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Neustart in Zirndorf-Wintersdorf: Neue Hausarztpraxis öffnet heute ihre Türen

1. Juni 2026 ,
Das Team der neues Hausarztpraxis in Zirndorf: Die Ärztin Cornelia Weigand (Mitte) und ihre Mitarbeiterinnen Manuela Weißfloch (links) und Sabine Apelt (rechts). Foto: Roland BeckDas Team der neues Hausarztpraxis in Zirndorf: Die Ärztin Cornelia Weigand (Mitte) und ihre Mitarbeiterinnen Manuela Weißfloch (links) und Sabine Apelt (rechts). Foto: Roland Beck

Die medizinische Versorgung im Zirndorfer Gemeindeteil Wintersdorf steht vor einer unerwarteten Renaissance. Nachdem die einzige Hausarztpraxis am Ort zum 31. Dezember des vergangenen Jahres infolge der Insolvenz des vorherigen Betreibers, der MZE – Stirkat und Kollegen GmbH, schließen musste, war die Bestürzung in der Bevölkerung groß. Vor allem chronisch Kranke und ältere Menschen standen plötzlich ohne Anlaufstelle vor Ort da. Am Montag, den 1. Juni 2026, wird die Praxis in der Ansbacher Straße 77 nun offiziell wiedereröffnet. Das Besondere: Eine ehemalige angestellte Ärztin wagt den Schritt in die Selbstständigkeit und kehrt als eigene Chefin an ihre alte Wirkungsstätte zurück.

Für die Allgemeinmedizinerin Cornelia Weigand war die Nachricht von der Insolvenz im vergangenen Sommer ein Schock, der sie unvorbereitet traf. „Ich saß in der Hängematte, als der Anruf kam“, erinnert sich die 52-jährige Nürnbergerin im Gespräch mit „Fürth Aktuell“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre vorherige Stelle an einer Klinik bereits gekündigt und stand unmittelbar vor ihrem ersten Arbeitstag in der Wintersdorfer Praxis – nur vier Tage vor der offiziellen Bekanntmachung der Zahlungsunfähigkeit des Betreibers.

Kontakt

Hausarztpraxis Cornelia Weigand
Ansbacher Straße 77
Zirndorf-Wintersdorf
Telefon: 09127 / 56 63

Trotz der unsicheren Perspektive trat Weigand die Stelle damals an. In der darauffolgenden Ausnahmesituation wuchs das Team unter dem Druck der Ereignisse eng zusammen. „Es war wie in einem Gewitter, alle waren zerstört und keiner verstand es. In so einer Situation bleibt einem nichts anderes übrig, als zusammenzuarbeiten“, beschreibt die Medizinerin die Dynamik. Bis zur endgültigen Schließung am Silvestertag hielt das Team den Betrieb aufrecht, ehe die Praxis schließlich zum Jahreswechsel vorerst schließen musste. Für Wintersdorf bedeutete dies nun fünf Monate ohne hausärztliche Versorgung direkt vor Ort. 

Foto: Roland Beck

Der Weg von der angestellten Ärztin zur Praxisinhaberin war für Weigand ein monatelanger Prozess. Anfangs habe sie das Vorhaben weit von sich gewiesen. „Als es hieß: ‚Conny, mach du das doch‘, habe ich geantwortet: ‚Das könnt ihr total vergessen‘“, berichtet Weigand rückblickend. Der bürokratische Aufwand über die Kassenärztliche Vereinigung (KV), das Bewerbungsverfahren um die ausgeschriebenen Arztsitze und die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten schienen zunächst zu groß.

Den Ausschlag gaben letztlich die positiven Erfahrungen mit der Bevölkerung und die Hartnäckigkeit ihres Teams. Die Menschen im ländlich geprägten Wintersdorf seien spürbar dankbar und von einer Ehrlichkeit, die man in der Stadt oft vergeblich suche. Am 29. April dieses Jahres erhielt Weigand schließlich die offizielle Zusage des Zulassungsausschusses. Von den ehemals drei Kassensitzen des Medizinischen Zentrums am Standort übernimmt sie zunächst einen Sitz.

Für die Patienten der ehemaligen Praxis gibt es eine wichtige Nachricht: Trotz der monatelangen Schließung und des Wechsels auf ein neues EDV-System sind die historischen medizinischen Daten nicht verloren. Die Praxis hat legalen und vollständigen Zugriff auf die originalen Krankenakten des vorherigen MVZ-Betriebs. Wer bereits früher dort in Behandlung war, kann somit nahtlos wiederaufgenommen werden – die medizinische Vorgeschichte und die bisherigen Verordnungen sind bekannt.

Gleichzeitig betont Cornelia Weigand, dass ausdrücklich auch neue Patienten aufgenommen werden. Da viele Hausarztpraxen in der Region überlastet sind und Aufnahmestopps verhängt haben, stellt die Neueröffnung eine spürbare Entlastung für den gesamten westlichen Landkreis Fürth dar. Umliegende Praxen, wie etwa in Ammerndorf, hatten nach der Schließung im Winter zahlreiche Patienten interimsmäßig versorgt und verzeichneten seither einen enormen Andrang.

Beim Neustart kann Cornelia Weigand auf ein Fundament aus jahrzehntelanger Erfahrung bauen. Mit ihr kehren die beiden Medizinischen Fachangestellten (MFA) Manuela Weißfloch und Sabine Apelt an den Empfang und in die Behandlungszimmer zurück. Weißfloch feierte im März ihr 30-jähriges Dienstjubiläum an diesem Standort, den sie noch aus den Zeiten vor der MVZ-Übernahme kennt. Beide Kräfte hielten der Ärztin während der gesamten Vorbereitungsphase die Treue und unterstützten sie maßgeblich bei den zähen Verhandlungen um die Mieträume.

Das medizinische Spektrum der Praxis deckt die klassische hausärztliche Versorgung ab, darunter Ultraschalluntersuchungen, Hautkrebs-Screenings, EKG und Impfungen. Weigand, die vor ihrem Medizinstudium in Erlangen als Krankengymnastin tätig war und langjährige Erfahrung in der Akutmedizin besitzt, bringt zudem Expertise als Diabetologin mit. Dieser Bereich soll künftig gezielt ausgebaut werden. Eine entsprechende vertiefende Qualifikation im September ist bereits fest geplant, um die wachsende Zahl von Diabetes-Patienten vor Ort umfassend und spezialisiert begleiten zu können.

Wie hoch der Andrang am ersten Öffnungstag sein wird, vermag das Team kurz vor dem Start schwer einzuschätzen. Da verlässliche Terminvergaben im Vorfeld technisch und organisatorisch noch nicht möglich waren, wird der Montag, 1. Juni, primär für Akutpatienten geöffnet sein. „An einem Tag denke ich, wir werden komplett überrannt, am nächsten Tag sorgt man sich, ob überhaupt jemand kommt“, formuliert Weigand die allgemeine Anspannung vor dem Startschuss um 08:00 Uhr.

Organisatorisch setzt die Praxis künftig auf ein klares Zeitmanagement, um Notfällen gerecht zu werden, aber auch den geregelten Praxisbetrieb zu sichern: Akutpatienten werden gebeten, sich morgens telefonisch oder persönlich bis spätestens 09:45 Uhr zu melden, um für denselben Tag mit entsprechender Wartezeit eingeplant werden zu können.