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«Verdammt harte Nüsse» in Cadolzburg vorgestellt: Das neue Buch von Fritz Stiegler und ein besonderes Windspiel

16. Juni 2026, 11:03 Uhr
Fritz Stiegler stellte in Gonnersdorf sein neues Buch «Verdammt harte Nüsse» vor und erinnerte zugleich an den Wiederaufbau des Stieglerhofs nach dem Brand von 2014. (Foto: Ronald Heinrich)Fritz Stiegler stellte in Gonnersdorf sein neues Buch «Verdammt harte Nüsse» vor und erinnerte zugleich an den Wiederaufbau des Stieglerhofs nach dem Brand von 2014. (Foto: Ronald Heinrich)

Ein Bauernhof im Cadolzburger Ortsteil Gonnersdorf, der Wandel der Landwirtschaft, das Zusammenleben mehrerer Generationen und die Suche nach dem eigenen Weg: Mit seinem neuen Buch «Verdammt harte Nüsse» legt der fränkische Landwirt und Autor Fritz Stiegler eine autobiografisch geprägte Erzählung vor. Das Werk ist vor wenigen Tagen im Volk Verlag erschienen und verbindet persönliche Erinnerungen mit einem Blick auf die Veränderungen im ländlichen Raum.

Im Mittelpunkt steht der Bauernhof im Landkreis Fürth von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Stiegler schildert den Alltag auf dem Hof, wirtschaftliche Herausforderungen, familiäre Konflikte und die Auswirkungen des Strukturwandels in der Landwirtschaft. Dabei geht es ebenso um traditionelle Lebensweisen wie um existenzbedrohende Rückschläge und die Frage, wie ein Familienbetrieb über Generationen hinweg bestehen kann.

Fritz Stiegler stellt sein neues Buch in Gonnersdorf vor. Foto: Ronald Heinrich

Der Autor kennt diese Themen aus eigener Erfahrung. Fritz Stiegler wurde 1962 in Fürth geboren, wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf und lebt heute als Haselnussbauer im fränkischen Gonnersdorf bei Cadolzburg. Er ist Landwirtschaftsmeister und hat sich weit über die Region hinaus auch als Schriftsteller einen Namen gemacht. Bekannt wurde er unter anderem durch die Romane «Valentina» und «Heiner». Letzterer wurde 2022 als eines von Bayerns besten Independent-Büchern ausgezeichnet. Zudem schrieb Stiegler die Texte zu mehreren Musicals und erhielt den Kulturpreis «Frankenwürfel».

Vorgestellt wurde das Buch am 12. Juni in Gonnersdorf. Neben den Verkaufsräumen des FrankenGeNuss-Ladens kamen zahlreiche Freunde und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen. Durch den Abend führte Julia Hofmann vom Bayerischen Rundfunk. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Anja Lugert und Emil Hubner.

Die Buchvorstellung war zugleich ein Abend der Erinnerung. Vor der Halle auf dem Stieglerhof wurde eine Gedenkstelle enthüllt, die an einen einschneidenden Tag in der Geschichte des Hofes erinnert. Am 8. Februar 2014 war der historische Stieglerhof nahezu vollständig abgebrannt. Auslöser war ein technischer Defekt an einem Traktor. Der Schaden wurde damals auf rund zwei Millionen Euro beziffert. Die Feuerwehr hielt nach dem Brand fünf Tage lang Brandwache.

Schon am Tag nach dem Feuer waren Helfer, Freunde und Nachbarn vor Ort. Sie räumten Schutt weg, fingen ausgebrochene Tiere ein und organisierten Futter. «Es war ja nichts mehr da», erinnerte sich Fritz Stiegler. Dennoch stand schnell fest, dass es weitergehen sollte. Mit Unterstützung vieler helfender Hände und Betriebe wurde der mehr als 350 Jahre alte Hof wieder aufgebaut, unter anderem mit vorhandenen Sandsteinen und Holz aus dem eigenen Wald.

Dass man eine solche Hilfe nicht mit einem einfachen Dankeschön abschließen könne, sei auf dem Land tief verwurzelt, sagte Stiegler. «Des is’ schnell gsagt und dann vorbei.» Deshalb entstand die Idee für eine besondere Gedenkstelle. Ehefrau Sieglinde Stiegler entwickelte gemeinsam mit Jette Schmidt, Martin Fliehr und Klaus Fierus von der Firma Brennwerk aus Langenzenn ein Windspiel aus Metall. Es zeigt die Namen und Konterfeis der damaligen Unterstützer und umrahmt ein Modell des neu entstandenen Stieglerhofs.

Gewürdigt werden unter anderem die Familien Schmidt und Öchsner, die beim Abriss und Pflastern halfen, Baggerfahrer Günter Buckl, Gutachter Reinhard, Sepp Gruber aus der Partnerstadt Mauterndorf, Günter Oellerich, Jürgen Schulz, die Firma Körber, Paul Birkmann sowie Freund und Fußballerkollege Robert. «Das ist gelebte Nachbarschaft», sagte Stiegler. Das Windspiel stehe auch dafür, dass sich im Leben alles drehe und dennoch immer weitergehe.

Weitergegangen ist es auch auf dem Stieglerhof. Aus der ursprünglichen Landwirtschaft wurde zunächst ein Betrieb mit Tabakanbau und Reiterhof, später verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Haselnussanbau. Sohn Martin hat den Hof übernommen und nach einem Landwirtschaftsstudium Erfahrungen in einem Haselnuss-Großbetrieb im US-Bundesstaat Oregon gesammelt. Diesen hätte er sogar übernehmen können. Ein Grund für die Rückkehr nach Franken sei jedoch unter anderem «der Glubb» gewesen.

Auch diese Entwicklung spiegelt sich im Titel des Buches wider. Es seien in den vergangenen Jahren immer wieder «harte Nüsse» gewesen, die zu knacken waren. Bei der Vorstellung las Stiegler mehrere Episoden aus seinem Buch vor. Er erzählte von der Hofübergabe durch seine Eltern, von Hänseleien in der Schulzeit, vom Leben auf dem Bauernhof, vom Tod der Eltern, von der Geburt der Enkelkinder und von seinem Weg als Mundartdichter und Autor.

Ein ausführliches Kapitel widmet sich auch dem Musical «Mademoiselle Marie», das sogar im französischen Oradour aufgeführt wurde.

Das Buch blickt dennoch nicht verbittert zurück. Es sei keine Abrechnung mit dem Leben, sondern ein Werk, das trotz aller Rückschläge positiv in die Zukunft schaue. Rund 50 Fassungen seien in den vergangenen dreieinhalb Jahren entstanden. «Und es ist ein gutes Argument, nicht fernzusehen», sagte Stiegler.

Die Schlussworte übernahm Landrat Bernd Obst. Er erinnerte an das Musical «Mademoiselle Marie» und würdigte Stieglers Beitrag zur Kulturszene der Region. Dazu gehörten Mut, Zuversicht und Perspektive. Wenn man zusammenhalte, merke man, dass es weitergehe, sagte Obst.

So wurde die Vorstellung von «Verdammt harte Nüsse» nicht nur zu einem literarischen Abend, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen der Dankbarkeit. Für Fritz Stiegler und seine Familie war es ein Rückblick auf schwere Jahre, aber auch auf die Menschen, die geholfen haben, dass der Stieglerhof nach dem Brand wieder aufgebaut werden konnte. (Ronald Heinrich)

«Verdammt harte Nüsse» umfasst 216 Seiten, kostet 24 Euro und trägt die ISBN 978-3-86222-551-4. Das Buch ist ab sofort erhältlich, unter anderem in der Bücherstube in Zirndorf.