Die Badesaison beginnt, doch die Schwimmfähigkeit vieler Kinder nimmt ab. Markus Mootz, Ausbildungsleiter beim DLRG-Ortsverband Fürth, erklärt, auf was Eltern besonders achten sollten. Außerdem findet im Playmobil FunPark in Zirndorf zusammen mit der DLRG-Ortsgruppe Zirndorf am kommenden Samstag, 13. Juni 2026, ein großer Familien-Aktionstag rund um sicheres Badevergnügen statt.
Ein kurzer Blick aufs Smartphone, ein Plausch am Beckenrand – und schon kann es zu spät sein. Zum Start der Badesaison richtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) einen eindringlichen Appell an Eltern: „Haltet euch an die Baderegeln und legt das Handy auf die Seite!“, fordert Markus Mootz, Ausbildungsleiter beim DLRG-Ortsverband Fürth. Zu oft beobachte er, dass Eltern ihre Kinder mit Schwimmflügeln ins Wasser lassen und sich dann abwenden. Ein fataler Fehler, denn Schwimmmeister können die persönliche Aufsichtspflicht der Eltern nicht ersetzen. Besonders bei jüngeren Kindern ist laut Mootz die Kombination aus mangelnder Aufsicht und fehlender Kondition im Wasser die häufigste Unfallursache.
In den Schlagzeilen ist oft von der mangelnden Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu lesen. Die Lage ist nach Einschätzung von Mootz nicht so dramatisch, wie sie gelegentlich dargestellt werde. «Was wir allerdings tatsächlich bemerken, ist, dass die Bewegungsfähigkeiten, also die Motorik, leiden», sagt er im Gespräch mit „Fürth Aktuell“. Bei Schwimmkursen zeige sich, dass Kinder heute teilweise länger bräuchten, um bestimmte Bewegungsabläufe zu erlernen. Als mögliche Gründe nennt er fehlenden oder reduzierten Schwimmunterricht, aber auch eine Verlagerung von Freizeitinteressen weg von Bewegung und Sport.
Auch beim Schwimmunterricht an Schulen sieht Mootz Herausforderungen. Nach seiner Wahrnehmung nimmt die Häufigkeit des Schwimmunterrichts ab. Ein Grund sei, dass weniger entsprechend ausgebildete Sportlehrer zur Verfügung stünden. Hinzu kämen größere Klassen und deutliche Leistungsunterschiede: Einige Kinder hätten bereits einen Schwimmkurs besucht und beherrschten die Grundlagen, andere hätten noch gar nicht schwimmen gelernt.
Der Schwimmunterricht finde zwar weiterhin statt, sagt Mootz. Die Qualität sei aber nicht mehr mit früher vergleichbar, weil oft die Zeit fehle, um sich intensiver mit einzelnen Kindern zu beschäftigen. Zudem gebe es in der Region nicht genügend Wasserzeiten für alle Schulen. Das sei strukturell bedingt, weil schlicht nicht ausreichend Platz in den Bädern vorhanden sei.
Der DLRG-Ortsverband Fürth bietet zweimal jährlich Schwimmkurse für Kinder an, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Die Kurse laufen jeweils über 15 Abende. Die Kapazität liegt bei etwa 42 bis 50 Kindern pro Kurs.
Eltern könnten ihren Kindern die Grundlagen des Schwimmens durchaus selbst beibringen, sagt Mootz. Häufig lernten Kinder es bei anderen Personen aber etwas schneller, weil dort eine andere Verbindlichkeit entstehe. Wer mit dem Kind beispielsweise im Urlaub oder im Schwimmbad geübt habe, könne bei der DLRG auch das Seepferdchen ablegen.
Wichtig sei aber: Das Seepferdchen bedeutet noch nicht, dass ein Kind sicher schwimmen kann. Es sei ein Vorstufenabzeichen und zeige vor allem, dass sich ein Kind eine gewisse Strecke über Wasser halten könne. Sicheres Schwimmen beginne erst, wenn die Anforderungen für das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze erfüllt seien. Das Seepferdchen diene vor allem als Basisnachweis und Motivation für weitere Abzeichen.
Bei Badeunfällen, von denen jedes Jahr zu lesen ist, sieht Mootz unterschiedliche Ursachen. Bei jüngeren Erwachsenen spiele häufig eine Kombination aus Selbstüberschätzung und Alkohol eine Rolle. Bei älteren Menschen gehe es eher um den Wechsel von Wärme und Kälte, wenn sie zu schnell ins kalte Wasser gingen und sich nicht ausreichend akklimatisierten. Bei jüngeren Kindern seien fehlende Leistungsfähigkeit im Wasser und mangelnde Aufsicht entscheidende Faktoren.
Sein wichtigster Rat an Eltern zum Start der Badesaison ist deshalb deutlich: «Haltet euch an die Baderegeln und legt das Handy auf die Seite.» Gerade Kinder, die nur mit Schwimmflügeln oder anderen Schwimmhilfen ins Wasser gehen könnten, müssten ständig im Blick bleiben. Eltern dürften sich nicht darauf verlassen, dass Bademeister oder Rettungsschwimmer die Aufsicht über einzelne Kinder übernehmen.
In Bädern werde seit einiger Zeit darauf hingewiesen, dass der Schwimmmeister nicht die persönliche Aufsichtspflicht für Kinder ersetzen könne. Mootz beobachtet dennoch immer wieder, dass Eltern ihre Kinder mit Schwimmflügeln ins Wasser lassen und dann am Beckenrand mit dem Handy beschäftigt seien oder sich unterhielten. Genau das könne gefährlich werden.
Auch Flüsse sind aus Sicht der DLRG nicht ungefährlich. Mootz verweist auf einen jüngeren Einsatz in Fürth, bei dem nach seiner Schilderung ein Schwimmer die Strömungsverhältnisse unterschätzt habe. Der Mann sei an einer zunächst unauffällig wirkenden Stelle ins Wasser gegangen und dann von der Strömung mitgerissen worden. Der Fall zeige, dass nicht nur fehlende Schwimmfähigkeit ein Risiko sei, sondern auch die Unterschätzung der örtlichen Bedingungen.
Bundesweit kamen nach Angaben der DLRG im Jahr 2025 mindestens 393 Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Die Organisation verzeichnete zugleich mehr Todesfälle bei jungen Menschen zwischen 11 und 30 Jahren. In Bayern wurden 2025 insgesamt 84 Badetote gezählt.
Der Familien-Aktionstag im Playmobil-FunPark findet am Samstag, 13. Juni 2026, statt. Nach Angaben des Unternehmens soll sich der Park an diesem Tag in einen Erlebnisort rund um sicheres Badevergnügen verwandeln. Geplant sind fünf Mitmachstationen, an denen Kinder spielerisch Baderegeln kennenlernen, Einblicke in die Arbeit der Lebensretter erhalten und ein Einsatzfahrzeug bestaunen können. Außerdem ist eine DLRG-Rallye vorgesehen.
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