Obst würdigte die Arbeit der Siebener als Dienst an der Allgemeinheit. Wer Grenzen sichtbar mache, helfe, Streit zu vermeiden. Auch Fürths dritter Bürgermeister Dietmar Helm verwies auf die lange Tradition des Ehrenamts. Zugleich wurde bei der Feier deutlich, dass die Tradition nicht unverändert stehen geblieben ist. In der Region gibt es inzwischen auch Frauen im Amt der Feldgeschworenen. Für ihr Engagement wurden unter anderem Jutta Massl aus Großhabersdorf, Heidi Stinzendörfer und Madeleine Espach geehrt.
(Ronald Heinrich)
20.7°C | Klarer Himmel 
